Kampf für die Rechte von (verhinderten) Reisenden
„Die Leute brauchen jeden Cent“

Lüdinghausen -

Vor Corona waren es Flugumleitungen, überbuchte Flüge, Verspätungen, einzelne Annullierungen oder eine verweigerte Beförderung, die (verhinderte) Passagiere dazu brachten, einen Anwalt oder einen Dienstleister wie „Passenger friends“ einzuschalten. Jetzt hat das Lüdinghauser Unternehmen andere Anfragen . . .

Donnerstag, 02.07.2020, 12:00 Uhr aktualisiert: 02.07.2020, 15:01 Uhr
Auf diesem Foto hat Kristin Linde ihren letzten Azubitag. Peter Finke, Geschäftsführer von „Passenger friends“ hat sie übernommen.
Auf diesem Foto hat Kristin Linde ihren letzten Azubitag. Peter Finke, Geschäftsführer von „Passenger friends“ hat sie übernommen. Foto: Bettina Laerbusch

Vor fünf Jahren hat sich Peter Finke selbstständig gemacht, seit eineinhalb Jahren ist seine Firma in der Mühlenstraße beheimat. Wobei: Sie könnte überall sein, das Geschäft läuft übers Telefon und digital. Doch Finke ist Lüdinghauser. Er wollte auch etwas für seine Stadt tun. 15 Arbeitsplätze hat er geschaffen. „Am 18. März hab‘ ich Geburtstag – am 15. kam der Lockdown“, sagt er.

Gerade da, denkt der Laie, hätten die Telefone doch pausenlos klingeln müssen. Schließlich hilft „Passenger friends“ Kunden, deren Flug oder Reise storniert wurde, ihr Geld zurückzubekommen. Doch 14 Tage, erzählt Finke, der Geschäftsführer und Inhaber ist, habe gar nichts funktioniert. „Wie reagieren die Fluggesellschaften jetzt bei Ansprüchen?“ Niemand habe das gewusst.

Fehlende Planungssicherheit

Finke musste seinen Betrieb nicht komplett herunterfahren, wie etwa die gesamte Eventbranche oder der Einzelhandel, doch auch er beantragte Kurzarbeit für seine Mitarbeiter. Die Planungssicherheit, sagt er, fehle ihm bis heute: „Das Forderungsvolumen ist groß – aber keiner weiß, ob das Geld kommen wird“, bringt Finke am 30. Juni 2020 – dreieinhalb Monate nach dem Lockdown – auf den Punkt, dass die Kunden, deren Flüge storniert wurden, natürlich das Recht auf Erstattung haben. Doch das nutzt ihnen nicht viel, wenn die Airline, die sie befördern sollte, in Insolvenz gegangen ist oder das vielleicht noch tun wird. Werden die Menschen wieder fliegen? Und wenn ja, in welcher Größenordnung?, spricht Finke die Herausforderungen an, vor denen die Airlines aktuell stehen.

Corona-Regeln an deutschen Flughäfen

1/9
  • Nachdem der internationale Flugverkehr wegen Corona viele Wochen praktisch ruhte, nimmt das Reiseaufkommen langsam wieder zu. Also alles wieder wie früher? Tatsächlich läuft an den deutschen Flughäfen noch einiges anders. Passagiere sollten die Regeln kennen. Eine Auswahl.

    Foto: Andreas Arnold
  • Mund-Nasenschutzpflicht

    An den meisten Flughäfen gilt eine Mund-Nasenschutz-Pflicht für den gesamten Abfertigungsbereich. Dazu zählen die Terminalanlagen, Geschäfte, Restaurants und Transportmittel wie Busse. Kinder unter sechs Jahren und Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen keine Maske tragen können, sind allerdings von der Pflicht ausgenommen.

    Foto: Emilio Morenatti
  • Abstand halten

    Abstand zu anderen Menschen zu halten, ist natürlich auch am Flughafen sehr wichtig. Ob man sich nun an die «zwei Armlängen» der Bundespolizei oder die übliche 1,5-Meter-Regel hält, bleibt jedem selbst überlassen. In Bereichen wie dem Check-in, der Sicherheitskontrolle und der Gepäckausgabe erinnern Hinweisschilder und Markierungen daran, Abstand zu halten.

    Foto: Emilio Morenatti
  • Weniger Handgepäck

    Viele Billigfluggesellschaften haben die Zahl der kostenlos erlaubten Handgepäckstücke in den vergangenen Jahren ohnehin reduziert - aber längst nicht alle. Bei vielen Airlines ist es eigentlich möglich, etwa einen Handgepäck-Trolley und eine zusätzliche kleine Tasche mitzunehmen.

    Derzeit ist das aber anders: Einige Flughäfen und Fluggesellschaften haben auf Anordnung der Bundespolizei das Handgepäck streng limitiert. Für alle Passagiere gilt: nur ein Gepäckstück pro Person. Dadurch sollen die Wartezeiten an der Sicherheitskontrolle und beim Boarding, wenn viele Menschen auf engem Raum zusammenstehen, so kurz wie möglich sein. «Das soll die Ansteckungsgefahr verringern», erklärt Sandra Kraft, Sprecherin der Lufthansa.

    Foto: Christin Klose
  • Bei manchen Airlines wie Lufthansa und Eurowings kann ein weiteres Handgepäckstück jedoch kostenlos aufgegeben werden. «Es muss aber den Handgepäckregeln des jeweiligen Tarifs entsprechen», sagt Jannah Baldus, Sprecherin von Eurowings.

    Und falls man nicht ohne zwei Gepäckstücke kann? Am Düsseldorfer Flughafen darf das kleinere Gepäckstück zur Not auch im größeren verstaut werden, heißt es auf der  Webseite des Flughafens .

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Weniger Körperkontakt bei der Sicherheitskontrolle

    An Flughäfen, an denen die Bundespolizei für die Fluggast- und Gepäckkontrolle verantwortlich ist, laufen die Kontrollen etwas lockerer ab. Dadurch soll der Körperkontakt zwischen Personal und Passagieren reduziert werden. «Während der Sicherheitskontrolle darf man zum Beispiel Schutzhandschuhe und Schutzmasken tragen», sagt Verena Ballig, Sprecherin der Bundespolizei. Außerdem müssen Gürtel und Schuhe aktuell nicht mehr ausgezogen werden.

    Ansonsten gilt: Kleine Gegenstände, die man regelmäßig angefasst hat, ins Handgepäck oder in die Jackentaschen packen. Außerdem kann es vorkommen, dass man sein Hab und Gut selbst in der Kontrollwanne verstauen muss. Die Wannen werden regelmäßig desinfiziert.

    Außerdem wichtig: Zeit einplanen. Durch die Schutzmaßnahmen können die Kontrollen momentan etwas länger dauern.

    Foto: wam
  • Corona-Test am Flughafen

    Am Frankfurter Flughafen können Passagiere nun einen Corona-Test machen, um Quarantäne am Zielort zu vermeiden. Bis voraussichtlich Ende Juli 2021 soll der Test möglich sein.

    Foto: Boris Roessler
  • Weniger Gastronomie und Shopping

    Wer zu früh am Flughafen ist und die Zeit mit Shopping verbringen wollte, ist mitunter enttäuscht: Nicht alle Geschäfte haben wieder geöffnet. Außerdem haben manche der bereits geöffneten Läden ihre Öffnungszeiten verkürzt. Wer im Duty-free-Shop zuschlägt, sollte bargeldlos bezahlen.

    Essen und Trinken ist in den Terminals erlaubt. Allerdings sind auch noch nicht alle Restaurants und Snackbars wieder offen.

    Foto: Michael Kappeler
  • Verhalten nach der Ankunft

    Nach der Landung am Zielort und der Gepäckausgabe sollte man sich nicht länger als unbedingt nötig im Flughafen aufhalten. Darum bittet unter anderem die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg auf ihrer  Webseite . Wer einen ankommenden Fluggast in Empfang nehmen möchte, soll draußen vor dem Terminalgebäude warten.

    Foto: Marius Becker

Vor Corona waren es Flugumleitungen, überbuchte Flüge, Verspätungen, einzelne Annullierungen oder eine verweigerte Beförderung, die (verhinderte) Passagiere dazu brachten, einen Anwalt oder eben einen Dienstleister wie „Passenger friends“ einzuschalten.

Erfolgsbasiertes Arbeiten

Finke arbeitet erfolgsbasiert. Heißt: Bekommt sein Kunde Geld zurück, gehen 12,5 bis 36 Prozent davon an „Passenger friends“. Mit Anwälten arbeite er zusammen, auch, sagt er, mit 3500 Reisebüros.

Jetzt, in der neuen Zeit, sind es die massenhaften Stornierungen, die Finke und Team in erster Linie beschäftigen. „Geld statt Gutschein“ lautet zurzeit seine Devise. Er will Kunden helfen, an ihr Bares zu kommen. Viele Leuten brauchten jetzt jeden Cent – „und die Fluggesellschaften zahlen es nicht aus“. Da setzt Finke an – um damit dann auch Einnahmen für „Passenger friends“ zu generieren. Mit einer großen Unsicherheit müsse er leben – wie viele in 2020.

Fünf Auszubildende lernen gerade bei „Passenger friends“. Einer davon ist beziehungsweise war Kristin Linde. Sie hatte am 30. Juni ihren letzten Azubitag. Finke hat sie übernommen, als Leiterin Marketing.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7476846?categorypath=%2F2%2F62%2F798625%2F819239%2F
Die aktuellen Nachrichten zur Corona-Entwicklung im Münsterland
Liveticker: Die aktuellen Nachrichten zur Corona-Entwicklung im Münsterland
Nachrichten-Ticker