Kreis Coesfeld
Kritischen Dialog mit Anbietern suchen

Kreis Coesfeld. Wenn auf einer Dienstreise des Landrats von Coesfeld nach Nottuln das Telefongespräch beim Kloster Gerleve abbricht und mitten in der Coesfelder Innenstadt selbst WhatsApp-Nachrichten manchmal nicht sofort rausgehen, wird eines besonders deutlich: Die Aussage von NRW-Wirtschaftsminister Pinkwart, dass 99 Prozent der Haushalte in NRW durch mindestens einen Anbieter mit LTE versorgt werden, mag zwar faktisch stimmen, hat aber nicht nur einen Pferdefuß. Nun will der Kreis Coesfeld den Druck auf die drei Anbieter – Telekom, Vodafone und Telefónica – erhöhen, um die Mobilfunkqualität zu verbessern und um für künftige Innovationen gerüstet zu sein.

Donnerstag, 21.02.2019, 19:16 Uhr aktualisiert: 22.02.2019, 09:18 Uhr
Kreis Coesfeld: Kritischen Dialog mit Anbietern suchen
Setzen sich für flächendeckenden LTE-Empfang im Kreis Coesfeld ein (v.l.) Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr, Breitbandkoordinator Jochen Wilms (wfc) und Dr. Jürgen Grüner, Geschäftsführer der wfc. Foto: Florian Schütte

„Grundsätzlich ist es erfreulich, dass sich das Land NRW mit dem Mobilfunkpakt auf den richtigen Weg gemacht hat“, sagt Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr. „Aber eine Kooperation der Anbieter untereinander wäre wünschenswert.“ So habe der normale Mobilfunkkunde nur einen Vertrag und könne im Falle eines Funklochs nicht einfach auf einen anderen Betreiber wechseln. „Außerdem nutzt man das Netz mobil, da hilft die Abdeckung bezogen auf die Haushalte wenig“, nennt Jochen Wilms, Breitbandkoordinator der Wirtschaftsförderung Kreis Coesfeld (wfc) einen zweiten Punkt. Der dritte Punkt appelliert an das Bewusstsein der Verbraucher. „UMTS ist ein Auslaufmodell“, sagt Wilms. „Daher keine Verträge mehr abschließen, die kein LTE abdecken“, rät der Fachmann. Auch Gebäude und Autos mit Wärmeschutzverglasung, also metallbedampften Scheiben, können die Signale dämpfen. Hier sei den Betreibern kein Vorwurf zu machen.

Um seinen Forderungen nach einer besseren Netzabdeckung Nachdruck zu verleihen, hat der Kreis Coesfeld in Kooperation mit der wfc eigene Messfahrten durchgeführt. „Wir arbeiten dabei mit einem renommierten Ingenieursbüro zusammen, das auch für die Mobilfunkbetreiber Messfahrten durchführt“, erklärt wfc-Geschäftsführer Dr. Jürgen Grüner. So werde sichergestellt, dass im wahrsten Sinne nicht mit zweierlei Maß gemessen wird. „Dadurch ist die Gesprächskultur mit den Mobilfunkbetreibern schon eine ganz andere“, erklärt Grüner, warum die Anbieter somit die Messergebnisse nicht mehr anzweifeln können, wie dies früher häufig der Fall war.

Doch laut Schulze Pellengahr will der Kreis nicht nur fordern, sondern die Betreiber auch beim Ausbau unterstützen. „Mit lokalem Know-how, beispielsweise wo sich Anschlüsse befinden und das Errichten neuer Masten möglich ist, können wir Schützenhilfe leisten“, erklärt Jochen Wilms.

Mindest 80 neue Basisstationen sind notwendig, um zumindest entlang der Bundes-, Landes- und Kreisstraßen eine Flächenabdeckung zu erreichen. Im zweiten Halbjahr 2018 sind bereits neun neue Basisstationen errichtet worden. Bis zu den notwendigen 80 Stationen sei es noch „ein langer Weg“.

Nicht zuletzt stand auch das National Roaming in der Diskussion, bei der es darum geht, „die Infrastruktur, die dreifach vorhanden ist, übereinanderzulegen“, erläutert Wilms. So können Nutzer von der Funkzelle eines Anbieters zu der eines anderen wechseln, wie dies auch beim Roaming im Ausland der Fall sei. „Aus unserer Sicht ist das völlig legitim“, sagt Wilms. Man müsse hier den kritischen Dialog mit den Anbietern suchen, da diese aus wirtschaftlichen Gründen diesem Vorschlag eher verhalten gegenüberstehen. Wichtig ist es dem Kreis Coesfeld, jetzt für flächendeckenden LTE-Empfang zu sorgen, um damit den Grundstein für die neue 5G-Technologie zu legen. Die erste Frequenzversteigerung dazu soll noch in diesem Frühjahr laut Bundesnetzagentur stattfinden.

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