NRW-Soforthilfe
Betrüger fischen Daten ab – Land stoppt Auszahlung

Münsterland -

Mehr als 3500 Selbstständige und Kleinunternehmer müssen vorerst auf die Auszahlung der NRW-Soforthilfe warten. Nach dem Stopp der Hilfen aufgrund von Betrugsversuchen kann auch die Bezirksregierung Münster nicht sagen, wann die Zahlungen erfolgen und ab wann neue Anträge wieder möglich sind.

Donnerstag, 09.04.2020, 19:00 Uhr aktualisiert: 09.04.2020, 19:15 Uhr
Mehr als 3500 Soloselbstständige und Kleinunternehmer müssen länger auf Soforthilfe warten.
Mehr als 3500 Soloselbstständige und Kleinunternehmer müssen länger auf Soforthilfe warten. Foto: colourbox

Mit gefälschten Formularen auf gefakten Internetseiten fischten Betrüger die Daten der Antragsteller ab. Dann sollen die Täter im Namen der Unternehmer selbst Anträge auf NRW-Soforthilfe gestellt haben, um mit falschen Kontoverbindungen an Hilfsgelder zu gelangen. Das NRW-Wirtschaftsministerium hat in Absprache mit dem Landeskriminalamt (LKA) die Auszahlung der NRW-Soforthilfe für Solo-Selbstständige und Kleinunternehmen vorerst gestoppt. „Rund 3500 bis 4000“ Antragsteller seien davon betroffen. Vorerst könne zudem kein neuer Antrag gestellt werden.

Es handele sich um „hochprofessionelle Täter“, sagte NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU). „Diese Masche ist nicht nur hoch kriminell, sondern moralisch besonders verwerflich.“ Die Täter suchten im Dark­net nach Helfern, die gegen eine Gewinnbeteiligung ihre Konten für den Betrug zur Verfügung stellten. Von diesen Konten werde der Gewinnanteil des Betrügers dann in Kryptowährung umgewandelt und damit anonymisiert. Das erschwere die Identifizierung der Hintermänner. Über eine Suchmaschine seien Antragsteller auf die Fake-Seiten gelockt worden.

Task-Force gebildet

Es sei mittlerweile eine Task-Force aus Experten für Cyber- und Wirtschaftskriminalität gebildet worden, berichtet das Wirtschaftsministerium. Die Ermittlungsbehörden arbeiten daran, die gefälschten Internetseiten zu beschlagnahmen und abzuschalten. Die Angriffe seien seit dem vergangenen Wochenende aufgetreten, sagte NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP). Deshalb hätten sie noch nicht viel Schaden angerichtet. Eine Schadenshöhe könne er noch nicht angeben. NRW habe bisher rund drei Milliarden Euro an Soforthilfen ausgezahlt. Die Bezirksregierung Münster hatte Anfang April über mehr als 26 000 Anträge auf Soforthilfe im Münsterland berichtet.

Es sei offen, wann die Auszahlungen wieder freigegeben und die Anträge wieder möglich seien. „Wir arbeiten an einer Lösung“, sagte ein Ministeriumssprecher. Auch die Bezirksregierung Münster nennt keinen Zeitpunkt: „Wir warten jetzt die weiteren Entwicklungen ab.“

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