Erste westfälische Jugendstudie
Von regionaler Nestflucht keine Spur

Münsterland -

Wie tickt die Jugend in Westfalen? Wie steht sie zu ihrer Heimat, mit welchen Zukunftsplänen beschäftigt sie sich? Antworten darauf gibt eine erste große Jugendstudie, in der 800 junge Leute Rede und Antwort gestanden haben.

Mittwoch, 08.07.2020, 20:38 Uhr aktualisiert: 08.07.2020, 20:59 Uhr
Viele junge Leute fühlen sich in Westfalen pudelwohl.
Viele junge Leute fühlen sich in Westfalen pudelwohl. Foto: Münsterland e.V./Philipp Fölti

Diese Jugendstudie ist gleich in zwei­facher Hinsicht ein „Politikum“: Zum einen geben ihre Ergebnisse der Regionalpolitik durchaus Hausaufgaben für die Zukunftsgestaltung mit auf den Weg; zum anderen belegt allein deren Existenz, dass es zwischen den westfälischen Teilregionen Münsterland, OWL und Südwestfalen doch tatsächlich zu intensiver projektbezogener Zusammenarbeit kommen kann. Wer hätte das gedacht . . .

 Zu dieser Premiere selbst: Im Sommer vergangenen Jahres ließen die drei Regionalmarketing-Agenturen ins­gesamt 779 junge Leute im Alter zwischen 16 und 26 Jahren online befragen; die jungen Leute gehen entweder noch zur Schule, studieren oder sind bereits berufs­tätig. Darauf aufbauend kamen dann in diesem Frühjahr ­zusätzlich 18 Personen noch einmal persönlich zu Wort.

Zufrieden und heimatverbunden

„Die Regionen in Westfalen ähneln sich in vielerlei Hinsicht; da liegt es doch nahe, Wissen und Ressourcen zu bündeln, um für vergleichbare Herausforderungen neue Erkenntnisse und Lösungsansätze zu suchen und zu finden“, skizziert Klaus Ehling, Vorstand von Münsterland e. V., den poli­tischen Antrieb für dieses ­erste gemeinsame Projekt. „Nicht zuletzt gewinnt unser gemeinsames Wort so auch an Gewicht gegenüber Dritten.“

Neben der starken familiären und sozialen Bindung sowie der Heimatverbundenheit spiegelt die Studie auch einen optimistischen Blick der jungen Leute auf ihre berufliche Zukunft wider: Sie vertrauen darauf, in der Region eine Auswahl zwischen verschiedenen Ar­beitsstellen zu haben.

Alternative Mobilitätskonzepte

Für eine Ausbildung oder ein Studium würden sie ihre Heimat gerne verlassen, auch um neue Eindrücke zu sammeln, um dann aber wieder umso zufriedener in ihre Region zurückzukehren. Sie würden Westfalen ei­gentlich nur dann verlassen wollen, wenn der Lebenspartner woanders zu Hause wäre.

Zur Erreichung ihrer Lebensziele bräuchte es allerdings alternative Mobilitätskonzepte; der Ruf nach Alternativen zum motorisierten Individualverkehr ist unüberhörbar. Negativerfahrungen trüben die Aussicht, berufliche Perspektiven in der Region auch tatsächlich verwirklichen zu können.

Prof. Dr. Mathias Albert, Politologe an der Uni Bielefeld, sieht in der Studie keine Tendenz für eine „regionale Nestflucht“ junger Leute, die neben einer lebensweltlichen Geborgenheit im Rahmen von Familie und Freunden eben auch ihre berufliche Zukunft in diesem Nahraum suchten. „Politik und Wirtschaft sind nun gefordert, dass die hier vorhandenen Bleibeabsichten auch realisiert werden können.“

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