Hitze und Blitze im Münsterland
Nach dem Unwetter ist vor dem Unwetter

Münsterland -

Der Deutsche Wetterdienst hatte am Sonntag für Münster und Umgebung eine Unwetterwarnung der höchsten Stufe herausgegeben. Während einige Orte weitgehend verschont blieben, gab es etwa allein in Telgte (Kreis Warendorf) 90 Feuerwehreinsätze. Montag ist die Unwettergefahr erneut hoch. [Mit Video]

Montag, 10.08.2020, 12:24 Uhr aktualisiert: 11.08.2020, 17:41 Uhr
Hitze und Blitze im Münsterland: Nach dem Unwetter ist vor dem Unwetter
In Ahlen schlug am Sonntagabend ein Blitz in ein Haus ein. Foto: Christian Wolff

In ein tiefes Dunkelrot waren weite Teile des Münsterlands am Sonntag auf der Warnkarte des Deutschen Wetterdienstes (DWD) getaucht. Der DWD hatte eine Warnung der vierten und damit höchsten Stufe vor extremen Gewittern herausgegeben.

Während einige Orte von den Unwettern weitgehend verschont blieben, gab es etwa im Kreis Warendorf etliche Schäden: Blitzeinschlag in Ahlen , Stromausfall in Neubeckum, geflutete Keller in Sendenhorst und allein 90 Einsätze in Telgte . Die höchste Regenmenge maß der DWD in Ennigerloh mit über 49 Litern pro Quadratmeter in 24 Stunden. Die Feuerwehrleute im Kreis hatten alle Hände voll zu tun. Auch in Münster schlug der Blitz ein, ein Dachstuhl in Wolbeck fing dabei Feuer.

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In Telgte waren am Sonntagabend viele Straßen überschwemmt. Foto: privat


Und auch für Montag rechnet der Deutsche Wetterdienst wieder mit lokalen Unwettern in Nordrhein-Westfalen. Die ersten Schauer und Gewitter werden am Nachmittag im Bergland erwartet, später auch in niedrigeren Regionen. Möglich sei dabei wieder Starkregen, bei dem über 40 Liter Regen pro Quadratmeter fallen können. Auch Hagel und schwere Sturmböen sind laut DWD möglich.

Hitze-Mythen auf dem Prüfstand: Von Mittagshitze und Zugluft

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  • Hochsommer, Deutschland schwitzt bei Temperaturen weit jenseits der 30-Grad-Marke. Weil es so heiß ist, gilt es im Alltag vieles zu beachten: Mehr zu trinken zum Beispiel wird empfohlen, und die Blumen besser morgens als nachmittags zu gießen. Manche Weisheit entpuppt sich allerdings als Mythos. Ein Faktencheck.

    Foto: Patrick Seeger
  • Stimmt es eigentlich, dass . . .

    . . . es mittags am heißesten ist?

    Fragt man beim Deutschen Wetterdienst nach der „Mittagshitze“, ist die Antwort klar: „Das ist kein meteorologischer Begriff“, sagt Sprecher Andreas Friedrich. Hitze sei streng genommen alles über 30 Grad, entsprechend könne es mittags auch mal Hitze geben. Die eine „Mittagshitze“ gebe es aber nicht. Die Messstationen registrierten den heißesten Zeitpunkt des Tages in der Regel zwischen 16 und 17 Uhr. Dann hat die Sonne den Boden maximal erwärmt, mit sinkendem Sonnenstand fallen anschließend die Temperaturen wieder. Man könnte also eher von einer „Feierabendhitze“ sprechen.

    Foto: Bodo Marks
  • . . . man abends nicht joggen gehen sollte?

    Jein. Hintergrund für diese gelegentlich ausgesprochene Empfehlung sind hohe Ozonwerte in der Luft. Das farblose, giftige Gas kann die Atemwege reizen, erläutert das Umweltbundesamt. Da die Werte im Sommer meist am Nachmittag am höchsten sind, rät die Behörde zum Beispiel Asthmatikern, zu dieser Tageszeit körperliche Aktivitäten im Freien zu vermeiden. Bei gesunden Menschen hält es Prof. Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule in Köln so: Wer kann, geht besser schon früh morgens joggen. Und wer das nicht kann, joggt besser am Abend als gar nicht. Nur herumzusitzen sei gefährlicher, sagt er.

    Foto: fotolia
  • . . . Zugluft schädlich ist?

    Wenn Luft über verschwitzte Haut streift, entsteht Verdunstungskälte. Die Körperoberfläche wird also gekühlt. Das ist bei Hitze erst mal angenehm. Allerdings kann sich dadurch die darunterliegende Muskulatur verspannen, erklärt Hans Michael Mühlenfeld, Vorsitzender des Hausärzteverbandes Bremen. Mögliche Folgen sind ein steifer Nacken oder auch Kopfschmerzen. Alternativ kühlen feuchte Lappen oder Fußbäder, empfiehlt Sabine Gehrke-Beck, Allgemeinmedizinerin an der Berliner Charité.

    Foto: Erwin Wodicka
  • . . . man beim Blumengießen kein Wasser auf die Blätter gießen soll?

    Es heißt zwar, dass Wassertropfen auf den Pflanzen in der Sonne wie Brenngläser wirken – die Blätter verbrennen also eher, wenn man das Gießwasser über sie gießt. Isabelle Van Groeningen von der Königlichen Gartenakademie in Berlin sagt jedoch: „Ich halte den Tipp für übertrieben. Den meisten Pflanzen macht das nichts aus.“ Nur jene mit wolligen und filzigen Blättern wie der Wollziest litten darunter – „sie sind dafür konzipiert, in Trockenheit zu leben.“

    Foto: colourbox
  • . . . Smartphones unter der Hitze leiden?

    Kann sein. Manches Smartphone mag Sonnenstrahlung und Hitze gut überstehen, bei anderen kommt es zu Beeinträchtigungen – zum Beispiel am Akku, der laut dem TÜV Süd schon ab einer Temperatur von 35 Grad Schaden nehmen kann. Das äußert sich in geringerer Leistung, kürzerer Lebensdauer, Kurzschlüssen oder – schlimmstenfalls – durch einen Akkubrand. Auch die Pixel im Display können durch Hitze und direkte Sonneneinstrahlung Schaden nehmen. Die Folgen sind dann zum Beispiel Darstellungsstörungen oder blinde Flecken. Moderne Smartphones schalten sich bei zu großer Hitze auch von selbst ab oder zeigen einen Hinweis an – spätestens dann gehört das Gerät in den Schatten.

    Foto: colourbox

So geht es mit dem Wetter weiter

Hoch „Emil“ habe sich sich über Nordeuropa ausgebreitet und sorge dafür, dass atlantische Tiefausläufer keine Chance haben, nach Deutschland zu gelangen, so ein DWD-Meteorologe. Durch die Überhitzung der Landfläche habe sich jedoch eine schwache Tiefdruckrinne („Heike“) gebildet, entlang derer sich einzelne kräftige Hitzegewitter entwickeln.

Wie so oft bei solchen Lagen, kann es passieren, dass an einer Stelle Unmengen an Regen fallen und es ein paar Kilometer weiter trocken bleibt.

Deutscher Wetterdienst

 „Wie so oft bei solchen Lagen, kann es passieren, dass an einer Stelle Unmengen an Regen fallen und es ein paar Kilometer weiter trocken bleibt“, erklärt der Wetterdienst die derzeitige Lage. Deshalb sei auch in den nächsten Tagen immer wieder lokal mit Starkregen und Gewittern zu rechnen.

Warnung vor Hitze

Doch das ist nicht die einzige Gefahr, die in diesen Tagen vom Wetter ausgeht.

Video in Kooperation mit dem WDR:

Die Notfall-Informations- und Nachrichten-App „Nina“ des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe hat für Dienstag eine Warnung vor extremer Hitze herausgegeben, die das gesamte Münsterland mit Ausnahme des Kreises Warendorf betrifft. 

Sieben Tipps für heiße Tage

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  • Endlich richtig Sommer! Doch die Hitze hat auch ihre Schattenseiten und kann Menschen, Tieren, Pflanzen und Geräten schaden. Zum Glück lässt sich vorsorgen. Sieben Tipps, um gut durch die heißen Tage zu kommen:

    Foto: Roberto Pfeil/dpa
  • Sonnenschutz: Die Haut braucht bei viel Sonne besonders viel Schutz. Das bedeutet: eincremen. Ein 1,80 Meter großer Erwachsener benötigt etwas mehr als drei Esslöffel Sonnencreme, um seinen ganzen Körper richtig einzucremen. Das sind gut 40 Milliliter. Wichtig: Auch im Schatten den Schutz auftragen. Außerdem gilt: Den Kopf bedecken und eine Sonnenbrille tragen.

    Foto: Christin Klose/dpa-tmn
  • Durstige Pflanzen: Im Garten oder auf dem Balkon sollte man jetzt regelmäßig gießen. Und zwar am besten, wenn es etwas kühler ist, also früh am Morgen oder am Abend. Grund: In der Mittagszeit verdunstet das Wasser schneller, als dass es die Pflanzen aufnehmen können, erklärt das Umweltbundesamt.

    Foto: Sebastian Gollnow/dpa
  • Gefahr beim Gassigehen: Überhitzter Asphalt kann bei Hunden zu Brandblasen oder geschwollener Haut führen. Ab wann der Asphalt zu heiß ist, zeigt die Sieben-Sekunden-Regel: Hundebesitzer legen sieben Sekunden lang den Handrücken auf den Asphalt. Ist dieser zu heiß für die Hand, gilt das auch für den Hund, so die Tierschutzorganisation Vier Pfoten. Ausflüge deshalb in kühle Morgen- oder Abendstunden legen. Für willkommene Erfrischung sorgt eine Art Hundeeis: Dafür Quark mit Obst mischen und in Hundespielzeug mit Hohlraum einfrieren, rät der Tierschutzbund. Weil der Hund den Quark nur nach und nach aus dem sogenannten Kong schlecken kann, verhindert man, dass die eiskalte Erfrischung als Eisklumpen im Hundemagen landet.

    Foto: Eduardo Parra/EUROPA PRESS/dpa
  • Feuchte Tücher über den Tierkäfig: Das sorgt bei Vögeln und Nagern für Abkühlung. Bei Vögeln kann man auch mit einer Sprühflasche feinen Wassernebel in den Käfig sprühen. Dabei sollte jedoch darauf geachtet werden, dass der Vogel selbst entscheiden kann, ob er nass werden möchte oder nicht, so der Bund Deutscher Tierfreunde (BDT).

    Foto: Christin Klose/dpa-tmn
  • Smartphones in die Tasche: Große Hitze macht modernen Geräten zu schaffen und könnte die Leistung des Akkus dauerhaft schmälern. Wer draußen unterwegs ist, sollte sein Smartphone nicht länger direkter Sonnenstrahlung aussetzen und es öfters mal in die Tasche stecken. Eine Schutzhülle könnte zu einem Wärmestau führen. Bei hohen Temperaturen nimmt man das Gerät lieber aus der Hülle.

    Foto: Caroline Seidel/dpa
  • Klimaanlage nicht zu kalt: Ist es draußen heiß, sollte das Auto nicht zum Kühlschrank werden. Der Kreislauf könnte ansonsten nach dem Aussteigen Probleme machen. Die Faustregel: Nicht mehr als sechs Grad Unterschied zwischen Außen- und Innentemperatur. Dazu rät der Auto Club Europa (ACE). Kinder und Tiere sollte man niemals im in der Sonne geparkten Auto zurücklassen. Der Innenraum kann sich zur Hitzefalle entwickeln - Lebensgefahr droht.

    Foto: Christin Klose/dpa-tmn
  • Nachts Fenster auf: An heißen Tagen lohnt sich Lüften immer dann, wenn es draußen kühler ist als drinnen. Auch in Hitzeperioden wird es nachts und am frühen Morgen kühl genug dafür. Dennoch sollte man sich nicht auf seinen subjektiven Eindruck verlassen, sondern lieber die Außen- und Innentemperatur mit einem Thermometer checken, rät die Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern.

    Foto: Christin Klose/dpa-tmn
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