Kreis Coesfeld
Muslime starten Kampagne

Kreis Coesfeld. Keine guten Zeiten für Muslime. Der unsägliche Terror, der im Namen des Islam verübt wird, führt zu Verallgemeinerungen und Vorurteilen. Dagegen möchte die islamische Gemeinde Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ) etwas unternehmen. Unter dem Motto „Wir sind alle Deutschland“ wollen die Ahmadiyya-Muslime im Kreis Coesfeld eine Kampagne starten. „Wir wollen mit Bürgern ins Gespräch kommen und Vorurteile und Ängste abbauen“, sagt der Imam Luqman Shahid aus Osnabrück gestern im Pressegespräch in Coesfeld. Neben Infoständen in den Städten und Gemeinden des Kreises Coesfeld sollen Friedensbäume – möglichst zusammen mit den Bürgermeistern – gepflanzt werden und weitere Aktionen stattfinden. „Wir möchten informieren und erhoffen uns, dass die Bürger zwischen Muslimen und fanatischen Extremisten differenzieren“, sagt Shahid. Voreilige Schuldzuweisungen, davon ist er überzeugt, tragen zur Spaltung der Gesellschaft bei und spielen Extremisten in die Hände.

Freitag, 26.04.2019, 09:30 Uhr
Kreis Coesfeld: Muslime starten Kampagne
Die Ahmadiyya-Muslime starten eine Aufklärungskampagne, um „die Gesellschaft friedlicher zu gestalten“, wie der Imam Luqman Shahid (l.) sagt, mit Pressesprecher Ahmad Sultan (M.) und Nasrullah Khan (Präsident der Gemeinde Borken). Foto: Viola ter Horst

Die zentrale Botschaft der AMJ laute „Liebe für alle, Hass für keinen“.

Die AMJ hat ihren Ursprung in indisch-parkistanischer Region. Eine Reformbewegung des Islam, gegründet 1889 in der indischen Kleinstadt Qadian im Punjab von Hadhrat Mirza Ghulam Ahmad (1835 bis 1908). Er reiste, predigte und schrieb viel, seine Anhänger kamen vorwiegend aus der literarisch gebildeten Mittelschicht.

Nachgesagt wird den Ahmadiyya-Muslimen ein ausgeprägter Missionseifer. Heute hat die AMJ nach eigenen Angaben mehrere zehn Millionen Anhänger in über 200 Ländern der Welt. „In Deutschland haben wir rund 45 000 Mitglieder und betreiben 53 Moscheen“, sagt Shahid. In Münster-Hiltrup und in Isselburg im Kreis Borken haben die Anhänger ihre nächsten Moscheen. „Hier im Kreis Coesfeld leben verstreut Familien“, sagt Shahid. Durch die Flüchtlingssituation seien es in den letzten Jahren mehr geworden. „Wir fühlen uns gut integriert“, so Sahid, der fließend deutsch spricht. Stolz ist er darauf, dass die AMJ in Hamburg und Hessen den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts hat, so wie die großen christlichen Kirchen. Als erste muslimische Gemeinschaft überhaupt. „Barmherzigkeit gegenüber allen Menschen und absolute Gerechtigkeit zählen zu unseren Leitsätzen“, sagt Sahid. Außerdem: „Kein Zwang im Glauben, Gleichwertigkeit von Mann und Frau sowie Trennung von Religion und Staat“, wie der Imam betont. Ihre Ziele seien rein spirituell und keine politischen. Für sie lehre der Islam im Kern zwei Dinge: Den Weg zu Gott zu finden und seiner Schöpfung zu dienen.

In großen Lettern steht auf einer Stoffbahn, die extra für das Pressegespräch aufgebaut wurde, ein Zitat: „Wer eine Tochter gut aufzieht und ihr eine gute Bildung und Erziehung angedeihen lässt, erwirbt dadurch das Paradies.“

Eine goldene Regel ihres Gründers sei Heimatliebe und Loyalität gegenüber dem Land, in dem man lebe, sagt Shahid. Ein Flyer verdeutlicht das: „Muslime für Deutschland“ lautet die Überschrift.

Anders als andere Muslime glauben die Ahmadis daran, dass der erwartete Reformer und Messias bereits erschienen ist: In Form des Gründers Mirza Ghulam Ahmad. Auch deswegen erkennen andere Muslime die Ahmadis häufig nicht als Muslime an und lehnen die Ahmadiyya-Lehre als Irrweg ab.

In vielen Ländern finden laut Bundesregierung Menschenrechtsverletzungen gegen die Ahmadis statt. In Pakistan wird die Gemeinde seit den 1950er Jahren verfolgt. Den AMJ ist es in Pakistan gesetzlich untersagt, sich islamisch zu nennen. Die staatlichen Diskriminierungen gehen dort soweit, dass Ahmadi-Muslime keinen Personalausweis beantragen können. Bei einem Terroranschlag auf zwei Moscheen in Lahore im Mai 2010 gab es 86 Tote und 124 Verletzte.

„Ein Grund für unsere Verfolgung sind die zeitgemäßen Interpretationen des Islam“, sagt Shahid.

Mit ihren Aktivitäten wollen sie dazu beitragen, die „Gesellschaft friedlicher zu gestalten“, betont er. „Wir diskutieren mit dem Stift, nicht mit dem Schwert.“

Jesus in Indien:

Die Ahmadiyya- Lehre basiert auf dem Koran, aber die zahlreichen Schriften ihres Gründers Mirza Ghulam Ahmad (1835 bis 1908) haben eine erhebliche Bedeutung für die Anhänger. Speziell ist seine Vorstellung über Jesus: Ahmad war überzeugt, dass Jesus die Kreuzigung überlebt hat und nach Indien gegangen ist. Sein Grab will Mirza Ghulam Ahmad in Srinagar in Kaschmir ausfindig gemacht haben. Er schrieb sogar ein Buch über das Thema, das unter dem Titel „Jesus in Indien“ auch in deutscher Übersetzung vorliegt. vth

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6566521?categorypath=%2F2%2F62%2F798625%2F819239%2F819241%2F1324401%2F
Nachrichten-Ticker