Mit dem Tabuthema Krebs brechen
Mit „Sarahs Geschichte“ auf Platz 1

Havixbeck -

Die Diagnose Lymphdrüsenkrebs war für Sarah Lülf ein Schock. Doch die Havixbeckerin sah in der Erkrankung auch eine Chance. Gemeinsam mit ihrer Mitschülern setzte sie sich dafür ein, mit dem Tabuthema Krebs zu brechen.

Samstag, 24.10.2020, 09:00 Uhr aktualisiert: 28.10.2020, 20:32 Uhr
Die Havixbeckerin Sarah Lülf (vorne 3.v.r.) und ihre Mitschülerinnen und Mitschüler aus dem Religionskurs der Q2 der Friedensschule freuen sich über den Erfolg beim Wettbewerb.
Die Havixbeckerin Sarah Lülf (vorne 3.v.r.) und ihre Mitschülerinnen und Mitschüler aus dem Religionskurs der Q2 der Friedensschule freuen sich über den Erfolg beim Wettbewerb. Foto: Friedensschule

Es war eine Routineuntersuchung, an deren Ende die Diagnose stand: Lymphdrüsenkrebs. Für die damals 17-jährige Sarah Lülf ein Schock. Doch die Schülerin der Bischöflichen Friedensschule in Münster sieht in ihrer bösartigen Erkrankung eine Chance: Mit Unterstützung ihrer Schule setzt sie sich dafür ein, mit dem Tabuthema Krebs zu brechen. „Ich wünsche mir, dass mehr über das Thema gesprochen wird“, sagt die Havixbeckerin.

Ein Wettbewerb gab den Ausschlag: Sarahs Religionskurs unter der Leitung von Anke Roß drehte ein Video über die Geschichte der Schülerin. Beim KICK-Wettbewerb der Stadtwerke Münster belegten die Schülerinnen und Schüler den ersten Platz in der Kategorie „Gesellschaft und Soziales“, berichtet das Bistum Münster in einer Pressemitteilung.

Sarah Lülfs offener Umgang mit ihrer Erkrankung hat es ihrem Umfeld erleichtert. „Nach der Diagnose habe ich meine engsten Freunde angerufen und dann meiner Familie, meinen Mitschülern und meinen Lehrern von der Krebserkrankung erzählt“, blickt die 18-Jährige zurück.

Sechs Monate konnte sie nicht zur Schule gehen, wurde im Uniklinikum Münster mit einer Chemotherapie und Bestrahlungen behandelt. Ihre Lehrerinnen und Lehrer unterrichteten sie zu Hause, damit sie zumindest den Anschluss in den Abiturfächern nicht verlor. „Ich habe viel Besuch bekommen, auch von Leuten, von denen ich das gar nicht erwartet hätte“, erinnert sich Sarah Lülf gerne an den vielen Zuspruch, den sie während ihrer Krebserkrankung bekommen hat.

Die 18-Jährige kehrte zurück in die Schule, aber allein ihre kurzen Haare, die nach der Chemotherapie wieder anfingen zu wachsen, erinnerten sie und ihre Mitschüler weiterhin an den Kampf gegen die Krankheit. Dann entdeckte Lehrerin Anke Roß die Ausschreibung für einen Video-Schulwettbewerb der Krebsgesellschaft NRW. Das Thema: „Brich das Tabu!“

Gemeinsam erarbeiteten die Schülerinnen und Schüler einen Regieplan, bauten Szenen ein, in denen Sarah selbst ihre Geschichte erzählt, in denen aber auch Lehrer und Mitschüler zum Thema Krebs befragt werden. Auch eine wissenschaftliche Erklärszene fand einen Platz. Mit Sarahs Einverständnis wurden einzelne Sequenzen in der Uniklinik gedreht. Die behandelnde Ärztin der Schülerin, Dr. Birgit Fröhlich, zeigte sich begeistert: „Für den Heilungsprozess ist es sehr wichtig, dass die sozialen Kontakte gewahrt bleiben. Das kann nur gelingen, wenn man das Thema enttabuisiert.“

Für einen Sieg beim Schulwettbewerb der Krebsgesellschaft NRW hat es nicht gereicht, doch die Friedensschüler reichten ihren knapp siebenminütigen Videobeitrag zusätzlich beim KICK-Wettbewerb der Stadtwerke Münster ein. Der Einsatz hat sich ausgezahlt: Mit seinem Video „Sarahs Geschichte – Enttabuisierung von Krebs“ hat der Religionskurs der Oberstufe den ersten Platz belegt.

Bei der Preisverleihung hatten längst alle beteiligten Schülerinnen und Schüler – einschließlich Sarah Lülf – das Abitur bestanden und die Friedensschule verlassen. Einig war sich der Kurs, dass die 1000 Euro Preisgeld an die Kinderkrebshilfe der Uniklinik Münster gehen.

Das Video der Friedensschüler ist auf dem Youtube-Kanal der Krebsgesellschaft NRW zu finden und auf www.stadtwerke-muenster.de/kick/kick.

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