Rettungsschiff im Mittelmeer: Kirchenkreis kritisiert italienische Behörden
„Tote werden in Kauf genommen“

Lengerich/Tecklenburger Land -

Der Evangelische Kirchenkreis Tecklenburg ist Mitglied im Bündnis „United4Rescue“, das das Rettungsschiff „Seawatch 4“ im Mittelmeer betreibt. Das Schiff ist wegen angeblicher Mängel von italienischen Behörden im Hafen von Palermo festgesetzt worden. Dagegen protestiert der Kirchenkreis.

Mittwoch, 23.09.2020, 19:06 Uhr aktualisiert: 24.09.2020, 17:40 Uhr
Superintendent André Ost
Superintendent André Ost Foto: Wilhelm Schmitte

Im Rahmen der jüngsten Synode des Evangelischen Kirchenkreises Tecklenburg in Lengerich haben die Synodalen einstimmig die Mitgliedschaft des Kirchenkreises im Bündnis „United4Rescue“ beschlossen. In dieses Seenotrettungs-Bündnis fließen keine Kirchensteuermittel ein, heißt es in einer Pressemitteilung.

Das Bündnis wurde 2019 auf Initiative der Evangelischen Kirche von Deutschland (EKD) gegründet und betreibt mit Unterstützung der „Seebrücke“ und medizinischer Hilfe von „Ärzte ohne Grenzen“ das Seenot-Rettungsschiff „Seawatch 4“. Der gemeinnützige Verein „United4Rescue“ vereint mehr als 600 Organisationen, Unternehmen und Vereine. Das Schiff war seit Mitte August im Mittelmeer im Einsatz und hat über 350 Menschen aus Seenot gerettet.

Nun ist die „Seawatch 4“ durch italienische Behörden wegen angeblicher Mängel in Palermo festgesetzt worden. Tatsächlich aber erfüllt das unter deutscher Flagge fahrende Schiff alle Sicherheitsvorgaben. Das ist von deutschen Behörden im Juli bestätigt worden, schreibt der Kirchenkreis. „Die Festsetzung des Schiffes ist politisch motiviert und dient allein dem Zweck, die Rettung von Schiffbrüchigen zu verhindern“ so der Flüchtlingsbeauftragte des Kirchenkreises, Pfarrer Roland Wendland. „Diese Politik nimmt den Tod von Menschen in Kauf.“

Der Kirchenkreis fordert die deutsche Regierung auf, sich bei den italienischen Behörden für eine Freilassung der „Seawatch 4“ einzusetzen, damit das Schiff seine Rettungstätigkeit fortsetzen kann. „Es entspricht unserer christlichen Grundhaltung, dass wir uns für Menschen in Not einsetzen“, sagt André Ost. „Die Flüchtlinge im Mittelmeer setzen ihr Leben aufs Spiel, um aus existenzieller Not gerettet zu werden. Es kann nicht sein, dass ihnen niemand hilft“, betont der Superintendent.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7599036?categorypath=%2F2%2F62%2F798625%2F819239%2F
Nachrichten-Ticker