80. Krippenausstellung in Telgte
Heilige Nacht im Corona-Jahr

Telgte -

Die 80. Telgter Krippenausstellung ist derzeit im Museum Religio in Telgte aufgebaut. Museumsleiterin Dr. Anja Schöne bewertet die diesjährige Schau, die leider erst an drei Tagen zu sehen war und dann wegen der Corona-Pandemie wieder schließen musste, für eine der bild- und aussagekräftigsten Krippen-Präsentationen der vergangenen Jahre. Wir stellen hier einige der spannendsten und symbolstärksten Exponate vor.

Freitag, 27.11.2020, 15:02 Uhr aktualisiert: 27.11.2020, 16:05 Uhr
Wenn die maskierten Könige nicht Gold, Weihrauch und Myrrhe, sondern Toilettenpapier, Kartoffeln und Desinfektionsmittel zur Krippe bringen, dann sind sie wirklich im Corona-Jahr angekommen.
Wenn die maskierten Könige nicht Gold, Weihrauch und Myrrhe, sondern Toilettenpapier, Kartoffeln und Desinfektionsmittel zur Krippe bringen, dann sind sie wirklich im Corona-Jahr angekommen. Foto: Wilfried Gerharz

Es hätte so schön sein können! 139 Krippen und weihnachtliche Kunstwerke im „Religio“ in Telgte. Mit großem Abstand und über mehrere Etagen verteilt. Doch dann – dicht. Wegen Corona. Dennoch: Die Vorfreude auf Weihnachten und das Geschehen an der Krippe sollte sich niemand nehmen lassen. Vielleicht wird es mit der Öffnung später doch noch was. Wir wecken Vorfreude und stellen hier eine Auswahl an Krippen vor: als adventliche Meditation und spirituelle Ermunterung

Eigentlich geht es ja diesmal um das früh festgelegte Leitthema „Geheimnis der Heiligen Nacht“. Darunter kann man viel verstehen. Das Kind auf Heu und Stroh, das die Christenheit als Erlöser und Heiland verehrt, ist ja für sich gesehen schon ein unfassbares Geheimnis des Glaubens. 2020 aber drängte sich garstig das Corona-Virus in den Vordergrund. Doch die Künstler und krippenschaffenden Laien, die sich Jahr für Jahr allein oder in Werkgruppen mit dem Weihnachtsgeschehen befassen, sind ja findig genug, das zeitlose mit dem zeitbedingten Geschehen zu verknüpfen.

Corona-Krippe

Es ist, so gesehen, keine Frage, dass Franz-Josef Hartmeyer aus Warendorf mit seiner Corona-Krippe die Glanzidee dieser Ausstellung präsentiert. Aus verschiedenen Hölzern drechselte er eine stachelige hohle Kugel, die dem Corona-Virus ähnlich sieht. Beim Blick in die Kugel wird in stilisierter Form das Jesuskind sichtbar. Wenn man nun noch das farblich faszinierende Sechseck-Bild „Zwischensein X“ der Dülmener Künstlerin Monika Stolarczyk-Salehian als passenden Hintergrund dazu wählt, hat man als Gast des Krippenmuseums das ideale Handy-Bild zum Verschicken diverser Weihnachtsgrüße zur Hand.

Doch die Krippenkünstler aus dem Münsterland, Deutschland und Europa können ja noch viel mehr. So schuf der polnische Holzbildhauer Marian Ulc im Stile polnischer Volkskunst eine „Corona-Krippe“ aus Lindenholz, bei der die Könige nicht die üblicherweise kostbaren Gaben, sondern Desinfektionsspray, Kartoffeln und Klopapier mitbringen. Durchaus naheliegend, aber dennoch nicht weniger kunstvoll sind die „Mundschutze“ mit diversen Weihnachtsmotiven, die Monika Grewe-Laufer aus Ostbevern wunderschön mit Textilfarbe komponiert hat.

Innovative Motive

Die 80. Telgter Krippenausstellung bezeichnet Dr. Anja Schöne, die Museumsleiterin, als eine der gehaltvollsten und künstlerisch vielfältigsten der vergangenen Jahre. Und sie hat Recht damit. Denn die Schau bietet nicht nur eine Fülle innovativer Materialien und Motive, sondern präsentiert zugleich Beiträge aus dem künstlerischen Wettbewerb „Ars Liturgica“ des Deutschen Liturgischen Instituts für die katholische Propsteikirche St. Augustinus Gelsenkirchen. In den Extra-Räumen dieser Exposition ist zum Beispiel eine wunderschöne „Krippe mit Spiegelung“ des Steinbildhauers Dominik Schleicher aus Fensterbach zu sehen. Ein Hingucker ist auch die aus Bronze gegossene „Kuppelkrippe“ von Sabine Ackstaller und Moritz Schweikl aus Kirchdorf: Maria, Josef, Ochs und Esel bilden einen geheimnisvollen Kreis und schauen auf das Kind in der Krippe.

80. Krippenausstellung in Telgte

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  • Krippenplastik aus glasiertem Ton von Gregor Malyszek aus Vreden

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Krippe aus Holzkugeln. Beitrag von Marc von Reth aus Wuppertal für den Wettbewerb Ars Liturgica.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Dominik Schleicher: „Krippe mit Spiegelung“

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Schützende Hände über der Krippe: Detail einer Arbeit von Bettina Meyer aus Düsseldorf.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Jens Henning: „Schattendasein“

    Foto: Wilfried Gerharz
  • „Weihnacht bedeutet Ankunft des Herrn“: Wettbewerbsbeitrag für Ars Liturgica von Rudi Bannwarth aus Ettlingen.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Collage aus Spitze, Blüten und Perlschnüren: „Vergessen – das Geheimnis der Heiligen Nacht“ von Mechtild Mundry-Arens aus Telgte.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Musizierende Engel vor der Krippe, geschnitzt von Petra Rentrup aus Rheda-Wiedenbrück.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Monika Grewe-Laufer aus Ostbevern: Maske mit Weihnachtsmotiv

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Lindenholzkrippe von Heinrich Rölver, Havixbeck

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Papier-Panorama mit dem Titel „Ein geheimnisvoller Moment“ von Matthias Weber aus Köln.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Franz-Josef Hartmeyer aus Warendorf schuf eine Corona-Krippe.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Kuppelkrippe von Sabine Ackstaller und Moritz Schweikl aus Kirchdorf

    Foto: Wilfried Gerharz
  • “Sehet dies Wunder,wie tief sich der Höchste hier beuget!“ Tonkrippe von Gertrud Goer aus Paderborn.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Detail einer auf die Corona-Krise bezogenen Krippe mit dem Titel „Sie halten stand“ von Mechthild Jülicher aus Senden

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Krippenrelief aus Kastanienholz von Karl Wehling, Oberhausen

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Stefan Lutterbeck: Krippe aus Anröchter Dolomit und Sandstein

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Astkrippe von Ewald Böggemann aus Mettingen

    Foto: Wilfried Gerharz
  • „Freude“, so heißt diese Krippenausstellung von Petra Rentrup aus Rheda-Wiedenbrück

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Franz-Josef Hartmeyer aus Warendorf schuf eine Corona-Krippe.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Silhouettenkrippe von Christian Nachtigäller aus Telgte

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Annette Hiemenz: Staunende Hirten

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Hubertuskrippe aus Geweihstangen, zusammengefügt von Maren und Martin Brüggemann aus Westbevern

    Foto: Wilfried Gerharz
  • „Geburt – Ich bin da!“ Skulptur aus Lindenholz von Ernst Franz aus Unterammergau.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Marian Ulc: Könige mit Masken bringen besondere Gaben.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Krippen vor dem Telgter Hungertuch – in der Mitte eine Arbeit des Telgters Heinz Stratmann aus farbigen Schrauben.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Eine Krippe von Marek Adam Kawiecki aus Herford vor dem Telgter Hungertuch

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Verkündigungsengel mit Jesuskind von Josef Huber

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Sabine Reibeholz gewann den 1. Preis im Wettbewerb Ars Liturgica.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • „Geburt – Ich bin da!“ Skulptur aus Lindenholz von Ernst Franz aus Unterammergau.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Annette Hiemenz: Staunende Hirten an der Stalltür

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Annette Hiemenz: Staunende Hirten an der Stalltür

    Foto: Wilfried Gerharz
  • „Geburt – Ich bin da!“ Skulptur aus Lindenholz von Ernst Franz aus Unterammergau.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Museumsleiterin Dr. Anja Schöne in der Ausstellung

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Eine Schlüssellochkrippe von Christian Nachtigäller aus Telgte

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Detail aus der Krippenskulptur von Mechthild Jülicher aus Senden. Die Darstellung besteht aus Draht und geschmolzenen Plastikverpackungen.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Jesuskind in schützenden Händen: Skulptur aus Gips und Holz von Emma und Daniel von Oppenkowski aus Telgte.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Wilfried Josef Funke: Pyramide und Krippe aus einem Metallbaukasten

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Joachim Staebler aus Bielefeld schuf Krippen aus schwebenden Werkstücken.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Joachim Staebler aus Bielefeld schuf Krippen aus schwebenden Werkstücken.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • Joachim Staebler aus Bielefeld schuf Krippen aus schwebenden Werkstücken.

    Foto: Wilfried Gerharz

Viele Arbeitstechniken

Geschnitzt, geformt, getöpfert, gebastelt, geschnitten: Die Fülle unterschiedlicher Arbeitstechniken und Materialien wird von Jahr zu Jahr erstaunlicher. Gezielt geformter Elektro-Schrott, eine Lampe, schon ist auf der Wand die Silhouette des Kindes in der Krippe zu sehen. „Schattendasein“, so hat der münstersche Diplomdesigner Jens Henning diese preisverdächtige Arbeit genannt. Ein Titel, der auch auf unsere laute, heillose Welt verweist, in der die Botschaft von einem Erlöser in Gestalt des Kindes in der Krippe kaum noch durchdringt. Bernhard Tewes aus Ahlen, einer unserer Lieblingsteilnehmer, ist wieder mit einer filigranen Weihnachtspyramide aus Birkensperrholz vertreten. Sind wir schon bei den Pyramiden, dann müssen wir das lustig rappelnde Pyramiden-Krippen-Kunstwerk des Duisburger Architekten Wilfried Josef Funke erwähnen. Er fertigte dieses kinetische Kunstwerk mit den Utensilien aus einem historischen Metallbaukasten.

Erneut gibt es auch weihnachtliche Motive aus gefalteten Buchseiten. Gisela Funcke aus Herrenberg wendet diese aufwendige Technik ebenso an wie Schülerinnen und Schüler der St.-Christophorus-Schule aus Westbevern unter der Leitung von Margret Eickholt. In puncto Aufwand und Material ist unbedingt der Steinbildhauermeister Stefan Lutterbeck aus Everswinkel zu erwähnen, der einen Anröchter Dolomit sägte, teilweise vergoldete und ein Jesuskind-Motiv aus Baumberger Sandstein ins Zentrum setzte.

Mit viel Abstand

Apropos „Abstand“ im Corona-Jahr: Auch in Räumen, die sonst der „Religio“-Dauerausstellung vorbehalten sind, stehen Krippen. So bietet das Edelstahlschrauben-Bild von Heinz Stratmann aus Telgte, das Maria mit dem Kind und die Pietá mit dem Leichnam des Gekreuzigten zeigt, einen sinnfälligen Kontrast vor dem Telgter Hungertuch. Und der Verkündigungsengel von Bildhauer Josef Huber aus Huglfing deutet auf das vor ihm liegende Kind als wolle er sagen: „Schaut Euch doch bitte dieses wundervolle Geheimnis an!“

Geheimnis der Heiligen Nacht. 80. Telgter Krippenausstellung. Museum Religio. Derzeit geschlossen. Aktuelle Infos zu den Öffnungszeiten auf der Homepage des Museums „Religio“..

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