Neue Technik dank optischer Sensoren
„Sensosafe“ rettet Wildtiere

Kreis Warendorf -

Der Testlauf hat gut geklappt: Die optischen Sensoren beim „Sensosafe“ können unabhängig von Temperaturen und Lichtverhältnissen arbeiten. „Das Mähen und Aufspüren von Wildtieren kann hier egal zu welcher Tageszeit in einem Arbeitsgang erfolgen“, sagt Klemens Wedding von der Firma Pöttinger.

Donnerstag, 08.04.2021, 18:30 Uhr aktualisiert: 09.04.2021, 15:14 Uhr
„Sensosafe“ heißt die neueste Entwicklung bei den Wildtierrettungsmaßnahmen. Ein Sensor spürt Wildtiere auf dem Boden auf und hebt das Mähwerk an.
„Sensosafe“ heißt die neueste Entwicklung bei den Wildtierrettungsmaßnahmen. Ein Sensor spürt Wildtiere auf dem Boden auf und hebt das Mähwerk an. Foto: Kreisjägerschaft

Von der Feldbegehung mit Jagdhund und dem Einsatz von Rascheltüten über den Einsatz akustischer Wildretter und Drohnen mit Wärmebildkameras bis hin zur wildtierfreundlichen Mahd – Landwirten und Jägern stehen einige Maßnahmen zur Verfügung, um Rehkitze, Feldhasen und am Boden brütende Vogelarten vor dem Mähtod zu retten. Jetzt hat die Firma Pöttinger mit ihrem sensorbasierten Assistenzsystem „Sensosafe“ ein weiteres Mittel zur Wildtiererkennung und -rettung entwickelt. Auf Einladung vom landwirtschaftlichen Kreisverband und der Kreisjägerschaft wurde die neue Technik auf dem Betrieb von Hermann-Josef Schulze Zumloh in Neuwarendorf präsentiert.

Die optischen Sensoren haben das Fellstück erkannt.

Ein etwa 15 Zentimeter großes Fellstück, das einen Hasen symbolisieren soll, liegt im Gras. Der große mit Mähwerk und Sensorbalken ausgestattete Traktor bewegt sich langsam in Richtung des Fellstücks vor. Plötzlich hebt sich das Mähwerk. Die optischen Sensoren im Balken haben das Fellstück erkannt, das Mähwerk angehoben. Gleichzeitig hat der Fahrer in der Traktorkabine ein Signal erhalten, so dass er den Traktor anhalten und das Wildtier umsetzen und retten kann. Klemens Wedding von der Firma Pöttinger freut sich. Die Vorstellung der neuen Technik hat gut geklappt. Die Vorteile dieses neuen Verfahrens: Anders als beim Absuchen der Fläche erfordert „Sensosafe“ keinen zusätzlichen Zeit- und Personalaufwand. Während die mit Infrarotkameras ausgestatteten Drohnen wegen des Temperaturunterschieds möglichst am frühen Morgen zum Einsatz kommen sollten, arbeiten die optischen Sensoren beim „Sensosafe“ unabhängig von Temperaturen und Lichtverhältnissen. „Das Mähen und Aufspüren von Wildtieren kann hier egal zu welcher Tageszeit in einem Arbeitsgang erfolgen“, erklärte Wedding. „Je weniger Wildtiere dem Mähwerk zum Opfer fallen, desto geringer ist die Gefahr, dass Kadaver im Tierfutter landen und so zu lebensbedrohlichen Krankheiten im Tierbestand führen können“, sagte der Vorsitzende des landwirtschaftlichen Kreisverbands, Hermann-Josef Schulze-Zumloh. Somit sei es sinnvoll, Landwirte speziell für das Thema Wildtierschutz zu sensibilisieren. Die Jägerschaft sei dabei ein wertvoller Partner. Der KJS-Vorsitzende Josef Roxel, der wie Schulze-Zumloh Jäger und Landwirt in Personalunion ist, lobte die gute Zusammenarbeit in Sachen Tier- und Naturschutz, offenbarte aber den Zwiespalt zwischen Tierwohl und Wirtschaftlichkeit, in denen man sich als Jäger und Landwirt befindet. Trotz der vielen Vorteile, die „Sensosafe“ bietet, gibt es einen Wermutstropfen: Die neue Technik ist kostspielig. 2000 Euro pro Meter Arbeitsbreite fielen derzeit an, berichtete Wedding. Die Lohnunternehmer Philipp Uthmann und Andreas Voges, die die neue Technik präsentierten, kämen mit ihren 17 Metern Arbeitsfläche inklusive Umrüstung schnell auf eine Investitionssumme von 80 000 bis 90 000 Euro. „Wir sind durchaus bereit, uns mehr als üblich für die Wildtierrettung zu engagieren, aber ohne finanzielle Unterstützung ist das nicht machbar“, sagte Uthmann. Gastgeber Schulze-Zumloh nahm diesen Faden auf. „Wenn Tierschutz und Tierwohl von öffentlichem Interesse sind, ist es auch berechtigt, dafür öffentliche Gelder auszugeben“, adressierte er seine Worte speziell an Henning Rehbaum. Der CDU-Landtagsabgeordnet hatte sein Anliegen, einen diesbezüglichen Förderungsantrag im nächsten Haushalt einzugeben, schnell verstanden. Der CDU-Politiker verwies in diesem Zusammenhang auch auf die 200 000 Euro Fördergelder, die das Land NRW den Landwirten und Jägern bereits für den Drohneneinsatz zur Wildtierrettung zur Verfügung gestellt und die drei Millionen, die der Bund in diesem Jahr drauf gepackt hatte. „Jedwedes Engagement in Sachen Wildtierschutz ist gut“, befand Markus Degener, Naturschutzobmann der Kreisjägerschaft Warendorf. Der Kreis Warendorf gehöre deutschlandweit zu den Kreisen mit dem höchsten Niederwildbestand.

Investitionssummen von 80 000 bis 90 000 Euro

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