Spargelernte unter Quarantäne-Bedingungen: Auf dem Hof Hennenberg ist diesmal alles anders
Die Sicherheit steht über allem

Sendenhorst -

Auf dem Hof Hennenberg hat die Spargelernte begonnen. Und das bewusst später als sonst. Guido Hennenberg und sein Team haben die Zeit genutzt, um die gesamte Anlage für die Arbeit unter Quarantäne-Bedingungen herzurichten. Unter den Corona-Bedingungen ist in diesem Jahr (fast) alles anders als sonst.

Donnerstag, 30.04.2020, 17:00 Uhr aktualisiert: 03.05.2020, 12:54 Uhr
Spargelernte auf dem Hof Hennenberg in Quarantäne-Zeiten.
Spargelernte auf dem Hof Hennenberg in Quarantäne-Zeiten. Foto: Josef Thesing

Der Hof und die Arbeitsbereiche sind für Besucher gesperrt. Wer in den kleinen Laden will, der muss draußen klingeln und wird hineingelassen. Natürlich nur mit Mund- und Nasenschutz, und am Eingang steht Desinfektionsmittel für die Hände bereit. Am Sortierband für den Spargel arbeiten die Mitarbeiter auf Abstand und mit Mundschutz. Auch auf dem Spargelfeld am Hof Hennenberg ist in dieser Saison vieles anders: Die Erntehelfer arbeiten weit auseinander.

Dass das Wohnen für die diesmal etwas weniger Mitarbeiter aus Rumänien und Polen für diese Erntesaison völlig neu organisiert werden musste, versteht sich angesichts der Corona-Pandemie von selbst. Denn zunächst geht es zwei Wochen in Quarantäne, nachdem ein Gesundheitscheck durchgeführt wurde. Und bis zum Ende einer möglichen Ansteckungszeit gehört das regelmäßige Fiebermessen zum Alltag. Auf dem großen Gelände gibt es getrennte Wege.

Wir haben lange mit der Entscheidung gewartet. Das war richtig. Und wir haben die Zeit genutzt.

Guido Hennenberg

Die Teams arbeiten und wohnen getrennt voneinander. Alles ist anders organisiert als in den vergangenen Erntejahren. „Wir haben lange mit der Entscheidung gewartet. Das war richtig. Und wir haben die Zeit genutzt“, sagt Guido Hennenberg, der, wie er sagt, bis zu der Entscheidung, die Ernte langsam hochzufahren, oft nicht gut geschlafen habe. „Der Schutz der Mitarbeiter, der Familie und auch der Gesellschaft steht für uns an erster Stelle“, meint er. „Das war und ist eine große Verantwortung und auch eine riesige Herausforderung.“

Die Ernte selbst ist unter Quarantäne-Bedingungen vergleichsweise unproblematisch – denn gearbeitet wird überwiegend unter freiem Himmel. Da ist beim Spargel, und demnächst auch bei den Erdbeeren, immer Abstand möglich. Auch anderes wurde nach draußen verlagert. So wurde zum Beispiel eine der roten Verkaufserdbeeren in ein Büro umgewandelt, das die ausländischen Mitarbeiter ansteuern können. Handwerker haben sie – wie alle anderen mobilen Verkaufsstände – umgebaut und mit einer Plexiglas-Verkleidung versehen. Die gibt es auch im Hofladen, den immer nur ein Kunde betreten soll. „Man kriegt das alles hin“, sagt Hennenberg, wenn man sich die notwendige Zeit der Vorbereitung nehme. Und das habe das Team getan. Und die Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden sei „hervorragend“.

Mitarbeiter kommen seit vielen Jahren

Die Ernte hätte – theoretisch – früher starten können. Doch darauf sei auf dem Hof Hennenberg bewusst verzichtet worden. Mit den Mitarbeitern in Polen und Rumänien, die seit vielen Jahren kommen, habe er ständigen Kontakt gehalten. „Die Nachfrage war groß. Sie wollten gerne anreisen. Aber wir haben ihnen gesagt, dass sie noch warten sollen, bis die Rahmenbedingungen klar sind.“ Das waren diese dann Mitte April. Da habe sich das „große gegenseitige Vertrauen“ gezeigt, das seit Jahren gelebt werde. „Das erfüllt uns auch mit Demut. Die Mitarbeiter sind das Rückgrat des Betriebes.“

Kontaktlosigkeit und Abstand stehen im Mittelpunkt

Von einem kleinen Flughafen ging es dann nach Düsseldorf, von wo aus die Arbeiter mit einem großen Bus abgeholt wurden, in dem Abstand gewährleistet war, weil er nur zu einem Drittel besetzt war.

Überall auf dem Hof sind Verhaltensregeln in der polnischen und rumänischen Sprache ausgehängt. Die Erntehelfer verlassen die Anlage nicht. „Wir kaufen für sie ein“, erklärt Guido Henneberg. Auch das gehöre zum gewaltigen Aufwand. Das Essen wird geliefert, aber kontaktlos. Gemeinsam eingenommen wird es nicht. Die Wohnanlage ist mit Blick auf die geltenden Bestimmungen komplett umgebaut worden. Sie werde drei Mal am Tag gereinigt. Zudem seien weitere Wohnungen angemietet worden. Alles, was derzeit notwendig ist, werde offen mit allen Mitarbeitern kommuniziert. Das Verständnis sei groß.

Dass das kein normales Jahr ist, ist klar. Aber Guido Hennenberg sieht das mit Blick auf die Gesamtsituation. „Für uns ist es ein hohes Gut, arbeiten zu dürfen.“ Dass der zusätzliche Aufwand sich finanziell niederschlage, sei klar. Dabei sei die aufwändige Beschaffung von 10 000 Mund- und Nasenschutzen für die Saison noch der geringste Kostenfaktor. Aber: „Ich habe die Planung aus der Sicht eines Virologen gesehen.“

Frisches Obst und Gemüse aus der Region sind gerade jetzt wichtig und gefragt.

Guido Hennenberg

Aber nicht zu ernten, sei keine Alternative. „Frisches Obst und Gemüse aus der Region sind gerade jetzt wichtig und gefragt“, sagt der Landwirt beim Gang entlang der Kulturen. Gleichwohl gebe es an der Gesamtsituation in der Bauerschaft Sandfort „nichts zu beschönigen“, so Hennenberg. Und trotz der immensen Vorsichtsmaßnahmen „ist niemand gefeit – auch hier nicht“.

Die ersten Erdbeeren sind schon rot

Bei dem ganzen Nachdenken und Planen sowie den extrem schwierigen Bedingungen fällt die Frage nach dem Wetter und der damit zusammenhängenden Qualität der Ernte (fast) unter den Tisch. „Die Wetterbedingungen sind bisher ideal, auch mit dem Regen jetzt, der wie bestellt kommt. Die Qualität ist hervorragend“, sagt Hennenberg.

Und die erste rote Erdbeere der Sorte Flair vom Sendenhorster Feld schmeckt ebenfalls hervorragend. Dort startet die Ernte zwischen dem 10. und 15. Mai.

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