Winterbaden ist in Polen ein Nationalsport
Nichts für Warmduscher

Ochtrup -

Die meisten Ochtruper können sich besseres vorstellen, als im Winter in dem eiskalten Haddorfer See baden zu gehen. Nicht aber Tomasz Mikocik und Pawel Ozog. Für die beiden Polen steht das Winterbaden bis zum Frühjahr fest auf dem Programm.

Mittwoch, 13.01.2021, 06:12 Uhr aktualisiert: 13.01.2021, 06:20 Uhr
Tomasz Mikocik (l.) und Pawel Ozog trotzten der Eiseskälte im Haddorfer See.
Tomasz Mikocik (l.) und Pawel Ozog trotzten der Eiseskälte im Haddorfer See. Foto: privat

Johann Wolfgang von Goethe soll ein bekennender Anhänger davon gewesen sein. Und in Osteuropa ist es ein Kulturgut. Gemeint ist das Winterbaden, das seit Neustem auch von Och­trupern betrieben wird.

Tomasz Mikocik (42) und Pawel Ozog (39) heißen die beiden, die sich jeden Sonntag um 13 Uhr in das eiskalte Nass des Haddorfer Badesees begeben. Freiwillig versteht sich – denn regelmäßiges Winterbaden, darauf bestehen die Liebhaber dieses Genusses, soll das Immunsystem stärken und Infekten vorbeugen.

Kältereiz ohne auskühlen

Nach Sekunden im eiskalten Wasser wird der Körper einem Kältereiz ausgesetzt, kühlt jedoch nicht aus. Er stellt sich vielmehr auf die neue Situation ein und wandelt die vorhandene Energie reflexartig in Körperwärme um. Die Blutgefäße ziehen sich zusammen, um die lebenswichtigen Organe mit genügend Sauerstoff und Blut zu versorgen. Die Temperatur der Haut fällt ab, während die Körpertemperatur bei 37 Grad bleibt. Altgediente Winterbader schwören sogar, dass so langfristig eine Abnahme von rheumatischen Schmerzen und Entzündungen zu erwarten sei.

Bei uns in Polen ist das im Winter nach Skispringen die Sportart Nummer eins.

Pawel Ozog

„Und es werden Glückshormone ausgeschüttet. Es ist ein tolles Gefühl, wenn wir wieder aus dem Wasser kommen“, freute sich Mikocik am vergangenen Sonntag nach den 5:20 Minuten, die er und sein Kumpel Pawel Ozog in dem vier Grad kalten und mit einer dünnen Eisschicht bedeckten Wasser ausgehalten hatten.

Das Winterbaden ist aber kein Jux, sondern es bedarf einer gewissenhaften Vorbereitung. Eine halbe Stunde machen sich die beiden Polen warm, um ihren Körper für das Eisbad auf Betriebstemperatur zu bringen. Leichtes Joggen und Dehnen sind da elementar. „Aber nur so weit, dass man nicht ins Schwitzen kommt“, verrät Mikocik.

Extremitäten schützen

Mit dünnen Schuhen und in Badehose steigen Mikocik und Ozog in die Fluten. Neben Corona-Maske lediglich mit Mütze und Handschuhen ausgestattet. Die sind wichtig, denn Kopf und Extremitäten kühlen am schnellsten aus. Daher sollen die Hände auch zwingend über Wasser gehalten werden.

„Bei uns in Polen ist das im Winter nach Skispringen die Sportart Nummer eins. Gerade jetzt in der Corona-Zeit, in der man sportlich nicht viel machen kann, wird Winterbaden immer beliebter“, berichtet Ozog. In zugefrorenen Seen und in der Ostsee gehen die Polen schon seit Jahren ins Wasser. Auch in Skandinavien und weiten Teilen der ehemaligen Sowjetunion ist das Winterbaden extrem populär.

Es kribbelt schon, aber es ist nicht unangenehm.

Tomasz Mikocik

Härter sind nur noch die Eisschwimmer, die tapfer ihre Bahnen ziehen und sogar Weltmeisterschaften austragen. Aber das kommt für die beiden Ochtruper nicht infrage. Ihnen reicht es, brusthoch im eiskalten Nass zu stehen. „Es kribbelt schon“, verrät Mikocik, „aber es ist nicht unangenehm. Wenn ich jedoch merke, dass der Körper verkrampft, dann ist es Zeit, aus dem Wasser zu gehen.“

Auch Mikociks Sohn Xavier (13) und dessen Cousin Adrian Nestmann (14) – beide Nachwuchs-Handballer beim SC Arminia Ochtrup – haben sich schon als hartgesottene Wasserratten ausprobiert. Jeden Sonntag wollen die Polen demnächst in den Haddorfer Badesee steigen. Und das bis zum Frühling. „Darüber hinaus würde es ja keinen Sinn machen“, schmunzelt Ozog bei einer heißen Tasse Kaffee.

Tipps fürs Winterbaden
  • Um seine Gesundheit nicht zu riskieren, ist es ratsam, nicht länger als wenige Sekunden oder Minuten im Wasser zu bleiben.
  • Gutes Aufwärmen ist Pflicht.
  • Nach dem Bad sollte man in Bewegung bleiben. Das reduziert die Gefahr der Unterkühlung.
  • Nie alleine Winterbaden, denn im Fall eines Falles können Begleitpersonen Hilfe leisten.
  • Sich nicht überschätzen, sondern langsam steigern. Am besten schon im Sommer damit beginnen, sich Schritt für Schritt auf die Gegebenheiten einzustellen.
  • Menschen mit gesundheitlichen Problemen sollten kein Winterbaden praktizieren.
  • Wer mit dem Winterbaden beginnen möchte, sollte sich vorher von seinem Hausarzt durchchecken lassen.
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