Die Dürre im Flussbett
Trockenheit wirkt sich auf Grundwasser und Fließgewässer aus

Hopsten -

Kein Regen, große Hitze: Dieser Sommer schickt sich an, wieder für eine Dürre zu sorgen. Flüssen und Bächen wie der Halverder Aa geht das Wasser aus, erste Fließgewässer sind ausgetrocknet. Die Folgen sind immens – die Bemühungen, dagegenzusteuern, sind groß.

Donnerstag, 13.08.2020, 09:00 Uhr aktualisiert: 13.08.2020, 10:56 Uhr
Die Dürre im Flussbett: Trockenheit wirkt sich auf Grundwasser und Fließgewässer aus
Vertrocknete Zweige auf trockenem Grund. Hier fließt in anderen Zeiten das Wasser des Bachs Flötte bei Hopsten. Die umliegenden Wiesen sind offiziell ein Überflutungsgebiet. Foto: Gunnar A. Pier

Leise plätschert die Halverder Aa bei Hopsten zwischen Gräsern und unter Bäumen entlang. Auf einer kleinen Sandbank hocken Werner Wenker und Florian Hansen neben dem knöcheltiefen Bach und finden die Szene gar nicht so idyllisch. Eigentlich sollte die Halverder Aa hier mindestens knietief sein. Die Sandbank gäbe es dann nicht, aber die Ökologie wäre im Lot. Die Trockenheit macht den Gewässern zu schaffen. Deshalb überlegen die Experten, wie sie das Wasser besser in der Fläche halten können.

Das Jahr 2020 ist noch etwas zu jung für eine endgültige Wasserstandsmeldung, aber die vergangenen Tage erwecken den Eindruck, als nahe der dritte Dürresommer in Folge. Seit Wochen bleibt das Münsterland weitgehend trocken, dazu ist es seit fast zwei Wochen sehr, sehr heiß. Die Grundwasserstände sinken um manchmal gar einen ganzen Meter, Fließgewässer werden immer kleiner. Im Jahr 2019 waren im Kreis Steinfurt 140 Kilometer Fließgewässer komplett ausgetrocknet.

Grundwasserspiegel sinkt

Die Gründe sind vielfältig, erklären Werner Wenker (Leiter der Unteren Wasserbehörde beim Kreis Steinfurt) und Projektleiter Florian Hansen am Ufer der zu mickrigen Halverder Aa. Viele Fließgewässer seien „grund­wassergespeist“. Also: Es regnet, der Regen versickert, das Grundwasser fließt in Bäche und Flüsse. Wenn es nicht regnet, sinkt der Grundwasserspiegel unter das Niveau der Bäche und Flüsse – das war’s.

Wasserbedarf steigt

Zeitgleich steigt der Bedarf – das weiß jeder, der in diesen Tagen abends mit dem Gartenschlauch neben seinen Sträuchern steht. Aber auch die Landwirtschaft benötigt viel mehr Wasser – zumal wegen der generell steigenden Temperaturen Pflanzen früher wachsen und im Herbst länger grün bleiben und so übers Jahr gerechnet noch mehr Wasser brauchen.

Viele Folgen

Die Folgen sind gravierend – und damit ist weniger gemeint, dass Freizeitkanuten plötzlich auf Grund laufen: „Für die Lebewesen im Wasser ist das purer Stress“, erklärt Florian Hansen. Wenig Wasser, dadurch steigende Temperaturen, veränderte Sauerstoffgehalte, „und wich­tige Ruhezonen mit weniger Strömung fallen trocken.“ Kommt dann nach längerer Zeit plötzlich ein Regenguss, spült dieser Dreck von den Straßen in die Gewässer und sorgt bei den geringen Wasserständen erst recht für Verschmutzungen.

„Wir müssen das Wasser in der Fläche halten“

Was ist also zu tun? „Wir müssen das Wasser in der Fläche halten“, formuliert Werner Wenker, der Leiter der Unteren Wasserbehörde beim Kreis Steinfurt. „Eine gute Entwässerung ist vollkommen kontraproduktiv.“ Die aber gibt es vielerorten, vor Jahrzehnten ausgeklügelt angelegt mit Drainagen, Gräben, Bächen, Flüssen. Damals gab es ja noch Regen. Heute versuchen die Experten, vieles davon rückgängig zu machen. Das Wasser soll aufgehalten werden. Stauen darf man besonders die größeren Gewässer nicht, weil dann die Fische nicht mehr durchkämen. Die „ökologische Durchgängigkeit“ ist vorgeschrieben. Aber Entwässerungsgräben könnten weniger tief sein, Wasser in Tümpeln gesammelt werden.

Nicht jeder darf Wasser nutzen

Zudem wird die Wasserentnahme reguliert. Grob gesagt: Private Anlieger dürfen Grundwasser pumpen und Fließgewässer nutzen, gewerbliche Verbraucher benötigen eine Genehmigung. Im Kreis Steinfurt wird die nur noch für jeweils drei Jahre erteilt, dann wird geschaut, wie es um den Wasserstand steht.

Landwirte als Partner

Wichtige Partner für die Wasserbehörde sind die Landwirte. Denn sie haben die Flächen – und einen hohen Verbrauch. „Man rechnet 1000 bis 1200 Kubikmeter pro Hektar und Jahr“, nennt Wenker eine Hausnummer. Doch seien die Landwirte in der Regel sehr kooperativ und böten eigene Konzepte zum Wasserhalten an. Verständlich, müssen sie doch befürchten, dass sie irgendwann kein Wasser mehr bekommen. „Man kann nur verteilen, was da ist“, sagt Wenker. Und das ist etwa in der Halverder Aa gerade nicht sehr viel.

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