Kartoffeln dürfen mehr Abstand halten
Trockenheit wirft Schatten voraus

Sassenberg -

In eine Staubwolke gehüllt zieht der Schlepper mit angehängter Pflanzmaschine über den Acker. Auf seinem Weg verwandelt er locker gepflügten Ackerboden Meter für Meter in scharf gekantete Dämme - jeweils vier nebeneinander, jeder etwa 20 Zentimeter hoch. Der Acker verändert im Tempo von fünf Stundenkilometern sein Gesicht. Landwirt Markus Arenbeck schaut mit Sorge auf den staubigen Boden. Die Trockenheit ist ein Problem.

Samstag, 02.05.2020, 08:40 Uhr aktualisiert: 02.05.2020, 11:34 Uhr
Nur während Landwirt Markus Arenbeck und Tobias Reimann vom Lohnunternehmen die Erntemaschinen befüllen, sind während des ganzen Pflanzvorgangs die Kartoffeln auch mal zu sehen.
Nur während Landwirt Markus Arenbeck und Tobias Reimann vom Lohnunternehmen die Erntemaschinen befüllen, sind während des ganzen Pflanzvorgangs die Kartoffeln auch mal zu sehen. Foto: Ulrike von Brevern

„Für Spargel sind die Dämme zu flach und zu schmal“, schmunzelt Landwirt Markus Arenbeck über Verwechslungsmöglichkeiten mit dem inzwischen auch hier in Sassenbergs Osten eingewanderten Edelgemüse. Er lässt vom Lohnunternehmer Kartoffeln pflanzen. Rund zweieinhalb Stunden wird es dauern, bis die zwei Hektar Anbaufläche bestellt sind. Eine eigene Maschine wäre unrentabel.

Bei Arenbecks stehen 70 Mastbullen im Stall. Das ist ein gewichtiges wirtschaftliches Standbein für den eher kleinen 50 Hektar-Betrieb, von dem der Junior mit seiner Mutter lebt. Das andere ist die Direktvermarktung. Neben Kartoffeln finden die Eier der rund 300 freilaufenden Hühner gerade auch unter den Gästen der Campingplätze in der Nachbarschaft dankbare Abnehmer.

„Annabell“, eine frühe Sorte, die bereits Ende Juli geerntet wird, kommt an diesem Tag als erste in den Boden. Zwei weitere Sorten inklusive der beliebten „Belana“ werden folgen. Die Pflanzmaschine erledigt alle Arbeitsschritte in einem einzigen Arbeitsgang, ohne sich dabei in die Karten schauen zu lassen: Sie zieht gut zehn Zentimeter unter der Oberfläche eine Rinne, legt die keimenden Knollen einzeln im Abstand von etwa 30 Zentimetern hinein und besprüht sie direkt mit flüssiger Beize. Dadurch sind sie zunächst vor Pilzbefall und Drahtwürmern geschützt. Nun häufelt das Ackergerät den Damm darüber und presst ihn fest.

Pilze, die Kraut und später Knollen faulen lassen, sind für Kartoffeln ein großes Problem. Daher wird Arenbeck in den kommenden Wochen dagegen noch mehrfach spritzen – allerdings etwas weniger als in manch anderem Jahr. Das hat mit der Trockenheit zu tun, die der Landwirt auch für dieses Jahr wieder erwartet. Pilze mögen es eher feucht.

Arenbeck legt Knollen weit auseinander

Für Arenbeck ist das nur ein kleiner Trost, denn je trockener der Boden, desto weniger und kleinere Tochterknollen bildet die Kartoffel. Der Landwirt nimmt schon jetzt Rücksicht auf den erwarteten Wassermangel und legt die Knollen weit auseinander: „Dann kommen sie mit der abnehmenden Feuchtigkeit im Boden besser klar.“

Gegen einen anderen Feind hilft das nicht. Der Drahtwurm, der sich in die Kartoffel bohrt und unschöne Gänge hinterlässt, wird bei anhaltender Trockenheit zum echten Problem. „Der hat dann echt Hunger und kommt sogar von unten hoch“, sagt Arenbeck fast verständnisvoll. Für ihn bedeutet das jedoch Verluste. Alles in allem kamen bei ihm wegen der Trockenheit nach der letzten Ernte rund ein Viertel weniger Kartoffeln in den Verkauf als in normalen Jahren, schätzt der Landwirt. Und eine Trendwende ist nicht in Sicht.

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