Anlieger scheitert mit seiner Klage gegen den Windpark Glandorf
Richterin zum Wohnen eingeladen

Lienen/Glandorf -

Georgios Pandalis arbeitet und lebt 770 Meter vom Park entfernt. Er hatte 2018 zunächst Widerspruch gegen den Genehmigungsbescheid des Landkreises für den Windpark eingelegt. Verwaltungsgericht wie Oberverwaltungsgericht lehnten eine aufschiebende Wirkung des Widerspruchs ab. Nun ist Pandalis auch im Hauptsacheverfahren gescheitert.

Sonntag, 24.05.2020, 19:03 Uhr aktualisiert: 25.05.2020, 18:58 Uhr
Der Windpark in Averfehrden ist bereits in Betrieb. Die Klage eines Anwohners ist gescheitert, zwei Verfahren sind noch offen.
Der Windpark in Averfehrden ist bereits in Betrieb. Die Klage eines Anwohners ist gescheitert, zwei Verfahren sind noch offen. Foto: Gert Westdörp

Wieder hat ein Anlieger erfolglos gegen einen Windpark vor seiner Haustür im Grenzgebiet von Lienen und Glandorf geklagt. Georgios Pandalis sieht vor allem seine Mitarbeiter durch den Infraschall gefährdet. Das Gericht hält die Gesundheitsgefahr für „nicht hinreichend wahrscheinlich“. Die Windräder drehen sich bereits.

In der Averfehrdener Wüste hat Betreiber Wöstenwind vier Windkraftanlagen errichtet. Jede über 200 Meter hoch. Die Rotorspitzen drehen sich mit einer Höchstgeschwindigkeit von 82 Metern pro Sekunde.

600 bis 800 Meter entfernt liegen 30 Gehöfte, wohnen Menschen, der nächste im Abstand von 603 Metern. Georgios Pandalis arbeitet und lebt 770 Meter vom Park entfernt. Er hatte 2018 zunächst Widerspruch gegen den Genehmigungsbescheid des Landkreises für den Windpark eingelegt. Verwaltungsgericht wie Oberverwaltungsgericht lehnten eine aufschiebende Wirkung des Widerspruchs ab. Nun ist Pandalis auch im Hauptsacheverfahren gescheitert.

Er hatte sowohl als Privatperson als auch für seine Mitarbeiter Klage eingereicht, die unter anderem die Gärten des Unternehmens der Firma Naturprodukte Dr. Pandalis am Füchtenweg biologisch bewirtschaften. In beiden Fällen sei er nicht klagebefugt, meint das Gericht. Als Arbeitgeber sei Pandalis nicht berechtigt, Rechte seiner Mitarbeiter geltend zu machen Als Anwohner habe er „nicht substantiiert vorgetragen und dargelegt“, am Füchtenweg zu wohnen oder Grundstücke zu besitzen.

Pandalis sieht seine Mitarbeiter vor allem durch den nicht hörbaren Infraschall gefährdet, der entsteht, wenn die Rotorblätter den Mast passieren. Der niederfrequente Schall habe gravierende Auswirkungen auf den menschlichen Körper.

Das Gericht hält Gesundheitsschäden durch Infraschall indes für „nicht hinreichend wahrscheinlich“ und reiht sich damit ins Gros der Rechtsprechung ein, nach der Infraschall ab einem Abstand von 300 Metern keine Auswirkungen auf die Gesundheit des Menschen habe. Diese Einschätzung sei falsch, meint Georgios Pandalis. Und in Immissionsschutzprüfungen für Windräder werde der tieffrequente Schall gar nicht bewertet. Der Landkreis habe sich mit dem Thema nicht ausreichend auseinandergesetzt und keine regelgerechte Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt, wirft der Kläger der Genehmigungsbehörde vor.

„Ich bin schockiert, mit welcher Ignoranz das Gericht sämtliche Argumente beiseite wischt.

Georgios Pandalis

„Ich bin schockiert, mit welcher Ignoranz das Gericht sämtliche Argumente beiseite wischt. Als Arbeitgeber habe ich eine gesetzliche, vor allem aber eine moralische Fürsorgepflicht für meine Mitarbeiter. Diese Pflicht wahrzunehmen, verbietet das Gericht aus formaljuristischen Gründen: Als Unternehmer sei ich gar nicht klagebefugt. Und was passiert, wenn jemand krank wird durch die Windkraftanlagen? Soll ich mich dann rausreden, dass ich formaljuristisch nicht zuständig bin?“

Der gebürtige Grieche, der seit über 30 Jahren Pflanzen erforscht und bio-zertifizierte Arzneimittel, Medizinprodukte und Nahrungsergänzungsmittel entwickelt, ist überzeugt: „Die Studienlage zu den gesundheitlichen Risiken von Windkraftanlagen ist eindeutig. Windkraft macht krank durch Infraschall. Herzmuskelzellen werden schwächer und die neuronale Aktivität des Gehirns ändert sich unter seiner Einwirkung.“ Bluthochdruck, Tinnitus, Herzrhythmusstörungen, Angst- und andere Erkrankungen seien nachgewiesen. Auch hält der promovierte Biologe Tumorwachstum durch eine gestörte Zellkommunikation für plausibel.

Seit Jahren warten Betroffene auf eine lange angekündigte Studie des Bundesumweltamtes. Das bestätigt auch der Glandorfer Landtagsabgeordnete Martin Bäumer auf Anfrage unserer Redaktion: „Es wäre hilfreich, wenn das Umweltbundesamt seine Untersuchung zu diesem Thema abschließen würde.“

Wie der CDU-Politiker selbst zu der Frage steht? Bäumer zitiert Antworten der Landesregierung auf Anfragen zum Thema: „Nach heutigem Stand der Wissenschaft sind schädliche Wirkungen durch Windenergieanlagen nicht zu erwarten.“ Er befürwortet den Ausbau der Windenergie in Glandorf.

Gesundheitliche Risiken

Kritiker wie die Gruppe „Ärzte für Immissionsschutz“ werfen der Bundesregierung dagegen vor, den Bau von Windenergieanlagen voranzutreiben, ohne die gesundheitlichen Risiken einschätzen zu können, sie teilweise sogar zu ignorieren. Pandalis selbst wundert sich: „Es gibt mittlerweile so viele seriöse Untersuchungen, die zeigen, dass Infraschall der Gesundheit schaden kann, aber all das interessiert das Osnabrücker Gericht nicht. Die Gefahr dürfe nicht nur möglich sein, sondern muss hinreichend wahrscheinlich sein. Diese Vagheit passt nicht zum europäischen Vorsorgeprinzip, das den Einsatz von potenziell gefährlichen Techniken verbietet.“

Er lade Richterin und Politiker, die sich ja offenbar sicher seien, dass vom Infraschall keine Gefahr ausgehe, zum Wohnen in sein Haus am Füchtenweg ein, „Miete und sämtliche Nebenwirkungen sind gratis. Um Anmeldung wird gebeten“.

Sowohl in Glandorf als auch am Firmensitz in Borgholzhausen produziere er mittels Photovoltaik weit mehr Energie, als er brauche. „Das war von Anfang an so geplant, damit der private Bedarf unserer Mitarbeiter gleich mit abgedeckt ist. Wenn das alle Unternehmen machen würden und wir Menschen endlich vom Wachstumsdogma abließen, würden ein paar Windkraftanlagen in ungefährlichen Gebieten reichen. Letztlich gehört nichts von dem, was wir konsumieren, uns, sondern unseren Enkeln, denen wir die Welt hinterlassen. Deswegen gebe ich nicht auf.“ Pandalis strebt eine Berufungszulassung vor dem Oberverwaltungsgericht an.

Er meint: „Selbstverständlich brauchen wir erneuerbare Energie statt Atomkraft, Kohle, Öl – aber erneuerbare Energien sind kein Freifahrtschein für grenzenloses Wuchern. Wind- statt Atomkraft nützt gar nichts, wenn sie schadet.“

Das aktuelle Urteil des Verwaltungsgerichts Osnabrück ist noch nicht rechtskräftig. Klagen zweier weiterer Anlieger gegen den Windpark laufen.

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