Junge Köchin mit besonderer Geschichte
Der Erfolg ist hart erarbeitet

Lengerich -

In ihrer Heimat Malaga in Südspanien sah Graciele Viraococha Gallegos kaum Chancen, einen guten Job zu finden. Über das Projekt „MobiPro-EU“ kam sie in den Gasthof Prigge in Lengerich. Jetzt hat die junge Frau die Prüfung als Köchin bestanden.

Samstag, 04.07.2020, 06:17 Uhr aktualisiert: 04.07.2020, 06:20 Uhr
Graciela Viracocha Gallegos kam vor vier Jahren aus Malaga nach Wechte, um Köchin zu werden. Sie hat ihr Ziel erreicht.
Graciela Viracocha Gallegos kam vor vier Jahren aus Malaga nach Wechte, um Köchin zu werden. Sie hat ihr Ziel erreicht. Foto: Gasthof Prigge/Akademie Talaue

Vor ziemlich genau vier Jahren, am 1. Juli 2016, kam Graciela Viracocha Gallegos in Wechte an. Auf die heute 23-Jährige wartete ein Abenteuer, das ihr einiges abverlangen sollte: Sie wollte Köchin lernen in einem Land, das ihr fremd war, dessen Sprache sie nicht beherrschte, wo sie niemanden kannte und wo das Wetter „kalt ist“, wie sie mit einem breiten Lächeln erzählt. Sie bestand diese Prüfung – und das mit guten Noten.

Ein erhebliches Stück zu all dem beigetragen hat Christina Dikomey. Die Inhaberin vom Gasthof Prigge/Akademie Talaue war seinerzeit auf der Suche nach Auszubildenden. Da die in der heimischen Region nur schwer zu bekommen waren, machte sie mit beim Projekt „MobiPro-EU“ von Bund und Bundesagentur für Arbeit, dessen Ziel es war, Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus EU-Staaten eine Ausbildung in Deutschland zu ermöglichen.

Hohe Jugendarbeitslosigkeit in Südspanien

Etwa 2500 Kilometer entfernt, im südspanischen Malaga, sah Graciela Viracocha Gallegos nach ihrem Abitur kaum Chancen, einen guten Job zu finden. Die Jugendarbeitslosigkeit sei im Land sehr hoch, benennt sie den Grund, warum sie Familie und Freunde verließ, um einen Neustart in Wechte zu wagen. Über die Schule erfuhr sie von „MobiPro“ – und kam so in Kontakt mit Christina Dikomey.

Die erhielt in der Folge natürlich auch eine Bewerbung aus Malaga, aber direkten Kontakt gab es zunächst einmal nicht. Das änderte sich am 1. Juli 2016. Um beiden Seiten eine Kennenlern-Phase zu bieten, wurde vor der Ausbildung ein fünfwöchiges Praktikum eingeschoben. Danach kehrte die Ecuadorianerin – ihre Familie kam aus Südamerika nach Spanien, als Graciela fünf war – zunächst wieder heim. Sie hatte nun Bedenkzeit, ob sie den Schritt nach Deutschland wirklich wagen sollte.

Graciela ist sehr ehrgeizig, motiviert und pfiffig.

Christina Dikomey, Inhaberin des Gasthof Prigge

Für Christina Dikomey war die Sache schnell klar: „Graciela ist sehr ehrgeizig, motiviert und pfiffig“, hatte sie festgestellt. Und da sie ein junges Team im Haus hat, aus dem zwei Mitarbeiterinnen sogar Spanisch sprechen, glaubte sie, dass der Zuwachs aus dem sonnigen Süden bei Prigge hineinpassen und sich auf Dauer zurecht finden würde.

Zurück in Malaga wurde Graciela Viracocha Gallegos gefragt, ob sie wirklich weggehen wolle. Ohne Zweifel war sie nicht, sagte aber trotzdem zu und fing am 1. September ihre dreijährige Lehrzeit an.

Gerade die erste Zeit sei schwierig gewesen, erzählen Graciela Viracocha Gallegos und Christina Dikomey: Heimweh in Kombination mit den noch fehlenden Sprachkenntnissen – gerade in der Berufsschule sei das ein Problem gewesen – führten dazu, dass die 23-Jährige ihre Entscheidung „viele Mal bereute“.

Von großem Vorteil war, dass sie vor Ort wohnen konnte und so bei den Dikomeys auch Familienanschluss hatte. „So konnten wir sie emotional auffangen“, sagt Christina Dikomey. Parallel entwickelten sich Freundschaften mit den Kollegen, der Sprachunterricht machte sich zunehmend bezahlt und die Fremde wurde immer bekannter (zu einem ihrer Lieblingsgerichte haben sich Rouladen entwickelt).

Unbefristeter Arbeitsvertrag nach der Abschlussprüfung

Nach drei Jahren machte Graciela Viracocha Gallegos ihren Abschluss. Sie hat einen unbefristeten Vertrag im Gasthof und ist froh, den Schritt von Malaga nach Wechte gemacht zu haben. Erst einmal möchte sie auch noch dort bleiben, um dann irgendwann in einer großen Stadt wie Hamburg oder Stuttgart zu arbeiten.

Rezept

Graciela Viracocha Gallegos stellt an dieser Stelle eines ihrer Lieblingsrezepte vor: Spargel-Tortilla mit Limetten-Aioli (für vier Personen)

Spargel-Tortilla
750 g grüner und/oder weißer Spargel
3 Frühlingszwiebeln
300 g festkochende Kartoffeln
4 Esslöffel Olivenöl
Salz, Pfeffer
8 Eier
100 ml Gemüsebrühe oder Spargelwasser
1. Spargel waschen, schälen und Enden abschneiden. Spargel in drei Zentimeter lange Stücke schneiden. Frühlingszwiebeln waschen, putzen und in Ringe schneiden. Kartoffeln schälen, in Stücke schneiden.
2. In einer Pfanne (bis 22 Zentimeter Durchmesser) das Öl erhitzen. Spargel und Frühlingszwiebeln darin fünf Minuten braten. Die Kartoffeln zufügen. Hitze reduzieren, fünf Minuten weiterbraten, salzen und pfeffern.
3. Eier und Brühe verquirlen mit Salz und Pfeffer kräftig würzen, über die Tortilla gießen, Spargelspitzen obenauf legen. Halb zugedeckt bei kleiner Hitze in etwa 20 Minuten garen bis die Masse gestockt ist.

Limetten-Aioli
2 Limetten
2 Knoblauchzehe
250 g Mayonnaise (80 Prozent)
100 ml saure Sahne
2 EL Olivenöl
Salz, Pfeffer
Zuerst die Mayonnaise mit saurer Sahne und Olivenöl glatt rühren. Anschließend die Limetten auspressen. Die Knoblauchzehen schälen und auspressen oder in kleine Stücke schneiden. Beide Zutaten zu der Mayonnaise geben und mit Salz und Pfeffer abschmecken.
Beilagensalat: Blattsalat, Gurkensalat oder Tomatensalat.

...

Dass all das nicht selbstverständlich ist, macht Christina Dikomey mit einigen Zahlen deutlich: In der Region habe es 31 „MobiPro-EU“-Praktikanten gegeben. 25 hätten eine Ausbildung begonnen. 13 hätten sie abgebrochen, um heimzukehren, drei hätten in Deutschland den Job gewechselt. Neun hielten bis zur Prüfung durch – Graciela gehörte zu ihnen.

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