Barbara Markaj hilft Menschen, deren Träume geplatzt sind
Ein Lächeln als Dankeschön

Lengerich -

Die Träume von Arbeit und Geld verdienen in Deutschland platzen schnell wie eine Seifenblase. Dann kommt Barbara Markaj ins Spiel. Die Mitarbeiterin des Vereins Lernen fördern betreut seit Jahren Arbeitsmigranten bei Problemen im Alltag. In den vergangenen zwei, drei Jahren sind es zunehmend Werkarbeiter aus Fleischfabriken geworden.

Freitag, 03.07.2020, 06:17 Uhr aktualisiert: 03.07.2020, 06:20 Uhr
Barbara Markaj an ihrem Schreibtisch bei Lernen fördern im Gespräch mit einer Klientin, Corona-bedingt getrennt durch eine transparente Wand.
Barbara Markaj an ihrem Schreibtisch bei Lernen fördern im Gespräch mit einer Klientin, Corona-bedingt getrennt durch eine transparente Wand. Foto: Michael Baar

Hilfe bei der Wohnungssuche, Vermittlung der deutschen Sprache, damit die Klienten im Alltag zurechtkommen, Probleme mit dem Arbeitgeber – für Barbara Markaj ist das Alltag. Seit sieben, acht Jahren hilft sie Menschen, die nach Deutschland gekommen sind, weil sie sich davon dort ein besseres Leben – insbesondere Arbeit – versprechen. Nicht wenige von ihnen scheitern dabei.

„Zunehmend sind es Personen, die in der Fleischindustrie arbeiten“, sagt die pädagogische Fachkraft des Vereins Lernen fördern. Eine Entwicklung, die vor zwei, drei Jahren eingesetzt habe. Keine oder gekündigte Arbeitsverträge, Wohnungsverlust – die Probleme seien drängender geworden, berichtet sie im Gespräch mit den Westfälischen Nachrichten.

Keine Arbeitsverträge, Wohnungsverlust – die Probleme sind drängender geworden.

Barbara Markaj

In der Regel kommen die Klienten mit einem Gutschein der Arbeitsagentur in das Haus an der Bahnhofstraße 108. Gültig für sechs Monate. Wenig Zeit, in denen Barbara Markaj dennoch viel bewegen will. „Die Teilnehmer sind sehr dankbar, zugleich aber verunsichert, haben wenig Vertrauen, wirken rast- und orientierungslos“, beschreibt sie ihre Beobachtungen. Es fehle einfach eine Zielvorstellung für das eigene Leben.

Dabei entdecke sie immer wieder eine Gemeinsamkeit bei den Menschen. „Die kommen mit der Vision nach Deutschland, zu arbeiten, gutes Geld zu verdienen und etwas aufzubauen.“ Die Realität sehe dann ganz anders aus. Geradezu hoffnungslos, wenn die Arbeitsstelle gekündigt wird, der Gang zur Arbeitsagentur ansteht.

Kaum ein Arbeitsmigrant kennt seine Rechte

Fehlende Papiere des ehemaligen Arbeitgebers, seien es Lohnabrechnungen oder eine schriftliche Kündigung, stürzen die Betroffenen in eine Krise. „Dass sie einen Anspruch auf diese Papiere haben, der Arbeitgeber dazu verpflichtet ist – wir müssen ihnen helfen, das durchzusetzen“, erläutert Katrin Eilers. Deshalb sei die Vermittlung deutscher Sprachkenntnisse unerlässlich, verdeutlicht die Leiterin der Einrichtung.

Neben der direkten Hilfe arbeitet das Team von Lernen fördern daran, Netzwerke zu knüpfen. „Wir bemühen uns in Zusammenarbeit mit den Kindertagesstätten und Schulen, schon dort bei Kindern mögliche Probleme zu erkennen und dann anzusetzen“, sagt Katrin Eilers. Keine einfache Aufgabe, „aber es ist so schön, wenn es klappt und wir dann Dankbarkeit erfahren“, fügt sie hinzu.

Bei den Menschen das Bewusstsein wecken für das, was nicht sein darf und dass es andere Möglichkeiten gibt – darauf ziele die Arbeit ab. Doch Hindernisse gebe es auch von anderer Seite. Immer wieder fühlt sich Barbara Markaj frustriert, wenn sie bei der Suche nach einer Wohnung als erstes mit der Frage konfrontiert wird, welche Nationalität die Menschen haben. „Da wird die Herkunft überbewertet, das kann es nicht sein, es geht doch um Menschen“, sagt sie. Eine Besichtigung biete doch immer die Möglichkeit, jemanden persönlich kennenzulernen. Das sei doch entscheidend.

Ähnlich sei es bei der Vermittlung von Praktika oder einer Ausbildungsstelle. „Für viele wäre das der Fuß in die Tür zum Arbeitsmarkt“, weiß Katrin Eilers aus Erfahrung. 

Verbot von Werkarbeitsverträgen? Wir werden diese Klientel weiter auffangen müssen.

Barbara Markaj

In der eigenen Holz- und Metallwerkstatt von Lernen fördern in Lengerich würde mancher Teilnehmer geradezu auftauen, weil er mit seinen Händen etwas schaffen kann.

Sollte das durch die Turbulenzen in den vergangenen Wochen angekündigte Verbot von Werkarbeiterverträgen wirklich kommen, haben Barbara Markaj und Katrin Eilers keine allzu großen Erwartungen daran. „Wir werden diese Klientel weiter auffangen müssen“, sind sie sicher. Und freuen sich zugleich darauf, wieder mal ein Lächeln als Dank für ihren Einsatz zu erhalten.

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