Beispiel aus der Beratungsarbeit
14-Jährige wird fertiggemacht

Gronau -

Nicht nur in der Schule, sondern auch im Internet wird Sophie gemobbt. So schlimm sind die Angriffe, dass die Schülerin sich aus Verzweiflung sogar selbst verletzt. Doch dann hilft ihr eine Beraterin der Diakonie.

Mittwoch, 01.07.2020, 17:00 Uhr aktualisiert: 06.07.2020, 18:38 Uhr
Kinder können grausam sein: Mobbingopfer werden manchmal bis zur Verzweiflung gepiesackt.
Kinder können grausam sein: Mobbingopfer werden manchmal bis zur Verzweiflung gepiesackt. Foto: Martin Kierstein

Ein Beispiel aus der Beratungsarbeit der Diakonie:

In der weiterführenden Schule sucht die 14-jährige Sophie (Name geändert) die monatliche Sprechstunde der Beratungsstelle auf. Die Schulsozialarbeiterin hatte ihr das Angebot gemacht, diese Unterstützung außerhalb der Schule in Anspruch zu nehmen. Zuvor hatte die Klassenlehrerin mehrfach das Gespräch mit der Schülerin gesucht, doch das junge Mädchen hatte sich sehr verschlossen gezeigt, sodass der Kontakt zur Schulsozialarbeiterin initiiert worden war.

In diesem ersten Gespräch ging es zunächst um das Aufzeigen von Möglichkeiten und Grenzen der psychologischen Beratung, ebenso wie um das Kennenlernen der Beratungssituation. Zudem konnte ein erster Eindruck von der Problematik der Schülerin gewonnen werden. Nach ein wenig Bedenkzeit entschied sich Sophie, regelmäßig die Beratungsstelle aufzusuchen. Sie vertraute sich zögerlich an und schilderte unter Tränen, in ihrer Klasse fertiggemacht zu werden – sowohl in der Schule, als auch im Netz. Sie beschrieb das Ausmaß und wie sehr sie unter der Situation leidet, dass sie sich teilweise selbst verletzt.

In den weiteren Gesprächen konnten die Sorgen und Nöte der Schülerin („Ich bin völlig allein“, „Keiner mag mich“, „Wie soll ich das bloß aushalten?“, „Ich darf Mama nicht noch mehr zur Last fallen“) sowie die familiären und sozialen Belastungen ermittelt werden. Das Mädchen lebt mit ihrer alleinerziehenden Mutter und der zehnjährigen Schwester in einer kleinen Wohnung. Zum Vater gibt es seit Jahren keinen Kontakt.

Es war nach kurzer Zeit möglich, die Mutter in den Prozess einzubeziehen und so gemeinsam nächste Schritte für die kleine Familie zu initiieren. Zum einen ging es um die Förderung von Vertrauen und Kommunikation zwischen Mutter und Tochter und die Überleitung zur Sozialberatung und zum anderen um die weitere Begleitung und Stärkung der Schülerin.

Es gelang, die Beziehung zur Mutter zu verbessern, aber vor allem war es möglich, Sophie darin zu unterstützen, sowohl in der Schule als auch privat Handlungsideen zu erarbeiten, wie es ihr besser gehen kann. Sie suchte weiter die Kontakte zur Schulsozialarbeiterin, die ebenfalls gezielte Interventionen in der Klasse einsetzte. Zudem fand sie für sich ein neues Hobby, das Turnen, und knüpfte dort neue Kontakte.

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