Kreuz wieder an seinem angestammten Platz befestigt
Restaurator erlebt Überraschungen

Ostbevern -

Vor rund fünf Wochen war das Holzkreuz auf der Ostseite der Ambrosius-Kirche abgenommen worden. Die Witterung hatte deutliche Spuren hinterlassen, so dass es restauriert werden musste. Die Restauratorin stieß bei ihren Arbeiten auf die eine oder andere Überraschung.

Montag, 26.10.2020, 18:38 Uhr aktualisiert: 29.10.2020, 11:21 Uhr
Mit vereinten Kräften wurde das Kreuz aufgerichtet und mit Hilfe eines Hubsteigers wieder an seinen alten Platz befördert.
Mit vereinten Kräften wurde das Kreuz aufgerichtet und mit Hilfe eines Hubsteigers wieder an seinen alten Platz befördert. Foto: Anne Reinker

Spannung machte sich breit, als das Holzkreuz nach einer etwa vierwöchigen Restaurationsphase wieder seinen Platz an der Ostseite der St.-Ambrosius-Kirche einnehmen sollte. Deutliche Schäden, die im Verlauf der letzten nahezu 20 Jahre durch die Witterungseinflüsse entstanden waren, wurden fachmännisch behoben, so dass das Kunstwerk jetzt wieder einen stattlichen Eindruck macht.

Im Pfarrarchiv, das Franz Brokhage ehrenamtlich betreut, sind einige Informationen über die Geschichte des Hochkreuzes hinterlegt. So hatte der Kirchenvorstand St. Ambrosius am 18. Mai 1932 darüber entschieden, ein Holzkreuz für den damals neuen Friedhof an der Kirche anfertigen zu lassen. Die Wahl fiel auf den Münsteraner Künstler Heinrich Bäumer sen. (1874 bis 1951), den der Vorstand mit der Schaffung beauftragte. Bäumer war in der Region ein bekannter Bildhauer, hatte er doch neben Denkmälern und religiösen Skulpturen auch den alten Lambertibrunnen gestaltet. Dieser wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, der jetzige Brunnen ist ein Werk seines Sohnes Heinrich Bäumer jun. (1920 bis 2011).

Da das Holzkreuz auf dem Friedhof der Witterung zu sehr ausgesetzt und dadurch stark beschädigt worden war, musste es ersetzt und auf einem Dachboden zwischengelagert werden.

Einen neuen Platz sollte das Kreuz beim Neubau der St.-Ambrosius-Kirche finden. Daher gab man die Restauration in die Hände von Heinrich Bäumer jun. und hängte es anschließend im Neubau an der Innenwand zur Hauptstraße auf. „Der Haken zur Befestigung ist heute noch zu sehen“, erklärte Pfarrer Marco Klein zur Geschichte des Kruzifix.

Im Zuge der Gemeindemission 1966, so hatte Pfarrer Klein aus dem Archiv von Franz Brokhage erfahren, strukturierte man die Räumlichkeiten neu und befestigte das Kreuz an die heutige Stelle an der Außenwand der Alten Kirche unter einem metallenen Schutzdach. Eine Sandsteinplatte mit den Daten der Gemeindemission ergänzte das Ganze. Auch hier setzte die Witterung allerdings dem Kreuz in den Jahrzehnten zu, so dass eine Wiederherstellung 2002 erfolgte.

In den vergangenen 18 Jahren hinterließ die Witterung erneut deutliche Spuren, der Lack wurde dabei beschädigt. „Das Kreuz war in so einem schlechten Zustand, dass dringend eine Restaurierung erforderlich wurde, um keine unwiederbringlichen Verluste an Originalsubstanz zu riskieren“, so Pfarrer Marco Klein.

„Es war höchste Zeit für eine Restauration“, stimmte Birgit Engel-Bangen zu, die sich des Holzkreuzes in ihrer Werkstatt in Havixbeck annahm. Gemeinsame Gespräche der Restauratorin für Holzobjekte mit Pfarrer Marco Klein sowie Dr. Martina Dlugaiczyk (Kunstpflege Bistum Münster) fanden am Objekt statt.

Bei der Arbeit von Birgit Engel-Bangen kamen rote Stellen an den Wundmalen und dem Brustkorb der Jesusgestalt zum Vorschein. „Eine Überraschung“, wie Pfarrer Marco Klein sagte. „Das sind schöne Akzente, die wir wieder hervorheben wollten“, erklärte Birgit Engel-Bangen. So wird der Anblick der Figur sicherlich heute den einen oder anderen Betrachter erst einmal erstaunen. „Sie sind etwas Besonderes und machen Eindruck“, befand sie.

Ebenfalls eine Überraschung war die Entdeckung von Ersatzmaterial aus Kunststoff, die die Restauratorin unter den Armen der Jesusfigur ausmachte und die aus einer früheren Restaurierung stammen müssen. „Diese habe ich belassen, weil sie zur Geschichte des Kreuzes gehören“, erläuterte Birgit Engel-Bangen ihre Vorgehensweise.

Mit dem örtlichen Dachdeckerbetrieb Lübbers wurde das Kreuz wieder an seinen Platz an der Ostseite der Kirche befestigt und erstrahlt nun in neuem Glanz.

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