Warnstreik an der LWL-Klinik
Wertschätzung in Euro statt Applaus

Lengerich -

An die 100 Mitarbeiter der LWL-Klinik Lengerich sind gestern der Aufforderung der Gewerkschaft verdi zum Warnstreik gefolgt. Von der Pforte der Klinik zogen sie durch die Innenstadt zur Stadtverwaltung.

Mittwoch, 30.09.2020, 19:08 Uhr aktualisiert: 01.10.2020, 10:42 Uhr
Andrea Telljohann, Personalratsvorsitzende der LWL-Klinik Lengerich, liest Bürgermeister Wilhelm Möhrke die Forderungen der Gewekschaft vor.
Andrea Telljohann, Personalratsvorsitzende der LWL-Klinik Lengerich, liest Bürgermeister Wilhelm Möhrke die Forderungen der Gewekschaft vor. Foto: Michael Baar

Immer wieder nickt Wilhelm Möhrke zustimmend, bei den Worten von Andrea Telljohann. Die Personalratsvorsitzende der LWL-Klinik Lengerich liest dem Bürgermeister die Forderungen der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft verdi in den laufenden Tarifverhandlungen vor.

Die Beschäftigten im öffentlichen Dienst, speziell im Gesundheitswesen, fühlen ihre Arbeit – insbesondere seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie im März – nicht entsprechend gewürdigt. „Wir wurden als systemrelevant gefeiert, aber die finanzielle Anerkennung bleibt aus“, begründet An­drea Telljohann, weshalb die Gewerkschaftsmitglieder im öffentlichen Dienst auf die Straße gehen. Sie fordern eine angemessene Honorierung ihrer Leistungen.

Wir wurden als systemrelevant gefeiert, aber die finanzielle Anerkennung bleibt aus.

Andrea Telljohann, Personalratsvorsitzende LWL-Klinik Lengerich

Was das in Euro heißt, hat Gewerkschaftssekretär Thomas Meißner schon vor dem Start des Demonstrationszuges am Tor der LWL-Klinik deutlich gemacht: 4,8 Prozent mehr Lohn, mindestens aber 150 Euro, für Auszubildende 100 Euro mehr und die Zusicherung der Übernahme nach Ende der Lehrzeit.

Ob er die Bitte des Gewerkschafters – „schreiben Sie einen Brief an den Verband kommunaler Arbeitgeber, damit dieser ein Verhandlungsangebot vorlegt“ – ließ der Bürgermeister offen. Mehr als ein „wenn ich schreibe, erfahren Sie das auch“ sagte er zu dem Thema nicht. Dafür unterstrich Wilhelm Möhrke die Bedeutung des Gesundheitsbereich speziell auch für die Stadt. Schließlich sei die LWL-Klinik einer der größten Arbeitgeber.

Neben der Erinnerung an gemeinsame Anstrengungen von Stadt, LWL-Klinik und weiteren Beteiligten – beispielsweise zum Erhalt des Krankenhauses und dem Verbleib der Neurologie der LWL-Klinik in Lengerich, und zwar in der Helios-Klinik – verwies er darauf, dass die Politik bei Ausbruch der Pandemie klare Prioritäten gesetzt habe. „Da war ganz klar, dass Gesundheit wichtiger als Wirtschaft ist“, stellte er fest.

Zugleich wies er darauf hin, dass die öffentliche Hand, nicht nur Bund und Länder, erhebliche finanzielle Anstrengungen auf sich nehme, um das gesellschaftliche und öffentliche Leben am Laufen zu halten. Das sei eine Last, die nachfolgenden Generationen aufgebürdet werde.

Bei Ausbruch der Pandemie ist klar gezeigt worden, dass Gesundheit wichtiger ist als Wirtschaft.

Bürgermeister Wilhelm Möhrke

Die knapp 100 Demonstranten zogen relativ leise von der LWL-Klinik über Friedhofstraße, Schulstraße und Bergstraße zum Rathausplatz. Das Tragen von Mund-Nasenmasken verhinderte lautstarkes Skandieren von Forderungen. Die ersatzweise mitgeführten Plastik-Klatschhände klangen eher dezent.

Von den Autofahrern, denen etwas Geduld abverlangt wurde, gab es keine Unmutsäußerungen oder Beifall. Sie wirkten überwiegend unbeteiligt, als sie vorübergehend nicht vorwärtskamen. Und auch in der Innenstadt hielt sich das Interesse an den Demonstranten eher in Grenzen. Auf dem Rathausplatz blieben nur wenige Passanten stehen, um den Forderungen der Warnstreik-Teilnehmer zuzuhören.

Ein Mann schien allerdings gar nicht mit der Demonstration einverstanden zu sein. „Wat dölmert däi doa rümme“, entfuhr es ihm. Wesentlich unentspannter schien da eine Frau zu sein. Sie pirschte sich vor der Stadtverwaltung an Gerrit Siebrecht heran und beschwerte sich beim Mann des Ordnungsamts darüber, dass eine andere Demons­trantin einen Hund mitführe: „Das ist Tierquälerei“, sagte sie, drehte sich um und ging davon. Keine Chance zu antworten für den Ordnungshüter.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7610447?categorypath=%2F2%2F62%2F798625%2F819239%2F
Nachrichten-Ticker