Woche für das Leben: Arbeit auf der Palliativstation
Kleine Dinge wertschätzen

Warendorf -

Die Aufgabe ist nicht leicht und trotzdem macht Levent Sasse sie gerne, denn er hat das Gefühl, etwas wirklich Sinnvolles zu tun. Jeden Tag wird er mit dem Thema „Abschiednehmen“ konfrontiert.

Freitag, 23.04.2021, 06:30 Uhr
Levent Sasse (32) ist stellvertretender Stationsleiter der Palliativstation im Josephs-Hospital in Warendorf.
Levent Sasse (32) ist stellvertretender Stationsleiter der Palliativstation im Josephs-Hospital in Warendorf. Foto: privat

Berührungsängste mit dem Tod hat Levent Sasse nicht. „Dann könnte ich meinen Job auch nicht machen“, weiß er. Der 32-jährige Beckumer arbeitet auf der Palliativstation im Warendorfer Josephs-Hospital, ist dort stellvertretender Stationsleiter. Jeden Tag wird er mit dem Abschiednehmen, mit dem Sterben konfrontiert. Keine leichte Aufgabe. Und trotzdem kann er sich keinen anderen Arbeitsort mehr vorstellen: „Weil ich hier das Gefühl habe, etwas wirklich Sinnvolles zu tun, nämlich für Menschen in der letzten Lebensphase da zu sein.“

Die Sorge um Schwerkranke und sterbende Menschen nimmt die „Woche für das Leben“ in diesem Jahr in den Blick. „Vom 17. bis 24. April weist die gemeinsame Initiative der katholischen und evangelischen Kirche in Deutschland auf die Bedeutung der Hospiz- und Palliativversorgung hin. Den Kirchen ist es wichtig, die Patientinnen und Patienten nicht aufzugeben, sondern sie mit ihren Bedürfnissen ernst zunehmen. Gemeinsam mit den verschiedenen Akteuren der Hospiz- und Palliativversorgung möchten sie die Verantwortung für Schwerkranke und Sterbende tragen“, heißt es in einem Pressebericht des Bistums.

Was eine Palliativstation vom Hospiz unterscheidet

Durch Zufall war Levent Sasse während seiner Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger für kurze Zeit in einem Hospiz eingesetzt. Dort machte er die ersten Erfahrungen mit Menschen, die aufgrund einer unheilbarfortgeschritten Erkrankung eine sehr begrenzte Lebenserwartung haben. „Das Ziel einer palliativmedizinischen Behandlung ist nicht die Verlängerung der Lebenszeit, sondern eine Verbesserung der Lebensqualität“, erklärt der Pfleger. Die Wochen im Hospiz prägten den jungen Mann: „Ich war überrascht und beeindruckt von der Atmosphäre dort. Es war wohnlich und freundlich, einfach ein würdevoller Ort.“

Nach der Ausbildung ließ er sich zum Palliativpfleger weiterbilden und wechselte auf die Palliativstation des Josephs-Hospitals. Im Gegensatz zum Hospiz sei das Ziel eines stationären Aufenthaltes, die Beschwerden der Patienten zu lindern und die Kranken so zu stabilisieren, dass sie die Station wieder verlassen können. „Das gelingt natürlich längst nicht bei jedem Patienten, viele sterben bei uns“, berichtet Sasse. Aus seiner Sicht hat die Arbeit in dem Bereich viele Vorteile: „Wir haben hier einfach mehr Zeit für die Patienten als auf den anderen Stationen, können mit ihnen reden und sie intensiv begleiten.“

Individuelle Begleitung für Patienten

Acht Zimmer gibt es auf der Palliativstation, jede Begleitung wird individuell auf den Patienten abgestimmt. „Zu Beginn besprechen wir gemeinsam, was demjenigen gut tun kann“, sagt der stellvertretende Stationsleiter. Neben der medizinischen Versorgung unterstützt das Team die Patienten und Angehörigen auch psychisch, sozial und spirituell. „Dafür arbeiten wir mit Kollegen aus anderen Fachbereichen zusammen, wie Psychologen, Aroma- und Musiktherapeuten und Seelsorgern“, nennt Sasse Beispiele. Wenn es eben geht, werden die Wünsche der Patienten erfüllt. „Wenn jemand gerne eine Zigarette rauchen möchte, bringen wir ihn in den Raucherbereich, wenn jemand ein Eis möchte, bekommt er eins“, berichtet der Pfleger. Auch Feste wie Weihnachten oder Geburtstag werden, wenn gewünscht, gefeiert.

„Wenn dann jemand den Wunsch nach einem Bier äußert und wir ihm tatsächlich eins bringen, gibt es meistens große Augen.“ Einmal sei eine Patientin sogar mit dem Wünschewagen, ein Projekt des Arbeiter-Samariter-Bundes in Deutschland, an die Nordsee gebracht worden, weil sie das Meer unbedingt noch einmal sehen wollte.

Kleine Dinge machen Menschen glücklich

Es seien die kleinen Dinge, die einen Menschen glücklich machen können, sagt Levent Sasse. Auch er selbst habe gelernt, kleine Momente und Augenblicke mehr wertzuschätzen.

Nachdenklich werde er, wenn junge Patienten, vielleicht sogar in seinem Alter, auf der Station seien. „Dann lernt man das Leben und die Gesundheit besonders zu schätzen.“ Auch wenn er weiß: „Sterben gehört zum Leben dazu. So wie wir auf die Welt kommen, müssen wir irgendwann auch wieder von ihr gehen.“

Hintergrund „Woche für das Leben“

Die „Woche für das Leben“ ist eine gemeinsame Initiative der katholischen und der evangelischen Kirche in Deutschland. Die Kirchen wollen damit für den Wert und die Würde menschlichen Lebenssensibilisieren. Die Aktion wurde 1991 von der Deutschen Bischofskonferenz und vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) begründet. 1994 schloss sich die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) an. An der Aktion beteiligen sich bundesweit Hunderte Gemeinden, Einrichtungen und Verbände. Jedes Jahr behandelt die Aktion ein anderes Thema wie etwa den Schutz des ungeborenen Lebens, das Leben im Alter und menschenwürdige Pflege.

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