28-Jähriger aus Iran beginnt Ausbildung in der Helios-Klinik
Studium ist sein großer Wunsch

Lengerich -

In seiner Heimat im Iran hat er studiert, als Notfallsanitäter und Krankenpfleger gearbeitet. Nun beginnt Ehsan eine Ausbildung zum Pflegefachmann in der Helios-Klinik. Der 28-Jährige erzählt von seinem schwierigen Weg dorthin und von seinen Zukunftsplänen.

Sonntag, 02.08.2020, 21:36 Uhr aktualisiert: 03.08.2020, 16:44 Uhr
Ehsan gefällt es, im Krankenhaus zu arbeiten. Er würde gerne Medizin studieren.
Ehsan gefällt es, im Krankenhaus zu arbeiten. Er würde gerne Medizin studieren. Foto: Michael Baar

Die Augen von Ehsan K.* strahlen, wenn er davon spricht, das er ab 1. September in der Helios-Klinik eine Ausbildung zum Pflegefachmann beginnt. Im Gespräch mit den WN gibt es aber immer wieder Momente, in denen der 28-Jährige verstummt. Dann gehen seine Gedanken zu seiner Familie, die im Iran lebt. Seit über drei Jahren hat er sie nicht mehr gesehen.

Freiwillig ist die Trennung nicht erfolgt. Ehsan K. war sehr kritisch gegenüber dem Mullah-Regime eingestellt. „Es gibt dort keine Freiheit“, fasst er die Situation in wenigen Worten zusammen. Ihm sei am Ende nur die Flucht geblieben. „Sonst hätte mir Gefängnis gedroht, möglicherweise sogar die Todesstrafe“, kommt es leise über seine Lippen.

Angst um seine Familie habe er nicht. Das beteuert er mehrfach. In seiner Heimat hat er studiert, als Notfallsanitäter und Krankenpfleger gearbeitet. „Der medizinische Bereich hat mir immer Spaß gemacht“, sagt er mit einem Lächeln. Menschen zu helfen, das finde er gut. Was er damals noch nicht weiß, diese Ausbildung und seine Einstellung helfen ihm, als er aus dem Iran flüchten muss.

Ehsan K. flüchtet im März 2017 nach Frankreich. „Da war ich nur ein paar Tage.“ Den Grund dafür, dass er nach Deutschland weiterzieht, in Essen einen Asylantrag stellt, räumt er unumwunden ein: „Ich habe mich in Frankreich nicht sicher gefühlt, hatte Angst, ausgewiesen zu werden. Deutschland ist nach meinem Gefühl ein sicheres Land.“

Ich habe gezeigt, was ich kann und die haben mir vertraut.

Ehsan K.

Einen Monat lebt er in Essen-Werden in einer Asylbewerberunterkunft, wird dann nach Neuss geschickt. Sieben Monate später, im Oktober 2017, die Zuweisung nach Lengerich. „Ich kam ganz allein in die Stadt, das war sehr, sehr schwer“, berichtet er über seine Ankunft. Das ändert sich schnell, als er Kontakt zur evangelischen Kirchengemeinde aufnimmt und dort Ute Miensopust kennenlernt. Die ehemalige Vorsitzende der Mitarbeitervertretung der Helios-Klinik rät ihm, sich ans Krankenhaus zu wenden.

Er stellt sich vor, darf als Stationsassistent helfen. Patienten-Transport, Handreichungen bei der Gastroenterologie machen, „halt alles, was mit der Aufnahme von Patienten zu tun hat“. Was den 28-Jährigen glücklich macht, beschreibt er so: „Ich habe gezeigt, was ich kann und die haben mir vertraut.“ Ehsan K. hat derart überzeugt, dass er jetzt einen Ausbildungsplatz angeboten bekommen hat.

Auf die dreijährige Ausbildung freut er sich. Ob seine Zeugnisse aus dem Iran in Deutschland anerkannt werden? Er hat Zweifel. Das Zertifikat als Notfallsanitäter eher als das als Krankenpfleger, wagt er eine vorsichtige Einschätzung. Doch das helfe ihm nicht wirklich. „Es gefällt mir, im Krankenhaus zu arbeiten“, hat er eine klare Präferenz. Deshalb würde er auch gerne über seine Lehrzeit hinaus in der Helios-Klinik bleiben. Das Aus für seinen großen Wunsch muss das nicht bedeuten. „Ich würde gerne Medizin studieren“, wird seine Stimme wieder leiser.

In Lengerich fühlt er sich voll integriert. Was nicht nur an seinen guten Deutschkenntnissen liegt. „Fußball ist mein Hobby“, sagt er. Folgerichtig nur, dass er bei den Preußen kickt, als Außenverteidiger eingesetzt wird.

Doch dann sieht man seinem Gesicht an, dass er wieder an seine Eltern, die Familie denkt. Kontakt hält Ehsan K. via Skype. Nach seiner Flucht sei die Polizei mehrfach bei seinen Eltern gewesen, um ihn zu suchen. „Denen fiel der Abschied nicht leicht, aber sie haben meine Situation verstanden“, erzählt er. Eigentlich wollte der 28-Jährige seine Familie in diesem Jahr wiedersehen. Nicht im Iran – „dorthin kann ich nicht ohne Gefahr reisen“ –, sondern in der Türkei. „Die Planung stand schon“, muss er kurz schlucken. Doch Covid-Sars-2 hat diese Pläne durchkreuzt. Vorläufig. Ehsan K. hofft, dass es zum Jahresende hin was werden könnte mit dem Wiedersehen am Bosporus.

* Mit Rücksicht auf die Sicherheit seiner Familie im Iran nennen die WN nicht seinen Nachnamen.

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