Westfleisch-Fall: Schulze Pellengahr schreibt Brief an DGB
Landrat wehrt sich gegen heftige Vorwürfe

Münster/Coesfeld -

Coesfelds Landrat Christian Schulze Pellengahr hat einen offenen Brief an den DGB geschrieben und weist die heftigen Vorwürfe zurück, die die Gewerkschaft gegen ihn erhoben hatte. Ihm wurde vorgeworfen, nicht rigoros genug reagiert zu haben, als im Westfleisch-Werk das Coronavirus ausbrach. Detailliert schildert er, wie die Tage abgelaufen sind und was er wann veranlasst hat.  

Freitag, 22.05.2020, 19:30 Uhr aktualisiert: 22.05.2020, 19:40 Uhr
Dr. Christian Schulze Pellengahr ist Landrat in Coesfeld.
Dr. Christian Schulze Pellengahr ist Landrat in Coesfeld. Foto: -

Mit einem viereinhalbseitigen offenen Brief reagiert der Coesfelder Landrat Dr. Christian Schulze Pellengahr (CDU) auf die heftigen Vorwürfe, die der DGB am 13. Mai bei einer Pressekonferenz in Münster gegen ihn erhoben hat. „Da keine dieser Aussagen der Wahrheit entspricht, sehe ich mich veranlasst, diese Behauptungen klar zurückzuweisen und nachfolgend richtigzustellen“, schreibt er.

Der DGB hatte dem Landrat unter anderem vorgeworfen, viel zu zögerlich auf den Corona-Ausbruch im Coes­felder Schweineschlachtbetrieb der Firma Westfleisch reagiert zu haben – bis sich am Ende NRW-Minister Karl-Josef Laumann eingeschaltet und das Werk geschlossen habe. Dieser Darstellung widerspricht Schulze Pellengahr und schildert detailliert, wie die Dinge aus seiner Sicht abgelaufen sind.

Gemeinsame Entscheidung

Demnach seien er und die Mitarbeiter der Kreisverwaltung sehr wohl konsequent und umgehend aktiv geworden, als sich der Schlachthof als Corona-Hotspot entpuppte. Über 1000 Westfleisch-Mitarbeiter seien getestet worden – gegen den Widerstand des Unternehmens. Die Ergebnisse hätten dann dazu geführt, dass er „in enger Abstimmung mit der Bezirksregierung Münster und dem Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales, Herr Karl-Josef Laumann, entschieden“ habe, den Betrieb zu schließen. Druck durch den Minister habe es nicht gegeben.

Inzwischen ist das viel diskutierte „Fleischcenter Coesfeld“ von Westfleisch wieder geöffnet. Fast zwei Wochen nach der Schließung wurde der Betrieb wieder hochgefahren – doch zunächst nur mit einer reduzierten Kapazität. An normalen Tagen werden dort rund 9000 Schweine geschlachtet, die vornehmlich von etwa 1000 Züchtern aus dem Münsterland stammen.

Keine Verluste für Landwirte

Denen kommt das Unternehmen nach eigener Darstellung entgegen. „Ziel ist es, zuerst Partien von Betrieben abzunehmen, bei denen Ferkel nachdrücken“, erklärte Westfleisch auf Nachfrage. „Mit den Betrieben, in denen der Druck weniger groß ist, wird ein späterer Verkaufstermin vereinbart.“ Das maximale Schlachtgewicht wurde erhöht, sodass die Landwirte ohne Verluste auch Tiere anliefern können, die länger gemästet wurden als üblich. Einen Stau gebe es deshalb nicht.

Derweil sorgt die Schlachthof-Branche weiter für Sorgen. So wurden in Betrieben kurz hinter der niederländischen Grenze Infektionen nachgewiesen. Viele Betroffene wohnen in Deutschland, alleine 16 in Rhede und sieben in Gronau. Ein Betrieb des Konzerns Vion in Groenlo wurde geschlossen.

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