Lärm, Müll, Pöbeleien nerven Anwohner
Freiluft-Spaß erfordert Grenzen

Senden -

Die warme Jahreszeit mit ihren lauen Nächten betrachten einige Sendener mit gemischten Gefühlen. Denn an mehreren Stellen kommt es zu Ärger wegen Lärm und Müll, den Freiluft-Fans produzieren, die sich um das Ruhebedürfnis der Anlieger wenig scheren. Die Behörden kennen das Problem, ihr Einfluss ist aber beschränkt.

Samstag, 19.09.2020, 06:43 Uhr aktualisiert: 19.09.2020, 06:50 Uhr
Beliebte Badeanstalt: Die Hafenterrasse am Kanal lockt viele Besucher an. Was erwünscht ist. Doch auch nachts kehrt oftmals keine Ruhe ein, lauten die Beschwerden der Anwohner.
Beliebte Badeanstalt: Die Hafenterrasse am Kanal lockt viele Besucher an. Was erwünscht ist. Doch auch nachts kehrt oftmals keine Ruhe ein, lauten die Beschwerden der Anwohner. Foto: di

Die einen haben Spaß, die anderen wollen keine Spaßverderber sein. Doch sie pochen auf Grenzen der Freiluft-Vergnügenssucht, die an mehreren Stellen Sendens offenbar überschritten werden. Ein Hotspot beim Thema Lärm und unschöne Hinterlassenschaften der Draußen-Partys sind die neuen Kanalterrassen, aber auch rund um den Wohnkomplex an der Schulze-Bremer-Straße, der an der Grünfläche Drachenwiese liegt, knirscht es ordentlich im Gebälk der Nachbarschaft.

Dort sind die Bewohner der Hausnummer 23 bis 29 mit ihrer Geduld am Ende und auch mit ihren Möglichkeiten. Die Anrufe bei Polizei und/oder Ordnungsamt hätten „nichts gebracht“ – denn: Die Beamten „kommen, ermahnen und danach geht es weiter“ –, fassen zwei Beschwerdeführerinnen zusammen, die auch schon Unterschriften praktisch aller Hausbewohner gesammelt haben, um der Forderung auf Nachruhe Nachdruck zu verleihen.

Lärm, Müll und Pöbeleien im Park

Die sommerliche Situation schildern sie so: Im Park zur Drachenwiese halten sich werktags wie am Wochenende bis zu 20 bis 30 Leute auf, die Alkohol trinken, laute Musik hören, grillen, eine Tischtennisplatte aufklappen und nutzen, das Wäldchen als Toilette missbrauchen, ihre Hunde frei laufen lassen (deren Hinterlassenschaften ebenfalls liegen bleiben und die Passanten einschüchtern), Schilder und Mülleimer demolieren. Das Treiben dauere bis tief in die Nacht, teils sei erst um vier Uhr morgens Schluss. Obwohl es immer dieselben Gesichter seien, würden nicht mal Personalien aufgenommen, so die Anwohner, die auch Drogenkonsum und -handel anprangern.

Das hat bisher nichts gebracht.

Anlieger sind enttäuscht von Polizei und Ordnungsamt

Wer sich der Gruppe nähere, werde angepöbelt und auf „das Übelste beleidigt“, machen die Anwohner geltend.

Polizei rückt oft aus

Die Polizei bestätigt, dass sie häufiger wegen Ruhestörungen alarmiert worden seien. Besonders im August habe es eine Vielzahl Einsätze auch spät in der Nacht gegeben, allerdings hätten die Streifenbeamten in der Regel keine Feststellungen gemacht, die ein weiteres Einschreiten oder Maßnahmen erfordert hätten. Das sei meistens auch den Anwohnern, die sich an die Polizei gewandt hatten, erklärt worden. Angesichts der Häufung der Eingabe, habe der Wachleiter das Problem aber auf dem Schirm, hieß es in der Polizeipressestelle. „Die Kollegen sind besonders sensibilisiert.“ Hinweise auf Drogenkriminalität kann die Polizei ebenfalls nicht bestätigen.

Bei Einsätzen am Kanal seien im August jedoch Personalien festgestellt und Ordnungswidrigkeitsanzeigen wegen Ruhestörung aufgebrummt worden, so die Polizeisprecherin Nadine Juds weiter. Auch eine Musikanlage sei am Hafenplatz einkassiert worden. Um Randalierer dingfest zu machen, müssten sie ertappt werden, deshalb, appelliert Juds: „Scheuen Sie sich nicht, die Polizei anzurufen.“

Alle Hotspots gleich behandelt

Die Beamten arbeiten eng mit dem Ordnungsamt beziehungsweise dem Sicherheitsdienst der Gemeinde zusammen. Dass es an der Schulze-Bremer-Straße und am Kanal zu Einsatzschwerpunkten kommen würde, war Polizei, Gemeinde und Sicherheitsdienst klar. Bereits im Juli kamen sie zusammen, um über die Szenarien für den Sommer zu sprechen, berichtet Holger Bothur, Fachbereichsleiter Bürgerservice, Ordnung und Soziales bei der Gemeinde Senden. Er unterstreicht, dass alle Hotspots gleich behandelt werden. „Ich kann wirklich versprechen, dass wir garantiert nicht anders verfahren“, erwidert Bothur auf den Eindruck der Anwohner aus Senden-West, dass ihre Beschwerden weniger ernst genommen werden. Bereits seit Ende Juni sei der Sicherheitsdienst angewiesen, die Schulze-Bremer-Straße verstärkt zu bestreifen. Im Juli und August sei es bei zwölf Kontrollen aber zu keinen Feststellungen gekommen.

Der Kanalplatz wird noch häufiger auf den nächtlichen Runden des Sicherheitsdienstes inspiziert. Dessen Kräfte haben (zum Teil in Begleitung der Beschäftigten des Ordnungsamts) die neue Uferzone allein im Juli insgesamt 24 Mal an zwölf Tagen kontrolliert. Ergebnis: Es wurde zweimal ein Platzverweisausgesprochen und drei Mal wurde ein Feuer- und Grillverbot durchgesetzt, resümiert der Fachbereichsleiter auf Anfrage unserer Zeitung. Bothur ergänzt: „Unzulässige Ruhestörungen wurden bei allen Kontrollen nicht festgestellt.“

Anwohner der Hafenterrassen malen ein ganz anderes Bild mit Lärm von Musik, Grölen, Autos und Mopeds bis in die Morgenstunden. Der Ressortchef Ordnung versucht die Diskrepanz aufzulösen: Er könne die subjektive Wahrnehmung der Anwohner gut nachvollziehen. Aber nicht alles, was sie als störend empfinden, sei damit auch rechtswidriges Verhalten. Damit hakt er das Problem aber nicht ab: „Wir sind froh, wenn wir Hinweise kriegen.“

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