AFG-Schülervertretung positioniert sich zu Verharmlosungen
Zeichen für Zivilcourage setzen

Havixbeck -

Für mehr Zivilcourage und Toleranz und gegen Fremdenfeindlichkeit tritt die Schülervertretung der Anne-Frank-Gesamtschule ein. Mit selbst gestalteten Buttons wollen die Jugendlichen den sogenannten „Querdenkern“ etwas entgegensetzen.

Samstag, 28.11.2020, 12:30 Uhr aktualisiert: 02.12.2020, 15:19 Uhr
Die Schülervertretung (SV) der Anne-Frank-Gesamtschule will mit Buttons ein Zeichen für Zivilcourage und Toleranz setzen: (v.l.) Sinan Basaran, Bastian Keßler, Lotta Nienkemper, Leah Damberg, Svenja Halsband und Lisa Thier-
Die Schülervertretung (SV) der Anne-Frank-Gesamtschule will mit Buttons ein Zeichen für Zivilcourage und Toleranz setzen: (v.l.) Sinan Basaran, Bastian Keßler, Lotta Nienkemper, Leah Damberg, Svenja Halsband und Lisa Thier- Foto: AFG

Seit Wochen demonstrieren sogenannte „Querdenker“ gegen die Corona-Einschränkungen. Dabei haben sich zwei Rednerinnen auf eine Art als Opfer stilisiert, was die Schülervertretung (SV) der Anne-Frank-Gesamtschule (AFG) Havixbeck-Billerbeck zutiefst schockierte: In Hannover verglich sich eine 22-jährige Rednerin, die Flugblätter verteilt hat, mit der Widerstandskämpferin Sophie Scholl. Als Mitglied im Studenten-Bund hatte sich Scholl für Freiheit und Mitmenschlichkeit eingesetzt und wurde von den Nationalsozialisten hingerichtet.

In Karlsruhe setzte sich eine Elfjährige mit dem jüdischen Mädchen Anne Frank gleich, weil sie verheimlichen musste, dass sie ihren Geburtstag – den Distanz-Regeln zum Trotz – in großer Runde feierte. „Dieses Mädchen instrumentalisiert Annes Schicksal. Anne verbrachte viele angstvolle Jahre im Versteck und starb im Konzentrationslager Bergen-Belsen. Das war kein Kindergeburtstag!“, empört sich Schülersprecher Sinan Basaran.

„Wir als Schülervertretung der Anne-Frank-Gesamtschule finden es wichtig, uns gegenüber derart unbedachten Vergleichen zu positionieren“, unterstützt AFG- und SV-Lehrerin Juliane Kampmann das Anliegen ihrer Schüler. „Es kann nicht sein, dass Holocaust und Nationalsozialismus derart verharmlost werden. Wir stehen auf, wenn Menschen die Opfer des Holocaust für ihre Interessen benutzen und sich dabei auf das Rederecht unserer Demokratie berufen.“ Umso wichtiger sei es, so Schülersprecherin Svenja Halsband, dass die deutsche Geschichte nicht vergessen werde: „Die Qualen, die Anne Frank erlitten hat, der Mut und die Selbstlosigkeit, die Sophie Scholl und weitere Widerstandskämpfer aufbringen mussten, sind für uns unvorstellbar. Wir setzen uns dafür ein, dass ihr Schicksal nicht vergessen wird.“

Um ein Zeichen für Toleranz und Zivilcourage zu setzen, hat die SV eine Aktion initiiert: „Wir möchten Buttons erstellen, auf denen Sprüche für Zivilcourage und gegen Rassismus zu lesen sind“, erklärt SV-Lehrerin Katrin Blumenthal. „Darauf kann zum Beispiel stehen: ‚Sei achtsam!‘“ Das Ziel: Schüler der AFG durch das Tragen der Buttons an Jacke, Tornister oder Etui täglich daran zu erinnern, wie wichtig es ist, couragiert zu handeln. „Denn an unserer Schule“, betonen die Schülervertreter, „gibt es keinen Platz für Fremdenfeindlichkeit. Solidarität, Gerechtigkeit, Frieden und Leistungswillen sind uns wichtig.“

Svenja Halsband ergänzt: „Die Buttons sollen so bunt und fröhlich sein, wie wir es in der AFG sind! Sie sollen uns daran erinnern, dass Vielfalt zu unserer Gesellschaft dazugehört und uns stärkt. Und dass es wichtiger ist, Solidarität zu zeigen, als egoistisch auf Freiheitsrechte zu pochen.”

Schulleiter Dr. Torsten Habbel freut sich über das Engagement seiner Schüler: „In den Leitsätzen unserer Schule ist zu lesen: Die Anne-Frank-Gesamtschule ermutigt zu Zivilcourage, zu verantwortlichem und tolerantem Denken und Handeln. Diese Haltung speist sich aus dem gelebten Erbe von Anne Frank und dem Andenken an die Geschwister Eichenwald. Diese Gedanken machen sich unsere Schüler zu eigen, sie beziehen Position. Ihr Engagement macht auch mir Mut!”

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