Erinnerungen an 2005 und 1978/79
Rückblick: Als der Schnee zum Chaos führte

Hamburg/Ochtrup -

Extreme Winterwetterlagen gab es in Deutschland mehrfach. 2005 lösten Schneefall und Sturm im Münsterland ein Chaos aus, als sich Eispanzer um Stromleitungen legten und Masten zusammenbrachen. Folge: Tagelanger Stromausfall. An der Jahreswende 1978/79 legten Sturm und Schneewehen das Leben in Norddeutschland weitgehend lahm.

Freitag, 05.02.2021, 20:15 Uhr aktualisiert: 05.02.2021, 21:16 Uhr
Beim Schneechaos 2005 im Münsterland brachen Strommasten wie Streichhölzer.
Beim Schneechaos 2005 im Münsterland brachen Strommasten wie Streichhölzer.

Die Erinnerungen an Extremwetterlagen, wie sie auch an diesem Wochenende drohen, sind noch gegenwärtig: Als Ende November 2005 der Schnee in dicken, schweren Flocken fiel, sich Eispanzer um Stromleitungen legten und dann zwischen Steinfurt und Ochtrup die Strommasten brachen und wie Dominosteine umfielen, rückte das Münsterland plötzlich bundesweit in die Schlagzeilen. Tagelang fiel in den Kreisen Steinfurt, Borken und Teilen Coesfelds der Strom aus, Bauernhöfe mit Viehbestand kamen in Not, Menschen froren in kalten Häusern, Firmen und Läden verzeichneten immense Schäden.

Harald Schmidt lobte Münsteraner

Tausende Helfer von Feuerwehr und Katastrophenschutz rückten aus ganz Deutschland an, Nachbarschaftshilfe funktionierte, Entertainer Harald Schmidt lobte die Münsterländer für ihre Gelassenheit und schickte später eine lokal gestaltete „Schneekugel“ ans Töpferei-Museum Ochtrup. Die Schadensersatzprozesse gegen den Stromversorger RWE liefen noch Monate weiter, zum Glück gab es kaum Personenschäden. Ein Winter mit Schneemassen folgte. Wenige Wochen später brach in Bad Reichenhall eine Eishalle unter der Schneelast ein. 15 Todesopfer waren zu beklagen.

Der Blick geht weiter zurück, an die Jahreswende 1978/79, als zwei Extremwetterlagen zur Jahreswende und im Februar mit Eiseskälte, Sturm und Schneeverwehungen ganz Norddeutschland im Griff hatten. Anica Ehlers wurde im Februar 1979 bei klirrender Kälte im Panzer geboren. Der Norden Deutschlands erlebte vor über 40 Jahren nämlich einen extremen Winter, der als „Schneekatastrophe“ in die Geschichte eingegangen ist. Zu den werdenden Eltern Gisela und Carl-Heinz Ehlers in Hellingst im Kreis Osterholz-Scharmbeck kam kein Krankenwagen durch, für einen Hubschrauberflug war das Schneetreiben zu dicht. Doch aus der Kaserne in Schwanewede kämpfte sich ein gepanzerter Mannschaftstransporter nach Hellingst durch und nahm das Paar an Bord. Unterwegs wurde Tochter Anica geboren. „Ich konnte nicht mehr warten“, sagt sie heute.

Bergepanzer auf der Autobahn

Vielerorts war die Lage damals dramatisch – Bergepanzer waren auf der Autobahn 7 in der Lüneburger Heide unterwegs, Autos schneiten ein, eisige Stürme tobten und hinterließen gewaltige Schneemassen. Eine ähnliche Wetterlage könnte Norddeutschland am Wochenende treffen, wenn wieder milde Temperaturen im Süden und Schneeverwehungen und klirrender Frost im Norden erwartet werden. Die Schneemenge dürfte aber deutlich geringer ausfallen, sagt ein Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes. In der Spitze würden bis zu 40 Zentimeter Schnee erwartet, damals sei es fast doppelt so viel gewesen.

Denn über den Jahreswechsel 1978/79 hatten die weißen Massen zuerst Schleswig-Holstein zugedeckt, im Februar 1979 brachte ein Sturm von Osten her tiefen Schnee über den Norden von Niedersachsen und der benachbarten DDR. Die Folgen: Der Bahnverkehr brach zusammen, Straßen wurden unpassierbar. Stundenlang mussten frierende Autofahrer auf der blockierten A7 ausharren. Ganze Dörfer hatten keinen Kontakt zur Außenwelt, in manchen Orten wurden Lebensmittel knapp. Vom 13. bis zum 18. Februar herrschte im Nordwesten von Niedersachsen Katastrophenalarm. Nur die Kinder freuten sich, weil sie tagelang schulfrei hatten.

Hilfe kam damals oft von der Bundeswehr. Weil die Räumfahrzeuge die Schneemassen kaum bewältigten, versuchten Bundeswehrsoldaten die Autobahn zwischen Hamburg und Hannover mit Bergepanzern vom Schnee zu befreien. Mit Schaufeln arbeiteten sich viele Menschen daran ab, ihre Autos gleichsam auszugraben.

Der Schnee blieb übrigens im Frühjahr 1979 lange liegen, bis hinein in den März. Als es taute, gab es viele Überschwemmungen. Seitdem hat es im Norden Deutschlands nicht mehr so lange geschneit.

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