ASP-Fälle in Brandenburg bereiten Schweinhaltern in der Region sorgen
Landwirten geht langsam die Luft aus

Lüdinghausen -

Die ersten ASP-Fälle in Brandenburg treiben auch hiesigen Schweinehaltern die Sorgenfalten auf die Stirn. Die Preise sind im Keller und eine Besserung ist nicht in Sicht. Die Lage sei existenzbedrohend, sind sich die beiden LOV-Vorsitzenden aus Lüdinghausen und Seppenrade einig.

Sonntag, 20.09.2020, 19:24 Uhr aktualisiert: 21.09.2020, 15:58 Uhr
Die Afrikanische Schweinepest ist für Schweine tödlich. In Brandenburg sind erste Fälle aufgetreten. Das hat auch schwerwiegende Folgen für Schweinehalter in Lüdinghausen.
Die Afrikanische Schweinepest ist für Schweine tödlich. In Brandenburg sind erste Fälle aufgetreten. Das hat auch schwerwiegende Folgen für Schweinehalter in Lüdinghausen. Foto: imago images/Laci Perenyi

„Ferkelerzeuger müssen eigentlich Eintritt in den eigenen Stall bezahlen“, bringt Berthold Schulze Meinhövel, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes (LOV) in Lüdinghausen, die derzeit extrem schwierige Situation für Schweinehalter auf den Punkt. Erst Corona und jetzt auch noch die Afrikanische Schweinepest (ASP) – den Landwirten gehe so langsam die Luft aus.

„Es geht bei einigen an die Existenz“, ist Schulze Meinhövel überzeugt. Die Preise seien so schlecht wie lange nicht mehr. Das setze sich bei den Mastbetrieben fort. „Anfang des Jahres waren wir sehr zuversichtlich und konnten wirklich gute Preise für unsere Tiere erzielen. Dann kam Corona mit den massenhaften Infektionen in den Schlachtbetrieben bei Westfleisch und Tönnies – und die Preise gingen deutlich zurück“, berichtete der Ortsvereinsvorsitzende der Steverstadt.

Anfang des Jahres hat Schulze Meinhövel noch etwa 200 Euro pro Mastschwein erhalten, in Coronazeiten waren es bereits rund 30 bis 40 Euro weniger. „Und jetzt, als alle gedacht haben der Markt erhole sich wieder, kommt ASP.“ Aktuell liege der Preis bei etwa 130 Euro pro Schwein. Ferkel kosteten zu Beginn das Jahres bis zu 100 Euro, derzeit bekämen Züchter um die 40 bis 45 Euro. Das sei nicht mehr kostendeckend, so Schulze Meinhövel.

Alle Schweinebetriebe sind betroffen

Und auch wenn Brandenburg, wo bisher acht mit ASP infizierte verendete Wildschweine gefunden wurden, weit weg scheint, so sind dennoch alle Schweinbetriebe im Land davon betroffen. „Sinnvoller wäre es, nicht betroffene Bundesländer von dem Exportverbot herauszunehmen“, sagt Michael Muhle, Vorsitzender des LOV in Seppenrade. Dennoch könne es schnell gehen, dass die Seuche auch im Münsterland lande. Die größte Gefahr sei eine Übertragung durch den Menschen. Das ASP-Virus sei ex­trem überlebensfähig. Selbst in bereits zu Wurst verarbeitetem Fleisch überlebe er. Deshalb appellieren beide LOV-Chefs an Bürger, keine Lebensmittel – insbesondere aus dem von ASP betroffenen Polen stammende – Fleischerzeugnisse – im Freien wegzuwerfen. Wildschweine seien Allesfresser und könnten sich darüber auch in der hiesigen Region mit dem Virus infizieren. Die beiden Landwirte weisen auch noch einmal darauf hin, dass das Virus für Menschen absolut ungefährlich sei, für Schweine eine Infektion jedoch immer tödlich ende.

Für Landwirte sei es besonders wichtig, alle Vorsorgemaßnahmen akkurat zu beachten. Das beinhalte neben der Stallhygiene auch die sichere Einzäunung des Betriebes. Schulze Meinhövel hofft auf eine Marktregulierung, dadurch dass ASP-freie Länder in Europa für den Export in asiatische Regionen produzieren und Deutschland dann sein Fleisch in diese Länder liefern könne.

Seuche bringt Strukturwandel voran

Ob Corona oder ASP die beste Lösung für die Landwirtschaft wären aus Sicht beider Ortsvereinsvorsitzenden, dass die Preise für Fleisch steigen. „Wenn der Verbraucher bereit wäre, für Fleisch angemessen zu bezahlen, wäre damit nicht nur den Landwirten, sondern letztlich auch dem Wohl der Tiere gedient“, sagte Schulze Meinhövel. „Diese Seuche wird den Strukturwandel in der Landwirtschaft voranbringen, kleine Betriebe müssen aufgeben, weil sich die Arbeit nicht mehr lohnt“, ist Muhle überzeugt. „Wir können uns viele Maßnahmen vorstellen und sind auch bereit, diese zu gehen. Auch zum Wohl der Tiere. Aber es muss sich finanziell für uns ebenfalls lohnen.“

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