Veranstaltungsbetriebe und Lokale vor erneutem Lockdown
„Es trifft immer die Falschen“

Ahlen -

Trotz ausgeklügelter Hygienekonzepte macht der zweite bundesweite Lockdown vor kulturellen oder gastronomischen Betrieben nicht Halt. Entsprechend groß ist die Frustration.

Donnerstag, 29.10.2020, 20:15 Uhr aktualisiert: 29.10.2020, 20:20 Uhr
Kino, Kultur, Kneipen, Konzerte – Opfer des zweiten bundesweiten Lockdowns, der am 2. November das öffentliche Leben erneut zum Erliegen bringt. Die, die seit Monaten mit Hygienekonzepten ums Überleben kämpfen, trifft es besonders hart.
Kino, Kultur, Kneipen, Konzerte – Opfer des zweiten bundesweiten Lockdowns, der am 2. November das öffentliche Leben erneut zum Erliegen bringt. Die, die seit Monaten mit Hygienekonzepten ums Überleben kämpfen, trifft es besonders hart. Foto: Christian Wolff

Der Frust bei den Kulturveranstaltern sitzt tief. „Es trifft immer die Falschen.“, bringt Kinobetreiber Martin Temme auf den Punkt, was die meisten am Tag nach der Ankündigung des zweiten Lockdowns durch die Kanzlerin und die ihr assistierenden Ministerpräsidenten Müller und Söder empfinden.

Martin Temme wird nach Halloween und dem passenden Film „Zombie – Dawn of the Dead“ das „Cinema Ahlen“ noch am Samstagabend abschließen und den ganzen Monat geschlossen gehalten. Damit wird auch das VHS-Seniorenkino am Sonntag ausfallen.

Wie schon beim ersten Shutdown im Frühjahr werden viele Gastronomen wieder versuchen, ihre Gäste mit Außerhausverkauf an sich zu binden. Das halten Bürgerzentrum und Stadthallenrestaurant ab Montag erneut so. Enttäuscht von der mangelnden Kultur-Sensibilität der Politik ist Büz-Geschäftsführerin Christiane Busmann. Bei der Abwägung zwischen Wirtschaft, Bildung und Freizeit falle der Politik immer nur der letztgenannte Bereich ein, anstatt differenziert vorzugehen. „Wir sind von un­serem Hygienekonzept überzeugt“, unterstreicht Christiane Busmann, deshalb finde das Konzert mit den „Neckbellies“ am heutigen Freitag im Rahmen des Kulturherbstes auch statt. Das für den 7. November geplante Konzert mit Gitarrenspezialist Peter Finger bleibt dagegen auf der Corona-Strecke.

Fast schon prophetische Züge hatte das Gespräch unserer Zeitung mit Ingrid Druce, Wirtin im „Pängel-Anton“, am Abend vor dem Lockdown-Beschluss: „Ich gehe davon aus, dass wir am Montag schließen müssen“, sagte sie. Und genauso kam es. Die Kult-Kneipe im alten Bahnhof Tönnishäuschen lebt normalerweise von intimen Konzerten auf engstem Raum, genauso von gut besuchten Oldtimertreffs in den Sommermonaten. „Das fiel dieses Jahr alles flach“, so Ingrid Druce. Im März gab‘s die letzte Veranstaltung. Der Kneipenbetrieb „auf Sparflamme“ sei hingegen ein Zuschussgeschäft. Was die Zukunft nach dem Lockdown bringt? Ungewiss. „Das Ende vom ,Pängel‘ habe ich mir anders vorgestellt. Ei­gentlich wollten wir uns einmal mit einem großen Fest verabschieden.“

Abgesagt oder verschoben

Die Stadthalle hatte die meisten der für den Monat November geplanten Veranstaltungen ohnehin bereits abgesagt oder verschoben, sagt Susanne Küppers, Assistentin von Geschäftsführer Andreas Bockholt. Das betrifft die „AC/DC“-Tribute-Konzerte „We Salute You“, den Auftritt der Kabarettistin Frieda Braun oder die Comedy-Show „Unter Puppen“ mit Wiwaldi und seinen Freunden. Ausfallen muss nun auch der Multivisionsvortrag „Australien – Ein Jahr Freiheit“ mit Dirk und Aneta Bleyer am 18. November.

Auch im Kunstmuseum gehen ab Montag einstweilen die Lichter aus. Am Sonntag ist die Ausstellung „Jobst Tilmann. Anfang ohne Ende“ letztmalig zu sehen. Für die für den 28. November geplante Eröffnung der kommenden Präsentation „Christian Rohlfs. Augenmensch!“ soll ein Ersatztermin gefunden werden. Wobei die Museen in der Verlautbarung der Kanzlerin am Mittwoch mit keinem Wort erwähnt wurden. Frust auch bei der Leiterin des Fritz-Winter-Hauses, Helga Gausling: „Es ist einfach enttäuschend.“

Kulturfachbereichsleiter Christoph Wessels versucht, bei allen Hiobsbotschaften noch gute Laune zu bewahren. Immerhin seien Weiterbildung und Bibliotheken diesmal offensichtlich nicht betroffen, meint er am Morgen. Diese erste Einschätzung bedürfe allerdings noch einer Überprüfung, kündigt er an. Alle Veranstaltungen der Kulturgesellschaft müssten natürlich abgesagt werden. Das gelte auch für Präsenzveranstaltungen der VHS oder Autorenlesungen.

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