Tupperparty mit einer Betrügerin
Wenn einem das Wasser bis zum Hals steht

Lienen/Tecklenburg -

Bei einer Tupperparty hat sich eine 26-Jährige aus Lienen als schlechte Gastgeberin entpuppt. Und auch als Untermieterin trat sie nicht positiv in Erscheinung. Für ihre Betrügereien musste sich die junge Frau jetzt vor dem Amtsgericht Tecklenburg verantworten.

Donnerstag, 29.10.2020, 19:16 Uhr aktualisiert: 30.10.2020, 08:00 Uhr
Das Amtsgericht Tecklenburg.
Das Amtsgericht Tecklenburg. Foto: Michael Baar

Entweder ließen die hohen Schulden die junge Frau sehr kreativ werden, oder es lag in ihrem Charakter, wie der Vorsitzende Richter vermutete. Für ihn war die einschlägig vorbestrafte Lienenerin jedenfalls keine Unbekannte mehr.

Wegen gleich drei Fällen von Betrug stand die 26-jährige Frau jetzt in Tecklenburg vor Gericht. Ihr wurde vorgeworfen, im November 2019 als Veranstalterin einer Tupperparty zwar Bestellungen angenommen und das Geld dafür kassiert zu haben, dann aber keine Ware geordert und geliefert zu haben. Die Erklärungen der Angeklagten zu ihrem Verhalten klangen für die Staatsanwaltschaft unglaubwürdig, auch der Richter merkte an: „Sie haben die Angewohnheit, ihre Aussage Stück für Stück immer wieder der Wahrheit anzupassen.“

Die anderen Betrugsfälle ereigneten sich ebenfalls im Oktober beziehungsweise November 2019. Dabei ging die Frau ein Untermietverhältnis mit einer Bekannten ein. Die Angeklagte erschlich sich das Vertrauen der Mitbewohnerin, blieb aber die vereinbarte Miete schuldig. Auch ein Darlehn für Möbel, Kleidung und ein Smartphone wurde nie zurückgezahlt. Nach immer neuen Ausreden und Hinhalten verschwand die Betrügerin Mitte November unter Zurücklassen der Möbel aus der Wohnung und kehrte nicht zurück.

Die als Zeugin geladene ehemalige Mitbewohnerin konnte anhand von Chatverläufen und Unterlagen den von der Angeklagten vehement bestrittenen Schaden von über 1000 Euro beweiskräftig belegen. Hervorzuheben ist dabei ein Schuldenbuch, in das die Angeklagte fein säuberlich alle geschuldeten Summen eingetragen und dieses dann bei ihrem fluchtartigen Auszug zurückgelassen hatte.

Inzwischen ist ein Insolvenzverfahren gegen die Frau eröffnet worden, die ihren Schuldenstand mit ungefähr 20 000 Euro angab: „So genau weiß ich das aber nicht.“ Dass das Gericht nur eine Geldstrafe von einhundert Tagessätzen a zehn Euro und nicht eine Gefängnisstrafe verhängte, begründete der Richter damit, dass die Angeklagte inzwischen einen Teil der Schulden zurückgezahlt habe. Auch ihr Angebot, die Mietschulden und das Darlehen in Raten zurückzahlen zu wollen, führte zu dieser Strafmilderung.

Allerdings machte der Richter klar, dass der angerichtete Schaden nicht durch das Insolvenzverfahren getilgt werde: „Die Summe müssen Sie komplett zurückzahlen, ebenso wie die Verfahrenskosten, die Sie zu tragen haben.“

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