Ansturm auf Friseursalons nach Zwangspause
„Endlich geht es wieder los“

Münsterland/Dortmund -

Nach fast sechswöchiger Zwangspause haben die Friseure wieder geöffnet – und erleben einen Ansturm. Doch schon jetzt ist klar, dass die Jahresumsätze „verhagelt“ seien, sagt der Chef des NRW-Friseurverbands im Gespräch mit unserer Redaktion.

Montag, 04.05.2020, 19:00 Uhr aktualisiert: 04.05.2020, 19:13 Uhr
Strenge Hygiene- und Abstandsregeln: Mund-Nasen-Schutz ist für Kunden und Friseure Pflicht.
Strenge Hygiene- und Abstandsregeln: Mund-Nasen-Schutz ist für Kunden und Friseure Pflicht. Foto: dpa

Auf diesen Moment haben nicht nur Friseure, sondern auch viele Kunden sehnsüchtig gewartet: Am Montagmorgen durften die Salons nach knapp sechswöchiger corona-bedingter Zwangspause wieder öffnen. In einigen Städten bildeten sich Schlangen vor den Friseursalons. Deutschlandweit habe es eine überwältigende Nachfrage ge­geben, berichtete der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Friseurhandwerks, Jörg Müller.

„Die Erleichterung ist groß, dass es endlich wieder losgeht“, sagt auch Rosemarie Ehrlich, Obermeisterin der Friseur-Innung Münster. So gab es nach der Bekanntgabe, die Salons wieder ab dem 4. Mai zu öffnen, einen „Run“ auf die Termine.

Am Montag klingelte auch im Salon Haargenau von Rosemarie ständig das Telefon. Und die Friseurmeisterin musste am Montag vielen Kurzentschlossenen absagen. „Man kann nicht die in fünf bis sechs Wochen ausgefallenen Termine an einem Tag nachholen. Die Termine sind bei uns schon über zwei bis drei Wochen ausgebucht“, sagt Rosemarie Ehrlich.

Hoher Umsatzverlust

Trotz des jetzigen Ansturms betont Marc Ringel, Geschäftsführer des in Dortmund ansässigen Friseur­verbandes NRW, dass die mehrwöchige Zwangspause „schon jetzt den Jahres­umsatz verhagelt“ habe. Der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks schätzt den Umsatzverlust auf mehr als eine halbe Milliarde Euro. Hinzu komme, dass die Salons momentan aufgrund der ­Hygiene- und Abstands­regeln weniger Kunden parallel bedienen dürfen.

„Wenn ein Salon vier Bedienplätze hat, aber nur zwei parallel nutzen darf, macht sich das natürlich auch bei den Umsätzen bemerkbar“, sagt Ringel. Die Handwerkskammer (HWK) Münster lobt, wie akri­bisch sich Friseure auf die Wiederöffnung und die strengeren Abstands- und Hygieneregeln vorbereitet hätten. HWK-Sprecherin Vera von Dietlein weist auch auf die Flexibilität der Friseure hin, die zum Teil ihre Öffnungszeiten im Sinne der Kunden ausgeweitet hätten.

Strenge Auflagen

Aber auch der bürokratische Aufwand steigt. Rosemarie Ehrlich nennt die umfassenden Dokumentationspflichten, um Kunden später als Teil möglicher Infektionsketten erfassen zu können. „Die Auflagen sind teilweise strenger als in einer Arzt­praxis“, meint sie. Aufgrund der zusätzlichen Ausgaben für Hygienemaßnahmen wie Schutzmasken und für bau­liche Änderungen seien die Preise in den Salons „moderat erhöht“ worden, be­richtet Ringel. Der Zentralverband rechnet mit etwa fünf Euro pro Friseurbesuch.

Unterdessen wies das Statistische Bundesamt am Montag auch auf die strukturellen Schwächen des Friseurhandwerks hin. Nach den jüngsten Zahlen aus dem Jahr 2017 erwirtschafteten in Deutschland rund 240 000 Beschäftigte in 52 700 Unternehmen einen Branchenumsatz von 6,7 Milliarden Euro. Mit einem Pro-Kopf-Umsatz von 28 000 Euro bildeten sie damit nach Angaben des Statistischen Bundesamts unter allen Handwerksberufen das Schlusslicht.

Typisch sei zudem der mit 16 Prozent überdurchschnittliche Anteil von Beschäftigten mit gering­fügiger Entlohnung. Und das Friseurhandwerk bleibt eine Frauendomäne. Im Jahr 2018 schlossen 7100 Frauen und 2500 Männer einen neuen Ausbildungsvertrag ab.

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