Nienborger reißt erst Scheibenwischer ab und verprügelt dann den Autofahrer
Opfer entdeckt Täter durch Internetsuche

Ahaus/Nienborg -

Eine verbale Entgleisung, eine Verfolgungsjagd, sowie eine brutale Prügelei samt Messer – diese Szenen stammen aus keinem Actionfilm, sondern haben sich am 15. November 2019 in den Abendstunden in Nienborg zugetragen. Auslöser war der Frust eines vielfach vorbestraften Nienborgers. Für diesen Gewaltausbruch musste sich der Mann jetzt vor dem Ahauser Amtsgericht verantworten.

Montag, 10.08.2020, 17:14 Uhr aktualisiert: 11.08.2020, 17:30 Uhr
Mit einem Messer hat ein Nienborger einen anderen Mann angegriffen.
Mit einem Messer hat ein Nienborger einen anderen Mann angegriffen. Foto: dpa

Bereits im Juni wurde der Fall verhandelt, doch seinerzeit fehlten das Opfer und die Zeugen vor Gericht. Wenngleich der Angeklagte jetzt bei der Aussage blieb, dass er mit allem nichts zu tun habe. Er sei nur zufällig zur selben Zeit in der Nähe gewesen. Er habe nach dem Stress mit seiner Freundin nur frische Luft geschnappt. Ein Erklärungsversuch, der auf den Richter wenig überzeugend wirkte.

​Immer wieder kopfschüttelnd nahm der Angeklagte zur Kenntnis, was die vier Zeugen über den Abend, die Sachbeschädigung, die Körperverletzung und die Bedrohung berichteten.

Gegen 20.15 Uhr saß der Geschädigte auf der Hauptstraße in seinem Auto und wartete auf seine Frau, die die Tochter von der Oma abholen wollte.

Plötzlich tauchte der Nienborger hinter dem Auto auf und riss den Scheibenwischer ab.

Als der „völlig erschrockene“ Autofahrer ausstieg, schnauzte ihn der Nienborger an: „Du scheiß Ausländer – verpiss dich!“

​Dann ging der Angeklagte seines Weges. Das Opfer und seine Frau nahmen die Verfolgung auf und verständigten die Polizei. Als sie den Nienborger einholten, schlug dieser den Mann zu Boden.

Es entbrannte eine Prügelei, bei der der Nienborger dem Geschädigten auch ins Gesicht biss. Blutende Wunden waren die Folge. Zudem verlor das Opfer kurzzeitig das Bewusstsein und übergab sich. Außerdem zückte der Nienborger ein Messer, mit dem er auf den Geschädigten losging.

​Danach verschwand er in einem Waldstück. Helfen sollte ihm die Flucht nicht, denn die Familie des Opfers fand die Identität des Mannes heraus. Eine Fotorecherche in einer örtlichen Facebook-Gruppe brachte den Treffer. Auch bei der späteren polizeilichen Identifikation waren sich alle Beteiligten „absolut sicher“, dass der Angeklagte der Schläger war, obwohl dieser das bis zum Schluss leugnete.

Geholfen hat ihm das nicht. Erst recht nicht, als der Richter das umfangreiche Vorstrafenregister des Mannes verlas: „Sie sind kein unbeschriebenes Blatt.“ Am Ende sprach der Richter dann im Vergleich zur Forderung des Staatsanwalts, 13 Monate Freiheitsstrafe ohne Bewährung, ein deutlich milderes Urteil. 140 Tagessätze zu jeweils 30 Euro muss der Nienborger nun zahlen, so er keinen Widerspruch einlegt.

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