Sicherheit für Selbstzahler
Freiwillige Corona-Schnelltests: einfach - aber umstritten

Greven/Osnabrück -

Bin ich aktuell mit Corona infiziert? Schnelltests versprechen eine flotte Antwort. In eigens errichteten Testzentren können sich Bürger auch ohne Symptome testen lassen - auf eigene Kosten. Ein Vorgehen, das auch kritisch gesehen wird.

Freitag, 04.12.2020, 18:25 Uhr aktualisiert: 04.12.2020, 18:28 Uhr
Corona-Schnelltests können Interessierte mittlerweile auch auf Eigeninitiative und auf eigene Kosten durchführen lassen. Doch das ist nicht unumstritten, weil die Test-Kits knapp sind.
Corona-Schnelltests können Interessierte mittlerweile auch auf Eigeninitiative und auf eigene Kosten durchführen lassen. Doch das ist nicht unumstritten, weil die Test-Kits knapp sind. Foto: dpa

Ein Testergebnis schon nach 15 bis 30 Minuten, verspricht die Praxis Münsterstraße, ein Ärztehaus in Greven. Schon seit Oktober werden hier Corona-Schnelltests angeboten. Die Kosten in Höhe von 30 Euro müssen die Getesteten selbst übernehmen. „Grundsätzlich kann sich bei uns jeder testen lassen“, erklärt Dr. Christian Tast auf Nachfrage unserer Zeitung. Man müsse nicht zwangsläufig Symptome haben. Es gibt zudem weder eine Alters- noch Wohnortbeschränkung.

Keine Tests in Osnabrück bei Symptomen

In Osnabrück ist das ähnlich. Dort startet die Firma „GVO Personal“ am 8. Dezember in der Osnabrück-Halle ein Corona-Schnelltestzentrum. Auch hier kann sich jeder testen lassen. Sogar ohne vorherige Anmeldung – für 35 Euro. Einzige Ausnahme hier: Bei Covid-19-Symptomen wie Husten, Fieber, Schnupfen oder Geruchs- und Geschmacksstörungen wird nicht getestet. „Wenden Sie sich bitte in diesem Fall telefonisch an Ihren Hausarzt oder das zuständige Gesundheitsamt“, heißt es von der „GVO Personal“, die normalerweise Arbeitskräfte in der Veranstaltungsbranche vermittelt.

Diese Corona-Regeln gelten im Dezember

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  • In Nordrhein-Westfalen gilt seit dem 1.12. eine neue Corona-Schutzverordnung. Worauf man im Dezember achten sollte:

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  • KONTAKTBESCHRÄNKUNGEN:

    Die Ministerpräsidenten der Länder haben im Kampf gegen die anhaltend hohen Corona-Infektionszahlen für strenge Kontaktbeschränkungen vom 1. Dezember an strengere Regeln festgelegt - für Weihnachten und Silvester wird es eine Sonderregelung geben.

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  • PRIVATE ZUSAMMENKÜNFTE:

    „Private Zusammenkünfte mit Freunden, Verwandten und Bekannten sind auf den eigenen und einen weiteren Haushalt, jedoch in jedem Falle auf maximal fünf Personen zu beschränken“, heißt es in der neuen Verordnung. Kinder bis 14 Jahre sind hiervon ausgenommen.

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  • WEIHNACHTEN UND SILVESTER

    Im Zeitraum vom 23. Dezember bis 1. Januar sind Treffen eines Haushaltes mit haushaltsfremden Familienmitgliedern oder haushaltsfremden Menschen bis maximal zehn Personen erlaubt, heißt es in der Verordnung. Kinder bis 14 Jahren sind hiervon ausgenommen.

    Die Ministerpräsidenten der Länder rufen die Menschen auf, vor den Weihnachtsfeiertagen in eine möglichst mehrtägige häusliche Selbstquarantäne zu gehen. „Dies kann durch ggf. vorzuziehende Weihnachtsschulferien ab dem 19.12.2020 unterstützt werden“, heißt es. Mit der Selbstquarantäne soll die Gefahr von Corona-Infektionen im Umfeld der Feierlichkeiten so gering wie möglich gehalten werden.

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  • SKIFAHREN

    Ski-Lifte müssen in NRW vorerst geschlossen bleiben, erklärte Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (  CDU  ). Das Verbot gelte zunächst bis zum 20. Dezember. Er gehe aber nicht davon aus, dass sich das Infektionsgeschehen und damit das Verbot über  Weihnachten  ändere, so der Minister.

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  • GOTTESDIENSTE:

    Bund und Länder suchen das Gespräch mit den Religionsgemeinschaften, um möglichst Vereinbarungen für Gottesdienste und andere religiöse Zusammenkünfte mit dem Ziel einer Kontaktreduzierung zu treffen. Religiöse Zusammenkünfte mit Großveranstaltungscharakter gilt es dabei zu vermeiden.

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  • SILVESTER:

    Die Ministerpräsidenten der Länder untersagen Silvesterfeuerwerk auf belebten öffentlichen Plätzen und Straßen, um größere Gruppenbildungen zu vermeiden. „Die örtlich zuständigen Behörden bestimmen die betroffenen Plätze und Straßen“, heißt es in dem Beschlussentwurf. Grundsätzlich wird „empfohlen“, zum Jahreswechsel auf Silvesterfeuerwerk zu verzichten - ein Verkaufsverbot ist demnach aber nicht vorgesehen.

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  • MUND-NASE-BEDECKUNG:

    Die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung, die etwa im ÖPNV oder Handel gilt, wird erweitert. Künftig soll sie auch vor Einzelhandelsgeschäften und auf Parkplätzen gelten. Gleiches gilt für alle Orte mit Publikumsverkehr in Innenstädten, auch unter freiem Himmel, an denen sich Menschen entweder auf engem Raum oder nicht nur vorübergehend aufhalten. Die Festlegung der Orte und der zeitlichen Beschränkung obliegt den örtlichen Behörden.

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  • HOCHSCHULEN UND UNIVERSITÄTEN:

    Hochschulen und Universitäten sollen grundsätzlich auf digitale Lehre umstellen - mit Ausnahme von Labortätigkeiten, Praktika, praktischen Ausbildungsabschnitten und Prüfungen.

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  • SCHULEN:

    In Regionen mit deutlich mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen gilt künftig ab Klasse sieben grundsätzlich eine Maskenpflicht auch im Unterricht.

    In „besonderen Infektionshotspots“ wird es demnach in älteren Jahrgängen außer Abschlussklassen schulspezifisch „weitergehende Maßnahmen für die Unterrichtsgestaltung“ geben, beispielsweise Hybridunterricht.

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  • WIRTSCHAFT, KULTUR, REISEBRANCHE, SOLOSELBSTSTÄNDIGE:

    Auch die staatlichen Hilfen für betroffene Betriebe werden bis zum 20. Dezember verlängert. Diese seien für Unternehmen und Beschäftigte essenziell und ein wichtiges Element für die hohe Akzeptanz der notwendigen Schutzmaßnahmen bei den Bürgerinnen und Bürgern, heißt es. Die Ausgaben für diese Unterstützung im November werden auf 15 Milliarden Euro beziffert.

    Vorgeschlagen ist auch, Hilfsmaßnahmen für Branchen, die absehbar in den kommenden Monaten weiterhin «erhebliche Einschränkungen» hinnehmen müssten, bis Mitte 2021 zu verlängern. Genannt werden die Kultur- und Veranstaltungswirtschaft, Soloselbstständige und die Reisebranche.

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  • HOMEOFFICE:

    Arbeitgeber sollten prüfen, ob die Betriebsstätten entweder durch Betriebsferien oder großzügige Homeoffice-Lösung vom 23. Dezember bis 1. Januar geschlossen werden könnten. Damit solle bundesweit der Grundsatz „Stay at Home“ („Bleibt Zuhause“) umgesetzt werden.

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  • HANDEL:

    Die Bevölkerung wird aufgerufen, Weihnachtseinkäufe möglichst auch unter der Woche zu tätigen.

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  • KRANKENHÄUSER/PFLEGE:

    Der Bund will für besonders gefährdete (vulnerable) Gruppen, etwa Patienten in Krankenhäusern und Bewohner von Pflegeheimen, Senioren- und Behinderteneinrichtungen, ab Anfang Dezember 2020 gegen eine geringe Eigenbeteiligung 15 FFP2-Masken pro Person zur Verfügung stellen. Zudem sind je Pflegebedürftigem 20 Schnelltests pro Woche vorgesehen.

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  • REISERÜCKKEHRER:

    Die Verordnung sieht vor, dass die häusliche Quarantäne bei Reiserückkehrern und Kontaktpersonen einheitlich auf zehn Tage im Regelfall festgelegt wird - gerechnet ab dem Tag der Einreise beziehungsweise dem letzten Tag des Kontakte.

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  • SOZIALVERSICHERUNG:

    Der Bund stabilisiert die Sozialversicherungsbeiträge bei maximal 40 Prozent, indem er darüber hinausgehende Finanzbedarfe zumindest bis 2022 aus dem Bundeshaushalt deckt. In diesem Rahmen prüft der Bund, wie eine steuerfinanzierte Stabilisierung der Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung vor dem Hintergrund der hohen coronabedingten Mehrkosten aussehen könnte.

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Kritik von Ärzten

Kritik an den Corona-Schnelltestzentren kommt von einigen Kassenärzten. Solange Schnelltest-Kits knapp seien, sollten sie vorrangig nicht unter „Con­venience-Gesichtspunkten“, sondern unter medizinischen Gesichtspunkten, etwa zum Schutz von Risikogruppen, eingesetzt werden, erklärte die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein. Antigen-Schnelltests seien momentan nicht in ausreichender Anzahl flächendeckend vorhanden, um mit Blick auf die bevorstehenden Weihnachtstage jeden Patienten ohne Symptome zu testen, erklärte ein Sprecher. Corona-Schnelltests würden nicht zum pauschalen „Freitesten“ für Weihnachten taugen.

„Wir fragen immer nach, wieso so ein Test gemacht werden soll“, so Dr. Christian Tast aus Greven, angesprochen auf die Kritik. Bis jetzt habe es immer gute Gründe gegeben für einen Test. „Es lässt sich ja niemand zum Spaß testen. Viele der bei uns Getesteten haben Symptome. Andere haben keine, aber zuvor Kontakt zu infizierten Personen gehabt.“ Bei den PCR-Tests stoßen die Labore an ihre Kapazitätsgrenzen, daher wird aktuell empfohlen, die PCR-Tests vorrangig bei Risikopatienten oder Menschen mit starken Symptomen durchzuführen.

Sechs bis acht Schnelltests pro Tag

Etwa sechs bis acht Schnelltests werden nach eigenen Angaben in der Praxis Münsterstraße pro Tag auf Selbstkostenbasis durchgeführt. „Seit Oktober hatten wir zehn positive Schnelltests“, so Dr. Christian Tast. Neun Infektionen seien durch einen PCR-Test bestätigt worden, bei einem Test stehe das Ergebnis noch aus. „In seltenen Fällen können Schnelltests falsch-positiv ausfallen. Bis jetzt war das bei uns aber noch nicht der Fall“.

Die Massentestung von Personen ohne Symptome und ohne Angabe von Gründen, wie sie auch in der Osnabrück-Halle geplant ist, sei nicht mit dem Angebot bei ihnen in Greven zu vergleichen, so Dr. Tast. Aber auch die „GVO Personal“ sieht in ihrem Angebot in Osnabrück eine Hilfe. „Wir wollen helfen, individuelle Unsicherheiten zu beseitigen. Ein Schnelltest kann dazu beitragen, infektiöse Personen zu identifizieren. Es kann aber auch eine Beförderung ganzer Belegschaften und Personengruppen ins Home­office oder in den Krankenstand vermeiden, wenn nur leichte Symptome vorliegen“, wird Andree Westermann, Geschäftsführer der GVO, auf der eigenen Homepage zitiert. Wie das Angebot in Osnabrück angenommen wird, bleibt abzuwarten.

Fragen und Antworten zu Schnelltest-Zentren

Wer kann sich dort testen lassen?

Jeder, der wissen will, ob er aktuell Corona-Viren überträgt, sagen die Betreiber in Oberhausen. Menschen mit akuten Corona-Symptomen dürfen den Test zum Schutz der Mitarbeiter aber nicht machen.

Welche Tests werden in den Zentren angeboten?

Das ist unterschiedlich. Manche Anbieter bieten neben dem Schnelltest auch den aufwendigeren (und teureren) PCR-Standardtest sowie einen Covid-19-Antikörpertest an, der Hinweise gibt, ob bereits eine Infektion durchgemacht wurde. Beim Antikörpertest handelt es sich laut Gesundheitsministerium NRW um „ein indirektes Nachweisverfahren, welches eine geringe Aussagekraft hat“. Sie sei unter anderem stark abhängig vom Testzeitpunkt, da Antikörper nach einer Infektion zum Teil erst Wochen später nachweisbar seien.

Wie genau sind die Antigen-Schnelltests?

Die Anbieter werben zum Beispiel damit, dass die Schnelltests „mit einer hohen Wahrscheinlichkeit eine Corona-Infektion in der ansteckenden Phase“ erkennt. Ein anderer Anbieter verspricht, dass der verwendete Test „SARS-CoV-2 mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit nachweisen oder ausschließen“ kann. Das Robert Koch-Institut betont, dass ein negatives Antigen-Testergebnis die Möglichkeit einer Infektion mit SARS-CoV-2 nicht ausschließt. „Deshalb sollten diese Tests nur bei Personen angewendet werden, bei denen ein falsch negatives Ergebnis nicht zu schwerwiegenden Konsequenzen führt.“

Wie viel kostet ein Schnelltest, und wer bezahlt das?

Eine Arztpraxis in Greven gibt die Kosten für den Schnelltest mit rund 30 Euro an. In Köln werden bei einem Anbieter 37,80 Euro fällig. In Oberhausen kostet es 38,95 Euro. Ein Anbieter in Düsseldorf berechnet 49 Euro. Die Kosten werden nicht von den gesetzlichen Kassen übernommen.

Wie ist der Ablauf in den Testzentren?

Die Buchung erfolgt zumeist online. Im Testzentrum wird ein Abstrich gemacht. 15 bis 30 Minuten nach dem Test bekommen die Patienten das Ergebnis dann elektronisch übermittelt.

Wo überall in NRW gibt es mittlerweile solche Testzentren?

In Köln, Düsseldorf und Oberhausen. Aber auch niedergelassene Ärzte bieten Schnelltests für Jedermann an. So gibt es etwa in einer Praxisklinik in Bornheim zwischen Köln und Bonn eine Testmöglichkeit. Auch eine Praxis im münsterländischen Greven bietet Tests an.

Wer betreibt die Schnelltest-Zentren?

Das Zentrum in Oberhausen wird von einem Kölner Arzt betrieben, der auch schon Zentren in München, Berlin und Köln eingerichtet hat. In Düsseldorf soll an diesem Samstag ein weiteres Zentrum im Bankenviertel in der Innenstadt eröffnen. Dahinter steht ein eigens für Corona-Tests gegründetes Unternehmen mit Sitz in Hürth, an dem auch Ärzte beteiligt sind.

Was sagt die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNO) zu den Schnelltest-Zentren?

Sie sieht das kritisch, weil die Tests noch knapp sind. Sie sollten vorrangig nicht unter „Convenience-Gesichtspunkten“, sondern unter medizinischen Gesichtspunkten etwa zum Schutz von Risikogruppen eingesetzt werden, erklärte die KVNO. Antigen-Schnelltests seien momentan nicht in ausreichender Anzahl flächendeckend vorhanden, um mit Blick auf die bevorstehenden Weihnachtstage jeden Patienten ohne Symptome zu testen.

Was halten Patientenschützer davon?

Nicht viel. Eugen Brysch von der Deutschen Stiftung Patientenschutz sprach am Donnerstag von einer „verkehrten Welt“ in der Corona-Krise. „In der Altenpflege fehlen Schnelltests. Gleichzeitig werden Corona-Schnelltest-Zentren aus dem Boden gestampft, um den schnellen Euro zu machen.“ Er forderte die Landesregierungen auf, „endlich Prioritäten zu setzen“.
(dpa)

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