Flughafen
FMO-Kritiker stellen wieder laut die Sinnfrage

Münsterland -

Corona hat auch den Flughafen Münster/Osnabrück lahmgelegt, der Airport schreibt Monat für Monat rund eine Million Euro Miese. In der Politik werden wieder Stimmen laut, die die Zukunft des FMO infrage stellen. Die Wirtschaft reagiert alarmiert.

Freitag, 22.01.2021, 19:30 Uhr aktualisiert: 22.01.2021, 19:48 Uhr
Gerade die Drehkreuzverbindungen nach Frankfurt und München sind für die regionale Wirtschaft wichtig – als Verbindung in die weite Welt.
Gerade die Drehkreuzverbindungen nach Frankfurt und München sind für die regionale Wirtschaft wichtig – als Verbindung in die weite Welt. Foto: imago-Images

Ein Plädoyer aus der Wirtschaft als Appell an die Politik: Vertreter führender Unternehmen aus der Region haben am Freitag die Bedeutung des Flughafens Münster/Osnabrück (FMO) für ihre Firmen und den Wirtschaftsstandort Münsterland ganz allgemein hervorgehoben. „Wir sind ein internationalaufgestelltes Unternehmen, der FMO ist für uns ein entscheidender Wettbewerbsfaktor“, betonte Peter Steinbeck, Vorstandsvorsitzender des Maschinenbauers „Windmöller & Hölscher“ aus Lengerich in einer Videokonferenz, an der auch der Hauptgeschäftsführer der Industrie-und Handelskammer Nord Westfalen (IHK), Dr. Fritz Jaeckel, teilnahm.

So wie alle Flughäfen leidet auch der FMO in Greven unter der Corona-Pandemie. Die Passagierzahlen sind eingebrochen, Flugverkehr findet kaum noch statt, aus Gründen der öffentlichen Daseinsvorsorge muss der Airport in Greven wie alle anderen Flughäfen auch geöffnet bleiben. Wirtschaftlich gleicht das der Quadratur eines Kreises.

Gesellschafter zögern mit Finanzspritze für den FMO

In seiner Not hat FMO-Chef Rainer Schwarz die Gesellschafter mit den Städten Münster (35 Prozent der Anteile) und Osnabrück (17 Prozent) sowie den Kreis Steinfurt (30 Prozent) an der Spitze für 2020 und 2021 um Corona-Hilfen in Höhe von zehn Millionen Euro gebeten. Kreis und Stadt Osnabrück haben bereits zugesagt. Der Kreistag in Steinfurt und der Rat der Stadt Münster tun sich in dieser Frage schwerer.

Die Corona-Hilfe ist nur ein Teil der Diskussion. Diese zieht längst größere Kreise. Um wieder auf die Füße zu kommen, hat der FMO seine Eigentümer in den vergangenen Jahren über 100 Millionen Euro gekostet. Die aktuelle Corona-Krise wirkte nun wie ein Katalysator für eine neue Infragestellung.

Flughafen soll auf den Prüfstand

Proteste gegen den Flughafen aus der Zivilgesellschaft sind das eine, politische Debatten das andere. Im Steinfurter Kreistag drängen Grüne, Linke und die UWG darauf, den Flughafen auf den Prüfstand zu stellen. Auch in der SPD mehren sich flughafenkritische Stimmen. Eine Koalition mit klarer Mehrheit gibt es nicht, das macht die Sache schwierig. In Münster ringen SPD, Grüne und Volt um genug gemeinsame Masse für eine Koalition – auch hier gibt es starke Kräfte, die die Zukunft des Flughafens kritisch sehen.

Appell aus der Wirtschaft

Das ist die Kulisse, vor dem der Appell aus der Wirtschaft zustande kam. Steinbeck und seine Kollegen Prof. Stefan Kirmße von der Unternehmensberatung „zeb“ und Julius Fabian Roberg, Geschäftsführer des Zulieferers Alliance Automotive Germany, erklärten, „die aktuelle Diskussion um den FMO mit Sorgen zu betrachten“.

Natürlich seien Umweltschutz und Nachhaltigkeit auch für Unternehmen feste Größen: „Gleichwohl benötigen wir für die Kundenakquise und Leistungserbringung den direkten Kontakt“, sagte Kirmße. Sollte am FMO perspektivisch das Licht ausgehen, sei das ein verheerendes Signal, betonte Roberg. Die Alliance Automotive Group hat weltweit 12 000 Mitarbeiter. Ob die Gruppe dann an dem relativ kleinen Standort Münster festhalte, sei fraglich.

Wenn jetzt – etwa durch ein Infragestellen des FMO – der Eindruck entstehe, die Region lege keinen Wert auf Internationalität, Weltoffenheit, Zugewandtheit und Erreichbarkeit, sei das ein klarer Minuspunkt, so Kirmße.

Passagiereinbruch am FMO

In NRW stecken die Flughäfen tief in der Corona-Flaute. Im Vergleich zu 2019 büßten sie im vergangenen Jahr rund 80 Prozent ihrer Fluggastzahlen ein. 2020 nutzen den FMO 223 500 Passagiere. Im Jahr davor waren es 992 553 gewesen. Seit 2018 ist der FMO wieder auf einem guten Weg. Mit Germania kam ein neuer Aufschwung, der Flughafen knackte nach vielen Jahren wieder die Eine-Million-Grenze bei den Fluggastzahlen. Der positive Trend setzte sich auch nach dem Aus der Germania fort. In diesem Sommer hofft der FMO mit demselben Angebot aufwarten zu können wie im vergangenen Jahr.

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