Wahl-Havixbecker wagen Neustart
Welt-Entdecker mit Kids

Es ist noch gar nicht lange her, da haben Stephi und Benjamin Wallenborn ihre Jobs in Berlin gekündigt. Mit ihren drei Kindern gingen sie auf Weltreise. Der kleine Finn war noch kein Jahr alt, als sie wieder in Deutschland ankamen, und war schon ein großer Welt-Entdecker. Von Havixbeck haben die Wallenborns nun ihren beruflichen Neustart organisiert – dazu gehört der Weltenbummler-Kids-Verlag.

Montag, 05.04.2021, 12:00 Uhr aktualisiert: 05.04.2021, 15:15 Uhr
Wegen der Corona-Pandemie steht das Reisen aber noch ein bisschen in den Sternen. Immerhin gibt es Reiseführer und Weltatlanten, um Pläne zu schmieden.
Wegen der Corona-Pandemie steht das Reisen aber noch ein bisschen in den Sternen. Immerhin gibt es Reiseführer und Weltatlanten, um Pläne zu schmieden. Foto: Gunnar A. Pier

Früher hatten die Wallenborns eine 50 Qua­dratmeter große Dachterrasse. Für Berliner Verhältnisse etwas Besonderes. Gleich vor der Haustür gab es Restaurants und Shops. Großstadt eben. Heute blicken Stephi und Benjamin Wallenborn ins Grüne. Rund um ihren Bungalow in den Baumbergen liegen Wiesen und Äcker, auf denen im Sommer Mais wächst. Bis Havixbeck sind es gut vier Kilometer. „Das ist schon eine Umstellung“, sagt Benjamin Wallenborn. Trotzdem ist er froh, dass die Familie den Schritt gewagt hat. Münsterland statt Kiez. Das bedeutet auch viel Platz für die Kinder Maya, Ella und Finn.

Beruflicher Neustart

Doch dem Ehepaar ging es nicht allein um einen Tapetenwechsel. Sie haben einen beruflichen Neustart hingelegt, ihre Jobs gekündigt – und einen Verlag für Kinderbücher gegründet: die Weltenbummler-Kids. Im Rücken ein NRW-Gründerstipendium, eine Crowdfunding-Community, Berufserfahrung und jede Menge Leidenschaft.

„Das fühlt sich alles richtig gut an.“ Stephi Wallenborn sprüht vor Energie, wenn sie von ihrem Projekt und ihrem neuen Leben mit all seinen Höhen und Tiefen erzählt. Keine Festanstellung mit Gehalt und bezahltem Urlaub. Dafür Selbstständigkeit – mit eigenverantwortlichem Balanceakt zwischen Start-up und Familie.

Das fühlt sich alles richtig gut an.

Stephi Wallenborn

 Als mutig bezeichnet sich die 39-Jährige gar nicht. Weil sie und ihr Mann alles gründlich durchdacht haben. Vor allem aber, weil sie eine Vision haben. „Wir wollen die Welt in die Kinderzimmer bringen.“

In Berlin fühlten sich die Wallenborns heimisch. Sie hatten interessante und fordernde Jobs. Er als Brand-Manager bei der niederländischen Bierbrauerei Heineken, sie als Vertriebs-Leiterin bei einem Start-up, das über die Jahre zu einem großen Unternehmen herangewachsen war. Stephi und Benjamin Wallenborn teilten sich Haushalt und Kinderbetreuung. Nachmittags war Spielplatz-Zeit – für denjenigen, der die Kinder an diesem Tag in der Kita einsammelte. Alles war strukturiert und organisiert, ganz typisch für so viele berufstätige Eltern.

„Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum“

Doch mit der Zeit dachte Stephi Wallenborn immer häufiger an ihr altes Poesiealbum. Darin stand fein säuberlich die Weisheit eines italienischen Denkers aus dem 16. Jahrhundert notiert: „Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum.“

Die gebürtige Coesfelderin spürte eine Unzufriedenheit aufsteigen, die immer häufiger die Frage formulierte: Was ist mein Traum? Heute kommt die Antwort postwendend. „Lebendig sein.“ Gemeinsam Zeit für die Kinder haben. Vor allem reisen. Länder zu entdecken ist die gemeinsame Leidenschaft.

Sie sind schon viel in der Welt herumgekommen. Während des Studiums und in den ersten Berufsjahren nahmen sich die Weltenbummler immer wieder Auszeiten und verabschiedeten sich in die Ferne. „Meine erste Reise mit Rucksack ging nach Chile“, erzählt die Familienmutter. Der Lonely-Planet-Reiseführer war damals gespickt mit kleinen Post-it-Notizen. „Bloß nichts von den Highlights im Land verpassen“, lautete ihre Devise.

Reisen während der Elternzeit

Als die Kinder auf die Welt kamen, ließ die Sehnsucht nach Reisen nicht nach. Nur das Tempo wurde gemäßigter. Die gemeinsamen Elternzeiten wurden genutzt, um die Welt erst zu dritt, dann zu viert und inzwischen zu fünft zu entdecken. 2012 ging es mit Baby Maya nach Italien, Griechenland und Sri Lanka. 2015 zogen die Wallenborns sechs Monate lang durch Südamerika. Maya und Ella waren im Buggy dabei. „Geht doch!“, lautete die Erkenntnis der Eltern, und diese ließ den Wunsch nach einer Weltreise mit der Familie reifen.

2018, drei Monate nach der Geburt von Finn, brachen die Wallenborns ihre Zelte in Berlin ab – und starteten zur Weltreise. Es ging in die USA, weiter nach Kanada, Japan, China, in die Mongolei, nach Russland, bis nach Spanien und Marokko. Als die Familie Monate später wieder in Deutschland ankam und in den Kreis Coesfeld umzog, war Finn noch kein Jahr alt und schon ein Weltreisender. Auch der Business-Plan für ihren Schritt in die Selbstständigkeit war fertig: unterwegs entstanden.

Das Gefühl, immer wieder neu anfangen zu können, ist uns nicht fremd.

Benjamin Wallenborn

Spontan seien sie immer schon gewesen, bilanziert Benjamin Wallenborn. Seine Frau hat ihre Diplomarbeit in Brasilien geschrieben, er seinen Master in Schweden gemacht. Ihre Jobs führten sie in unterschiedliche Städte und Regionen. „Das Gefühl, immer wieder neu anfangen zu können, ist uns nicht fremd“, erklärt der 42-Jährige. Nun sitzt er nicht mehr in Meetings, um Strategien für ein Unternehmen zu entwickeln, sondern beschäftigt sich mit Kinderliteratur, Storytelling und dem Aufbau von Charakteren. „Ich lerne neue Dinge. Mir öffnen sich neue Welten“, sagt er.

Die Arbeitsteilung zwischen den Eheleuten ist im Job klar definiert: Er schreibt, sie kümmert sich um den Verlag und die Logistik. Das Team-Building haben sie nicht dem Zufall überlassen, sondern ein professionelles Coaching mitgemacht. Ihre Persönlichkeiten ergänzen sich. Das wussten und wissen die Eheleute. Aber ihr Verständnis füreinander, sagt Stephi Wallenborn, vor allem für die jeweiligen Bedürfnisse des anderen, habe eine neue Basis erhalten.

Aus jedem Land der Erde ein Abenteuer fürs Kinderzimmer

Die Idee zu ihrem Kinderbuchverlag ist vor über vier Jahren entstanden. Damals zog eine befreundete Familie nach Abu Dhabi. „Wir fanden keine geeigneten Kinderbücher, um unserer Tochter eine Vorstellung davon zu geben, wo ihr Freund nun wohnt“, erzählt Stephi Wallenborn. Am Ende hätten sie vor Internet-Bildern gesessen und beschlossen: „Das muss kindgerechter gehen.“

Aus jedem Land ein Abenteuer fürs Kinderzimmer

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  • Stephi und Benjamin Wallenborn würden so gern wieder mit dem Oldtimer-Wohnmobil B-OB verreisen. Aber wegen Corona bleibt der im Carport stehen - und das Ehepaar kann nur vom Reisen träumen.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Inzwischen entdecken die Wallenborns zu fünft die Welt. Die Von-Hinten-Bilder haben inzwischen schon Tradition.

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  • Das erste Buch ist bereits erschienen. Band 2 über Schweden erscheint in Kürze. Es wird wie schon das Abenteuer-Buch über Deutschland mit Hilfe von Crowdfunding finanziert.

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  • Echte Weltenbummler: Stephi Wallenborn war schon in über 80 Ländern. Ihre Tochter Maya hat auch schon 28 Länder bereist.

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  • Weltenbummler Kids mit Stephi und Ben Wallenborn und den Kindern Maya, Ella und Finn und dem Wohnmobil B-OB

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  • Das war noch in Berlin - kurz vor ihrer Weltreise. Da war Finn gerade geboren. Die Weltkarte hängt in Havixbeck im Wohnzimmer. Derzeit träumt die Familie von einem Trip nach Botswana und Südafrika.

    Foto: privat

Das versuchen sie nun mit den Weltenbummler-Kids. Das sind Line und Benni. Die Protagonisten der Buchserie entdecken in einer Scheune das himmelblaue Wohnmobil B-OB. Der Weltreisende hat jede Menge Kilometer auf seinem Tacho und nimmt die zwei mit auf Entdeckungstouren. Am Ende sollen Line und Benni, in denen ganz viel von Stephi und Benjamin Wallenborn steckt, 195 Länder bereist haben und aus jedem Land Geschichten mitbringen.

Weil sie überall auf der Welt freundliche und hilfsbereite Menschen getroffen haben, will das Ehepaar Kindern über die Weltenbummler-Kids die Angst vor Fremden nehmen und Eltern ermuntern, sich bewusst Zeit für die Familie zu nehmen. Die Wallenborns haben die nächsten Reiseziele schon vor Augen. Eine große Weltkarte hängt in ihrem Wohnzimmer und lässt sie von Botswana und Südafrika träumen. Mitten in den Baumbergen. B-OB steht im Carport vor der Tür bereit.

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