Nach jahrelanger Flaute
Morgenrot für Windkraft-Pläne

Ascheberg -

Lange blies bei der Windkraft in Ascheberg nicht einmal ein laues Lüftchen. Jetzt steht die Tür für frischen Wind offen. Was passiert nach dem Veto-Verzicht der Flugsicherer?

Samstag, 24.10.2020, 08:07 Uhr aktualisiert: 28.10.2020, 17:17 Uhr
Das Bild ist zwar abends entstanden, symbolisch könnte es aber aussagen „Morgenrot für die Windenergie in Ascheberg“. Mi dem Veto-Wegfall beginnt ein neuer Tag in der Diskussion.
Das Bild ist zwar abends entstanden, symbolisch könnte es aber aussagen „Morgenrot für die Windenergie in Ascheberg“. Mi dem Veto-Wegfall beginnt ein neuer Tag in der Diskussion. Foto: hbm

Mal Sturm, dann laues Lüftchen: Die Diskussion zur Windkraft in der Gemeinde Ascheberg wird seit 20 Jahren mit unterschiedlicher Intensität geführt. Herrschte durch das Veto der Flugsicherer einige Jahre Flaute, sorgt eine neue Rechenmethode rund ums Drehfunkfeuer Albersloh nun für frischen Wind. Die Pläne für den Bürgerwindpark in Forsthövel sind bereits aus der Schublade geholt. Klaus van Roje, Fachbereichsleiter Bauen und Wohnen in der Aschberger Verwaltung, erwartet von einer neuen Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) aus Berlin weiteren Rückenwind für den Bau von Windrädern: „Das spürt man an den Anfragen von Projektierern, die neuerdings wieder öfter hier anrufen.“ Bis sich zum ersten und einzigen Windrad aus dem vergangenen Jahrtausend, das sich in Ascheberg dreht, an der anderen Gemeindeseite weitere Energieanlagen gesellen, wird es noch einige Zeit dauern.

Die Vorgeschichte: Anfang des Jahrtausends wehten Wind und Gegenwind kräftig. Im Ergebnis wies die Gemeinde Ascheberg zwei Windkraftzonen in Forsthövel und Nordick aus. Allerdings wurde die Höhe auf 100 Meter begrenzt. Die Folge: Mögliche Bauherren verloren das Interesse an den Gebieten, weil an anderen Orten größere und wirtschaftlichere Anlagen gebaut werden durften. Nach dem Reaktorunglück in Fukushima frischte der Wind für weitere Anlagen wieder auf. Die Gemeinde suchte und fand vier Konzentrationsgebiete, um der Windenergie „substanziell Raum zu geben“. Für eine bessere Akzeptanz sollten Bürgerwindparks mit örtlichen Investoren und Genossenschaften sorgen. Aus diesem Verfahren sind mit Beschluss aus dem August 2015 vier Gebiete in Nordick, Forsthövel, der Osterbauer und am östlichen Ortsrand zu Rinkerode übrig geblieben. Mit dem Einreichen der Unterlagen für den Bau von vier Windrädern in Forsthövel erhoben die Flugsicherer ihr Veto. Diese Möglichkeit besteht in einem 15-Kilometer-Radius um das Drehfunkfeuer Albersloh. Seither ruhten die Pläne.

Stand heute: Mit dem Wegfall des Vetos werden die Pläne für den Bürgerwindpark Forsthövel reaktiviert. „Die Politik muss im ersten Schritt den Bebauungsplan aufheben, weil dort noch die Höhe begrenzt ist“, erklärt van Roje im WN-Gespräch. Es müsse nicht zwingend ein neuer Bebauungsplan aufgestellt werden: „Genehmigungen sind auch aus dem Flächennutzungsplan heraus möglich“, sagt van Roje.

Für den immissonsrechtlichen Antrag muss ein neues Artenschutzgutachten erstellt werden. „Solche Gutachten gelten sieben Jahre. Das vorliegende stammt aus dem Jahr 2013“, erläutert der Verwaltungsmann. Ein neues Gutachten dauere ein Jahr und sei bereits beauftragt.

Auf den Prüfstand gehörten auch viele andere Dinge: „Bei den Windrädern hat sich die Technik verändert. Jene Anlagen, die wir bauen wollten, gibt es nicht mehr“, führt van Roje aus. Aktuell stünden drei Windriesen zwischen 245 und 250 Metern in den Plänen.

Die Gemeinde hat einen Zugriff auf das Projekt in Forsthövel, weil die Ascheberger Grundstücks-Entwicklungs-Gesellschaft (AGEG) die anvisierten Flächen gepachtet hat. Wie daraus welche Beteiligung von Gemeinde und Bürgern generiert werden kann, muss mit dem Projektierer Oliver Keßler, dem Geschäftsführer WI Windinvest GmbH, besprochen werden.

Mit dem Wegfall des Vetos wird also nicht gleich heute mit den Bau von Windrädern in der Gemeinde Ascheberg begonnen. Ein möglicher Baustart könnte, so Expertenmeinung, Mitte 2022 sein.

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