Fleischbranche
Westfleisch übernimmt 3000 Werkarbeiter in Stammbelegschaft

Münster (dpa) - Nach scharfer Kritik an miesen Arbeitsbedingungen übernimmt das Unternehmen Westfleisch mit Sitz in Münster 3000 Beschäftigte, die bisher nur über externe Firmen mit Werkverträgen tätig waren.

Donnerstag, 17.09.2020, 18:52 Uhr aktualisiert: 17.09.2020, 20:45 Uhr
Fleischbranche: Westfleisch übernimmt 3000 Werkarbeiter in Stammbelegschaft
Bei Westfleisch hatte es im Frühjahr unter anderem in Coesfeld zahlreiche Corona-Neuinfektionen unter den zumeist ausländischen Werkarbeitern gegeben. Foto: dpa

Das von der Bundesregierung geplante Verbot von Werkverträgen in der Fleischbranche zeigt Wirkung, noch bevor das Gesetz den Bundestag passiert hat. Der münsterische Großschlachter Westfleisch hat sich mit der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) auf die Übernahme und Neueinstellung von rund 3000 Beschäftigten geeinigt, die bisher bei externen Werkvertragsunternehmen angestellt waren.

Geregelt wird dies in einem neuen Tarifvertrag, wie Westfleisch am Donnerstag mitteilte. Zugleich sollen rund 1000 Mitarbeiter, die bisher bei konzerneigenen Dienstleistungsgesellschaften von Westfleisch angestellt waren, in den Mutterkonzern wechseln.

Corona-Ausbruch im Frühjahr

Bei Westfleisch hatte es im Frühjahr unter anderem in Coesfeld zahlreiche Corona-Neuinfektionen unter den zumeist ausländischen Werkarbeitern gegeben. Daraufhin musste die Firma ihre Produktion zeitweise runterfahren. Im Sommer kam es beim Wettbewerber Tönnies ebenfalls zu vielen Corona-Neuinfektionen unter den dortigen Werkarbeitern, was scharfe Kritik an der ganzen Branche und deren Arbeitsbedingungen hervorrief.

Zur Übernahme der Werkarbeiter bei Westfleisch sagte der NRW-Landesbezirksvorsitzende der NGG, Mohamed Boudih: „Das wurde auch allerhöchste Zeit.“ Er hoffe, dass der Schritt ein Beispiel für den Rest der Branche wird.

Übernahme der Werkarbeiter ab Januar

„Ab Januar 2021 werden alle Mitarbeiter in der Schlachtung und Zerlegung direkt bei unseren beiden bestehenden Schlachtunternehmen Westfleisch SCE beziehungsweise Westfleisch Erkenschwick GmbH angestellt sein“, erklärte Westfleisch-Chef, Carsten Schruck. Die neue Vereinbarung sieht sechs Lohnstufen vor, wobei die niedrigste mit 9,50 Euro knapp oberhalb des gesetzlichen Mindestlohns von derzeit 9,35 Euro liegt. Hier seien weniger als 20 Prozent aller künftig 7000 Beschäftigten von Westfleisch eingestuft, hieß es. 

Zum Jahreswechsel soll der gesetzliche Mindestlohn allerdings auf besagte 9,50 Euro steigen. Westfleisch will in der untersten Lohngruppe ab dem 1. Januar 9,60 Euro, anschließend sollen in halbjährlichen Schritten weitere Anhebungen erfolgen, so dass die untere Lohngruppe immer oberhalb des Mindestlohns angesiedelt sei, wie ein Unternehmenssprecher erklärte.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hatte vor einer Woche sein Gesetz eingebracht, mit dem er, wie er sagt, Missstände beseitigen will. Westfleisch hatte im Juni als erstes Unternehmen der Branche angekündigt, künftig alle Mitarbeiter in das Unternehmen zu übernehmen.

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