Stadt schnürt Maßnahmenpaket gegen den Eichenprozessionsspinner
Verzicht auf die chemische Keule

Lengerich -

Chemische Keule in Form von Bioziden, thermische Verfahren – all das steht bei der Stadt Lengerich auf dem Index, wenn es um die Bekämpfung der Raupen des Eichenprozessionsspinners geht. Die Verwaltung setzt auf mechanische Verfahren – und schwarze Beutel.

Samstag, 23.05.2020, 06:01 Uhr aktualisiert: 23.05.2020, 12:06 Uhr
An den Eichen auf dem Hof der Grundschule Stadtfeldmark sind schwarze Beutel angebracht, in die die Raupen des Eichenprozessionsspinners krabbeln sollen. Durch die Wärme, die sich in den schwarzen Beuteln entwickelt, werden die Raupen getötet.
An den Eichen auf dem Hof der Grundschule Stadtfeldmark sind schwarze Beutel angebracht, in die die Raupen des Eichenprozessionsspinners krabbeln sollen. Durch die Wärme, die sich in den schwarzen Beuteln entwickelt, werden die Raupen getötet. Foto: Michael Baar

Auf die chemische Keule will Holger Lange verzichten im Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner (EPS). „Biozide sollen nicht eingesetzt werden wegen der Bedenken, dass auch andere Falter davon in Mitleidenschaft gezogen werden könnten“, sagt der Leiter des Fachdienstes Straßenbau in der Stadtverwaltung. Absaugen von Nestern und der Einsatz von schwarzen Beuteln sind nach seiner Auffassung die richtigen Mittel, um die Raupe in Zaum zu halten.

In welchem Umfang natürliche Fressfeinde der wegen seiner Brennhaare in Verruf geratenen Raupe den Garaus machen werden? Privatleute, Firmen, Institutionen und Stadt haben zahllose Nistkästen für Meisen gebaut beziehungsweise entsprechende Bausätze zur Verfügung gestellt. „An manchen Straßen sieht das schon so aus wie eine Reihenhaussiedlung“, kann sich Holger Lange ein Schmunzeln nicht verkneifen. Insbesondere Meisen sind als natürliche Feinde ausgemacht worden. Allerdings fressen diese Singvögel die Eichenprozessionsspinner nur in einem frühen Entwicklungsstadium.

An manchen Straßen sieht das schon so aus wie eine Reihenhaussiedlung.

Holger Lange, Fachdienstleiter, zur Menge der Meisenkästen

Immerhin steht fest, wie viele Eichen auf städtischem Grund stehen: 2518. Mal als Einzelbäume, mal in Gruppen oder auch als Wald. Im Innenstadtbereich stehen rund 500 Eichen. Im Außenbereich nimmt der Vortlager Damm mit 418 Exemplaren eine Sonderrolle ein.

Ob die EPS-Fallen, also die schwarzen Beutel, die gewünschte Wirkung erzielen, wird sozusagen im Feldversuch ermittelt. Am Radweg entlang des Aabachs sind 90 Prozent der Eichen mit diesen schwarzen Beuteln ausgerüstet worden. „Dadurch erhoffen wir uns einen Vergleich zwischen den Bäumen mit und ohne Beutel“, sagt Holger Lange.

Stadt verzichtet auf Biozide und heißen Schaum

Dem eigentlichen Problem, das die Raupen verursachen, den Brennhaaren ab dem dritten Larvenstadium, sei mit thermischen Verfahren nicht beizukommen. Zum einen verbiete sich der Einsatz von Brennern wegen der Waldbrandgefahr. Zum anderen hätten Untersuchungen ergeben, dass durch die von der Hitze ausgelöste Thermik die 0,1 bis 0,3 Millimeter langen Brennhaare bis zu 800 Meter weit durch die Luft gewirbelt würden.

Auch heißem Schaum als Raupen-Killer erteilt der Fachdienstleiter eine Absage. „Das schädigt die Bäume und es besteht die Gefahr von Verbrühungen bei den Anwendern“, argumentiert er.

Dem Absaugen von Raupennestern steht nichts im Weg. Dabei setzt die Stadt nach seinen Worten nicht nur auf regelmäßige Kontrollen durch Mitarbeitende des Baubetriebshofs, sondern auch auf Hinweise von Bürgern. Wobei Holger Lange eine wichtige Einschränkung macht: „Bei Eichen auf Privatgrundstücken ist der Eigentümer für die Behandlung zuständig.“

Bei Eichen auf Privatgrundstücken ist der Eigentümer zuständig.

Holger Lange

Bei der Überwachung will die Verwaltung nach einer Prioritätenliste vorgehen. Schulen und Kindergärten stehen ganz oben, danach folgen Spielplätze und Sportanlagen, stark frequentierte Schulwege und die Innenstadt. In einem zweiten Schritt wird das Umfeld von Pflege- und Altenheimen beobachtet und in Wohngebieten geschaut.

Erkannte Nester sollen abgesaugt oder abgenommen werden. Dazu hat die Stadt einen Rahmenvertrag mit einer Fachfirma abgeschlossen. Eine Beseitigung von Nestern durch Bauhof-Mitarbeiter sei nicht vorgesehen. Die dafür erforderlichen Schulungen seien der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen.

Im Haushaltsplan der Stadt für das laufende Jahr sind 20 000 Euro für die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners eingeplant. Das wird nicht reichen. Holger Lange rechnet mit einem Mehrbedarf zwischen 20 000 und 60 000 Euro. Geld, dass unter anderem auch für einen Leitfaden „Umgang mit EPS“, Evaluation und Monitoring sowie die Weiterbildung und Schulung städtischer Mitarbeiter benötigt wird.

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