16-jähriger Westerkappelner sammelt Bilder von Aufzügen
Ein Faible für Fahrstühle

Westerkappeln -

Hendrik Sandmann hat ein ungewöhnliches Hobby – Gleichgesinnte jedenfalls findet er kaum: Der 16-Jährige aus Westerkappeln sammelt Fotos von Aufzügen. Wie kommt man auf sowas? Er hat es uns erzählt.

Samstag, 30.05.2020, 18:20 Uhr
Hendrik Sandmann sammelt Bilder von Aufzügen. 15 000 verschiedene Fahrstühle – darunter moderne und alte, schicke und klapprige – finden sich in seiner Sammlung. Dieses Foto entstand 2016 in einem Einkaufszentrum in Hamburg.
Hendrik Sandmann sammelt Bilder von Aufzügen. 15 000 verschiedene Fahrstühle – darunter moderne und alte, schicke und klapprige – finden sich in seiner Sammlung. Dieses Foto entstand 2016 in einem Einkaufszentrum in Hamburg. Foto: Privat

Ob es Briefmarken sind, Münzen, Schallplatten, Aufkleber, Schuhe oder Modellautos – viele Menschen können gar nicht anders: Sie heben Dinge auf, von denen sie besonders fasziniert sind. Auch Hendrik Sandmann hat so ein Hobby. Einen Sammler, der seine Leidenschaft teilt, hat der 16-Jährige aus Westerkappeln bislang aber noch nicht getroffen – so außergewöhnlich ist seine Lieblingsbeschäftigung. Hendrik sammelt Fotos von Aufzügen.

Genaugenommen sollten es drei Motive je Fahrstuhl sein: ein Bild vom Lift mit verschlossenen Türen, eines mit offener Kabine und eines vom Aufzugschild, das über technische Details wie die Traglast Auskunft gibt. Fotos von 15 000 verschiedenen Fahrstühlen aus aller Welt hat er auf einer Festplatte gespeichert. Ein kleiner Teil dieser Sammlung ist seit Kurzem auf seinem Internet-Blog zu sehen.

Begeisterung für Fahrstühle

„Fahrstühle sind mein Hobby, seit ich drei Jahre alt bin“, erzählt Hendrik, der die neunte Klasse besucht und ansonsten in seiner Freizeit am liebsten Musik hört. Hendrik wurde mit offenem Rücken geboren, seine Beine sind gelähmt. Bei vielen Gelegenheiten – vom Einkaufsbummel bis zum Krankenhausbesuch – ist er darauf angewiesen, dass ihn ein Fahrstuhl von Stockwerk zu Stockwerk bringt. Vor einigen Jahren war Barrierefreiheit alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Manche Orte waren für Hendrik schwer bis gar nicht zu erreichen. „Mittlerweile ist es aber eher selten ein Pro­blem“, sagt der 16-Jährige.

Mit seinen Eltern und seiner kleinen Schwester lebt er in einem Bungalow, alles ebenerdig. Wäre er in einem Hochhaus zu Hause und müsste täglich Fahrstuhl fahren, wäre Hendrik das aber ebenso recht. Am meisten begeistern ihn schnelle Aufzüge. Am Uni-Klinikum in Münster ist er innerhalb einer Minute vom Erdgeschoss in den 17. Stock gefahren. Das war für ihn bislang Rekord. Aber auch stecken geblieben ist er schon – zusammen mit seinem Opa in einem Parkhaus in Osnabrück. Nach etwa 20 Minuten wurden die beiden von einem Techniker befreit. Seine Begeisterung für Fahrstühle konnte dieses Erlebnis aber nicht bremsen.

Hobby spricht sich herum

Seit 2016 sammelt Hendrik. Einige Bilder hat er selbst gemacht, viele bekommt er von Freunden, Bekannten und Verwandten geschickt. Das Hobby hat sich längst rumgesprochen.

Angefangen hat es mit dem Personenaufzug eines Wohnhauses in Lippstadt. Auch Bilder von Lasten- oder Bettenaufzügen sammelt der 16-Jährige. Über weitere Exemplare freut er sich immer. Mit knappen Informationen zum Gebäude und dessen Standort speichert Hendrik die Fotos ab.

Außergewöhnliche Sammelleidenschaft

In seinem Blog erscheinen sie bunt durcheinandergewürfelt – alte und moderne, schicke und klapprige. Drei bis vier Stunden täglich verbringt der Schüler damit. „An den Wochenenden auch mal länger.“ Viele Hersteller erkennt er auf einen Blick. Die Technik der Fahrstühle interessiert Hendrik aber nur am Rande.

Seine außergewöhnliche Sammelleidenschaft führt der Jugendliche auch auf das Asperger-Syndrom zurück, das bei ihm diagnostiziert wurde – eine milde Variante des Autismus. Betroffene sammeln oft besondere Dinge oder eignen sich Spezialwissen an.

Sein großes Hobby hätte Hendrik gerne zum Beruf gemacht. Fahrstuhltechniker war lange sein Traumjob. Wegen seines Handicaps schwebt ihm jetzt eine Tätigkeit im Büro vor. Optimal wäre natürlich ein Unternehmen der Fahrstuhl-Branche.

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Bilder kann man ihm per E-Mail schicken: aufzugfotos@gmail.com

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