Der CDU-Bezirksparteitag in Coesfeld
Mehr als ein Heimspiel

Coesfeld -

Die CDU bereitet sich auf den Kommunalwahlkampf vor. Und schickt jede Menge Prominenz ins Rennen. Gesundheitsminister Jens Spahn hält eine bemerkenswerte Rede.

Donnerstag, 13.08.2020, 10:20 Uhr aktualisiert: 13.08.2020, 12:40 Uhr
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn beim Bezirksparteitag der CDU in Coesfeld.
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn spricht beim Bezirksparteitag der CDU in Coesfeld. Foto: Wilfried Gerharz

Es ist heiß an diesem Abend. Vor der Freilichtbühne Coesfeld, wo sonst Kinderlachen und gespannte Vorfreude auf Theaterstücke zu spüren ist, trifft sich die CDU Münsterland zu ihrem Bezirksparteitag. Natürlich kein normaler Parteitag, sondern fünf Wochen vor der Kommunalwahl ein besonderes Zusammenkommen. Gekommen sind sie alle, die Bundesminister Jens Spahn und Anja Karliczek, die Landes-Minister aus Düsseldorf, Karl-Josef Laumann und Hendrik Wüst. Und natürlich die amtierenden Landräte und Bürgermeister aus dem Münsterland, die genau dies auch bleiben wollen. Der Corona-Abstand wird natürlich eingehalten, die Maske fast immer getragen, man kennt sich ja auch seit Jahren, oft seit JU-Tagen oder aus den Kreisverbänden. Verwechselungsgefahr besteht da eher weniger.

Die Stimmung ist gut – trotz der Corona-Pandemie, die im Bewusstsein der Menschen nicht nur auf Bundesebene, sondern auch auf kommunaler Ebene den Regierenden und Handelnden hilft. So lange es gut geht, die Gefahr in Schach gehalten wird. Dafür kämpft Karl-Josef Laumann, Gesundheitsminister des Landes und Bezirksvorsitzender der CDU im Münsterland. Er zeichnet die Geschichte von den ersten – von den Briten angesetzten – Kommunalwahlen im Jahr 1946 bis heute nach. Eine Erfolgsgeschichte, natürlich. „Unser schönes Münsterland hat sich von einer wirklich armen Region zum wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rückgrat des Landes entwickelt“, sagt der Politiker aus dem Kreis Steinfurt. Die Beschäftigung sei in keiner anderen Region so steil angestiegen wie hier, die Wohneigentumsquote ebenfalls hoch, was sich gerade in den Zeiten des Lockdowns positiv ausgewirkt hat. Laumann versucht in seiner Rede geschickt, nach dem Vorbild der CSU in Bayern zwischen dem Münsterland und der Partei eine Identität herzustellen. „Der Aufstieg ist ja auch ein Verdienst unserer Partei.“ Sorge macht ihm nur die Zufriedenheit, die sich vielleicht in einer niedrigeren Wahlbeteiligung ausdrücken könnte.

20 Minuten später, nach der Rede der Bildungsministerin Anja Karliczek und dem freundlichem Beifall der 200 Gäste, die später eine muntere Talkrunde der Landräte, des Oberbürgermeisters von Münster und des Kandidaten für das Amt im Kreis Steinfurt erleben sollten, spricht Jens Spahn. Ein Heimspiel für den Ahauser, natürlich, der in Umfragen hinter Merkel und Söder ganz oben auf der Beliebtheitsskala rangiert. Spahn zeichnet gleich gleich den ganz großen Bogen nach. „Wir müssen alles daran setzen, dass diese Gesellschaft im Gespräch bleibt.“ Er nennt die Überängstlichen, die am liebsten zehn Meter Abstand halten, die Corona-Zweifler, den Busunternehmer, dessen Existenz auf dem Spiel steht und den Intensivmediziner, der im Krankenhaus um das Leben von Corona-Patienten kämpft. „Ich wünschte mir einen Corona-Patriotismus, der uns Rückenwind für die kommenden 20er Jahre gibt“, sagt der 39-Jährige. Er verweist auf Erfolge („Deutschland hat mehr freie Intensivbetten als Italien und Frankreich zusammen.“), preist den Wert eines robusten Staates und die Vorzüge der sozialen Marktwirtschaft und des Sozialstaates. „Bei uns ist das Testen keine soziale Frage“.

Natürlich spricht an diesem Abend in Coesfeld immer noch der Gesundheitsminister Spahn, natürlich auch der Chef der Borkener CDU. Aber diese Rede ist nicht fürs Heimspiel geschrieben, sondern Spahn könnte sie mit staatspolitischen Akzent auch überall in Deutschland halten. Im Bundestag, aus dem Kanzleramt? Ganz am Schluss kommt er auf sein Verhältnis zu Armin Laschet zu sprechen. „Wenn nicht einer zurücksteckt, funktioniert das Team nicht.“ Pause. Und dann. „Die Monate bis zum Parteitag werden noch spannend.“

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