Revierförster Daniel Hook über Besucherandrang im Venner Moor
Die Natur schützen und öffnen

Venne -

In Zeiten von Corona ist das Venner Moor zu einem noch beliebteren Ausflugsziel geworden, als es ohnehin schon der Fall war. Im WN-Interview gibt Revierförster Daniel Hook Tipps und Hinweise, was Besucher mit Blick auf das sensible Ökosystem beachten sollten.

Montag, 01.03.2021, 08:14 Uhr aktualisiert: 04.03.2021, 10:19 Uhr
Das Venner Moor übt eine hohe Anziehungskraft aus. Nicht immer finden sich dort so wenige Besucher wie auf diesem Bild.
Das Venner Moor übt eine hohe Anziehungskraft aus. Nicht immer finden sich dort so wenige Besucher wie auf diesem Bild. Foto: Dietrich Harhues

Der Drang in die Natur ist seit der Corona-Pandemie deutlich stärker geworden. Doch welche Folgen hat das für sensible Gebiete wie das Venner Moor. Darüber sprach WN-Redakteur Dietrich Harhues mit Daniel Hook, Revierförster beim Regionalforstamt Münsterland des Landesbetriebs Wald und Holz NRW.

 

Können Sie den Eindruck bestätigen, dass seit der Corona-Pandemie die Neigung, die Freizeit in der Natur zu verbringen, deutlich gestiegen ist?

Hook: Diesen Eindruck kann ich bestätigen. Insbesondere in einem einwohnerreichen Land wie NRW kommt der Erholungsfunktion des Waldes eine wichtige Bedeutung zu. Dass diese in der Pandemiezeit noch stärker als gewohnt in Anspruch genommen wird, ist sehr verständlich. Leute nutzen den Wald in dieser Zeit häufiger als Freizeitraum und das hat viele gute Seiten.

Wie wirken sich die erhöhten Frequenzen und Aktivitäten aus? Kommen die Strukturen schon an ihre Grenzen, etwa bei Parkplätzen oder auf den Wanderwegen?

Hook: Im Venner Moor finden Waldbesuchende günstige Strukturen für beispielsweise Spaziergänge vor. Es gibt relativ viele Parkmöglichkeiten und Wege. Inwieweit die Erholungsstrukturen überlastet werden, hängt auch von den Waldbesuchenden selbst ab. Klar ist, je rücksichtsvoller die Personen sind, desto mehr Leute können sich dort gleichzeitig aufhalten und erholen.

Kommt es zu Engpässen?

 

Hook: Insbesondere an sonnigen Wochenendtagen, kann es sein, dass der große Parkplatz am Venner Moor, nahe der neuen Kanalbrücke, besetzt ist. In der Regel ist jedoch noch genug Platz.

Sind Flächen wie das Naturschutzgebiet Venner Moor besonders gefährdet und reagieren sensibler auf das gestiegene Besucheraufkommen?

Hook: Im Venner Moor sind 148 Hektar als Naturschutzgebiet ausgewiesen und trotzdem ist es mit einigen Wegen erschlossen. Auch vor der Coronapandemie war es ein beliebtes Ausflugsziel. Es ist der Ansatz, Natur erlebbar zu machen und sie gleichzeitig zu schützen. Auch waldwirtschaftliche Eingriffe sind in einem Naturschutzgebiet in der Regel möglich. Ein Multifunktionaler Wald ist kein Widerspruch, auch wenn es erstmal so scheint, sondern Zielbild vieler heimischer Wälder.

Wie kann das funktionieren?

Hook: Damit das funktioniert, ist es jedoch erforderlich und wichtig, dass sich an bestehende Regeln gehalten wird. Beispielsweise dürfen auf den Naturschutz-Flächen Spaziergänger die Wege nicht verlassen und Hunde sind anzuleinen. Zudem ist es obligatorisch, das Besucher Essenreste oder Müll, den sie in den Wald gebracht haben, nicht dort lassen. Allein die Anzahl der Waldbesucher ist daher eher unproblematisch. Es ist das Verhalten einzelner, das eventuell problematisch ist.

Was raten Sie Naturfreunden, die weniger Andrang suchen?

Hook: Wir beobachten, dass viele Menschen an wenigen besonders beliebten Orten ihr persönliches Naturerlebnis suchen. Dort kommt es dann leicht zu vollen Parkplätzen und zur gefühlten Enge in der Natur. Am nächsten oder übernächsten weniger bekannten Wanderparkplatz ist in der Regel weniger los. Wer also eher die Ruhe sucht, ist gut beraten, die bekannten Hotspots zu meiden und auf andere Wanderparkplätze auszuweichen, wo der Wald oft genauso schön ist.

Welche Grundregeln sollten Menschen, die die Natur vor ihrer Haustür (wieder) entdecken, unbedingt beachten?

Hook: Sie sollten den waldbewohnenden Tier- und Pflanzenarten, den im Wald arbeitenden Menschen sowie auch anderen Waldbesuchern mit Respekt begegnen und sich an geltende Vorschriften halten. Beispielsweise unter https://www.wald-und-holz.nrw.de/wald-erleben/verhalten-im-wald kann man sich zur korrekten Verhaltensweise im Wald informiert werden.

Bereitet spezielles Freizeitverhalten besondere Probleme, so etwa Hundehalter oder Outdoor-Sportler wie Mountain-Biker?

Hook: Im Venner Moor sehe ich keine gebietsspezifischen Probleme. Radfahren abseits fester Wege ist auch im Venner Moor untersagt. Unter „Festen Wegen“ sind sowohl künstlich befestigte Wege als auch Wege die von Natur aus einen festen Untergrund haben, gemeint. Wichtig ist, dass die Wege zum Radfahren breit genug angelegt wurden.

Bedeutet die Hinwendung zu Wald und Forst auch eine Chance, ökologische oder waldpädagogische Aspekte einem größeren Bevölkerungsanteil näher zu bringen?

Hook: Eine Chance sehe ich darin, dass mehr Menschen auf Veränderungen im Wald aus eigenen Beobachtungen aufmerksam gemacht werden. Sie beobachten unter anderem, wie zum Teil alte Waldbäume durch Prozesse geschädigt werden, die wahrscheinlich im Zusammenhang mit künftig noch zunehmenden Klimaveränderungen stehen. Dadurch wird der Klimawandel und dessen Auswirkungen weniger abstrakt wahrgenommen. Es wird daraus ersichtlicher, dass er bereits heute beträchtliche Auswirkungen auf unsere Waldlebensräume hat.

Sind die Waldbesucher aufgeschlossen für Informationen?

Hook: Ich habe den Eindruck, dass die Nachfrage nach Waldführungen und Walderlebnissen zunimmt. Viele Leute haben großes Interesse am Wald und das gefällt mir. Wie den Leuten der Wald nähergebracht werden kann, ist ganz unterschiedlich. Vermutlich hat jeder seinen eigenen Zugang zu diesem Thema. Auch bei unseren Facebook- und Instagramkanälen spüren wir ein deutlich gestiegenes Interesse am Wald. Im Wald werden die Folgen der Klimakrise schon jetzt deutlich sichtbar. Ein Thema von großem öffentlichen Interesse.

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