Münsterland-Express nimmt offiziell Betrieb auf
„Turbo“-Bus: Mehr Takt und Tempo

Senden -

Das Münsterland wird zum „Reallabor“ für moderne Mobilität: Üppige Fördermittel für das Pilotprojekt hat Bundesforschungsministerin Anja Karliczek in Senden übergeben. Dort erfolgte der offizielle Startschuss für den Münsterland-Express X 90.

Freitag, 14.08.2020, 19:15 Uhr aktualisiert: 15.08.2020, 10:21 Uhr
Symbolträchtiges Gastgeschenk: Bundesministerin Anja Karliczek schneidet mit Gerrit Tranel (v.l.),Geschäftsführer des Zweckverbandes SPNV Münsterland für den Fachbereich Bus, Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr und Bürgermeister Sebastian Täger den X-90-Kuchen an.
Symbolträchtiges Gastgeschenk: Bundesministerin Anja Karliczek schneidet mit Gerrit Tranel (v.l.),Geschäftsführer des Zweckverbandes SPNV Münsterland für den Fachbereich Bus, Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr und Bürgermeister Sebastian Täger den X-90-Kuchen an. Foto: di

Die Bundesministerin kam mit Fördermillionen und erhielt dafür einen bunten Kastenkuchen. Mit einem symbolträchtigen Geschenk bedankten sich die Projektbeteiligten bei Anja Karliczek, die am Freitag zum offiziellen Start des Münsterland-Express X 90 zum Rathaus Sendens gekommen war. Der Schnellbus mit „Turbo“, der zwischen Olfen und Münster pendelt, nimmt am Montag seinen Linienverkehr auf. 

Dass die Berliner Chefin des Forschungsressorts – und eben nicht der Kabinettskollege für den Verkehr –  die Zuschüsse in Höhe von 5,8 Millionen Euro bewilligte, hat einen besonderen Grund: Der Münsterland-Express ist Bestandteil eines Forschungsprojektes zu ganzheitlicher und nachhaltiger Mobilität. An dem Pilotprojekt sind neben RVM, Kreis und den Anrainer-Kommunen auch Verkehrs-Zweckverbände (ZVM und NWL), das Land NRW und die Technische Hochschule Aachen beteiligt; vom Land waren im Mai bereits 4,8 Millionen Euro zugesagt worden.

Üppige Förderung für Verkehrs-Forschung

Die auf drei Jahre angelegte Förderung – aus deren Töpfen auch der Betriebskostenzuschuss für die Expressbuslinie entnommen wird –  soll das Thema Verkehr ganz neu in den Blick nehmen: für eine ländlich geprägte Region mit Bezügen zur Großstadt Münster und der Metropolregion Ruhrgebiet.

Wir werden Erfolg haben, wenn wir vom Bürger aus denken.

Anja Karliczek möchte, dass die ÖPNV-Nutzung „Spaß macht“

Das Münsterland wird so zum „Reallabor“ für Mobilität. Mit Vorbildfunktion, die auf ganz Deutschland übertragbar sein soll. Im Mittelpunkt steht eine Stärkung ohnehin schon starker Schnellbus-Achsen (der S 90/91), die mit der X 90 so ergänzt werden, dass in einem Gebiet, in dem die Schienen fehlen, Transportleistungen erreicht werden, die einem S-Bahn-Verkehr nahekommen.

Finanzierung neu ausrichten

Die Förderung des Express-Busses ist zunächst auf drei Jahre befristet. Was passiert danach? Diese Frage wurde beim offiziellen Start der X-90-Linie nicht beantwortet. Gerrit Tranel, Geschäftsführer des Zweckverbandes SPNV Münsterland für den Fachbereich Bus, und auch Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr, nutzten aber die Gelegenheit, um für einen Wechsel bei der Finanzierung von Schnellbusverbindungen zu werben. Statt dass der Kreis dies stemmt, sollte der Bund (wie bei der Schiene) die Kosten übernehmen.

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Die 40 Kilometer lange Strecke von der Olfener Stadthalle bis zum Bült in Münster soll so in genau einer Stunde zu schaffen sein. Ein Zeitgewinn von 15 Minuten. Von Lüdinghausen nach Münster holt die neue  Schnellbus-Generation sechs bis sieben, von Senden  nach Münster etwa fünf Minuten heraus. Die Express-Bus-Linie verläuft ausschließlich über die B 235 und die A 43. Dieser direkte Weg, ohne Schlenker etwa nach Seppenrade oder zum Busbahnhof in Senden, sowie der Wegfall einzelner Haltestellen führen zur Zeitersparnis. Dabei gilt: Chillen mit erhöhtem Komfort im Bus – etwa mit  WLAN fürs eigene Handy und einzelnen fest installierten Tablets mit Zugang zu Zeitungen und Magazinen. Besonderheit in Senden: Dort fährt künftig vier Mal pro Stunde ein Bus nach Münster ab.

Verkehrswende ist erklärtes Ziel

Für einen ÖPNV-Quantensprung würde dies alleine trotzdem nicht reichen. Erklärtes Ziel ist eine Verkehrswende. Das Auto werde im ländlichen Raum unverzichtbar bleiben, aber zumindest der Zweitwagen könnte abgeschafft werden, hieß es bei der Einweihungsfeier. Den Umstieg schmackhaft machen sollen Mobilstationen an der Expresslinie, an denen WLAN, eine Tasse Kaffee und sichere Abstellanlagen für Räder oder Scooter geboten werden sollen. Für die erste Etappe, den Weg von Zuhause dorthin, gelte es, intelligente Zubringerdienste anzubieten, so Bürgermeister Sebastian Täger, der auf das Potenzial hinwies, das Klima weniger zu belasten: 50 Prozent der CO2-Emissionen gehen auf den Bereich Verkehr zurück.

Die Zauberworte, um hier Entlastung zu erreichen, heißen Vernetzung, Digitalisierung und Sharing, sagte Anja Karliczek: „Wir können noch verdammt viel Effizienz gewinnen.“ Zum Beispiel, indem Busse besser ausgelastet werden. Um auf Akzeptanz zu stoßen, müssten die Planungen im Reallabor Münsterland „vom Bürger her gedacht werden“.

Sie sollen per Umfrage und Workshops Feedback geben, das von den Forschern ausgewertet wird. Futter für Wissenschaftler bieten aber auch Ticket-Apps und Fragen der Verkehrs-Lenkung: Zum Beispiel, wie verhindert werden kann, dass der Expressbus auf der A 43 vor Münster im Stau steht.

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