Warum illegale Besucher dem Canyon schaden
Ein sensibles „Gefüge“

Freitag, 23.10.2020, 16:20 Uhr aktualisiert: 26.10.2020, 18:17 Uhr
Markus Hehmann (links) und Thomas Volk sitzen im Vorstand der Ig Teuto. Sie warnen, dass der ungebremste Besucheransturm negative Folgen für das Schutzgebiet haben könnte.
Markus Hehmann (links) und Thomas Volk sitzen im Vorstand der Ig Teuto. Sie warnen, dass der ungebremste Besucheransturm negative Folgen für das Schutzgebiet haben könnte. Foto: Paul Meyer zu Brickwedde/Rudolf Kindler (4)

Auch sie haben bereits einiges erlebt am Canyon. Hehmann berichtet beispielhaft von einer Gruppe junger Leute aus Essen, die eigens nach Lengerich gekommen sei – „die Mädchen richtig herausgeputzt“ –, um mit dem türkisfarbenen Wasser im Hintergrund Fotos für den Onlinedienst Instagram zu machen. Dass ihr Tun illegal war, weil das Betreten des Naturschutzgebietes untersagt ist, dürften die Gäste aus dem Ruhrpott kaum übersehen haben. Die beiden Männer von der Ig Teuto betonen, dass das Eindringen des Menschen in das Areal ganz konkrete negative Auswirkungen habe.

1977 ist der Steinbruch im Westen Lengerichs stillgelegt worden. 1989 erfolgte die Ausweisung als Naturschutzgebiet. In der Verordnung dazu heißt es: „Das Schutzgebiet zeichnet sich insgesamt durch eine große Artenvielfalt aus (...). Die Flächen sind von standorttypischen Buchenwäldern und Gebüschen, Magerrasen, Felszonen, Schutt- und Hochstaudenfluren geprägt, die zahlreiche gefährdete Pflanzenarten (...) beheimaten.“

Kommen Menschen in den Canyon, drohe die Zerstörung dieser Vielfalt, sagen die beiden IG-Teuto-Vorständler. Tiere wie der Uhu würden gestört, Orchideen kaputt getreten und das sensible „Gefüge“ im See durch Müll oder auch Sonnencreme gefährdet. Markus Hehmann: „Nicht umsonst hat jedes Schwimmbad eine Filteranlage.“ Das Wasser sei sehr nährstoffarm, erklärt Thomas, was das Vorkommen einer seltenen Algenart ermögliche.

Bereits 2011 ist an einem Konzept gearbeitet worden, das auch den besseren Schutz des Canyons zum Ziel hatte. Damals wurde unter anderem entschieden, dass am Nordhang Ziegen weiden sollten, um Gestrüpp klein zu halten und so dem Magerrasen möglichst gute Bedingungen zu bieten. Zudem, so die Hoffnung, würde sich vielleicht mancher unerwünschte Besucher fern halten, weil er nun von oben besser gesehen werden konnte. Eine Hoffnung, die sich nicht erfüllt habe, räumen Volk und Hehmann ein. Die wissenschaftliche Begleitung durch die Universität Münster belege indes eindeutig, wie wichtig die Beweidung durch die Ziegen für das Schutzgebiet ist.

Doch auch da machen sich die beiden so ihre Gedanken. Immer wieder werde der Zaun von Canyon-Besuchern niedergetreten, „selbst an schwer zugänglichen Stellen“. Für den Halter der Tiere sei die Beweidung somit mit einem hohen Aufwand verbunden. Rechne sich das Ganze für ihn nicht mehr, befürchten Hehmann und Volk, könnten die Ziegen eines Tages vom Canyon verschwinden. Was ein großer Verlust wäre.

Dabei wissen sie, dass der Canyon eine „Attraktion“ ist, die auch weiterhin viele Besucher anlocken wird. Doch wie den Tourismus in geordnete Bahnen lenken? Bereits bei der Erarbeitung des Konzeptes 2011 sei darüber nachgedacht worden, einen Weg mitten durchs Naturschutzgebiet anzulegen. Doch das habe sich als „sehr problematisch“ erwiesen und sei deshalb nicht realisiert worden. Von einem Abebben des Interesses nach der Corona-zeit geht Thomas Volk nicht aus. Er sagt, dass nur Kon-trollen Abhilfe schaffen könnten. Dabei sieht er den Kreis als zuständige Behörde in der Pflicht, den „Sinn und Zweck des Naturschutzgebietes zu erfüllen“.

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