Straßen.NRW setzt Biozid ein
Kampf gegen Eichenprozessionsspinner beginnt schon

Münsterland -

Das zarte Grün junger Blätter erfreut nicht nur die Menschen, die trotz der Corona-Krise die Natur genießen. Die frischen Triebe der Eichen sind aber auch eine Delikatesse für die Raupen des Eichenprozessionsspinners (EPS). Damit diese Tiere für Menschen nicht zu einer Gefahr werden, bekämpft Straßen.NRW sie mit einem so genannten Biozid, das derzeit gezielt an Eichen eingesetzt wird.

Donnerstag, 09.04.2020, 13:28 Uhr aktualisiert: 09.04.2020, 14:10 Uhr
Straßen.NRW setzt Biozid ein: Kampf gegen Eichenprozessionsspinner beginnt schon
Straßen.nrw bekämpft den Eichenprozessionsspinner mit einem Biozid. Foto: Oliver Werner

Mit Spritzen, die einer Schneekanone ähneln, wird ein für die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners zugelassenes Biozid auf die frischen Blätter gesprüht. Das Bodenbakterium Bacillus thuringiensis liefert den Ausgangsstoff für das spezielle Mittel, mit dem die jungen Raupen des Eichenprozessionsspinners bekämpft werden. Die Raupe frisst das Blatt und erst im Darm der Raupe entfaltet der für Menschen und Tiere ungefährliche Stoff seine Wirkung. Die Raupen sterben ab, bevor sie das für den Menschen gefährliche Lebensstadium erreichen können. „So reduzieren wir die Bereiche, in denen später die Raupen mit dem gefährlichen Brennhaaren auftauchen“, erklärt Thomas Oehler, Straßen.NRW-Abteilungsdirektor.

Je nach Temperaturverlauf schlüpfen die Larven zwischen April und Mai. In den ersten beiden Larvenstadien sind die Raupen für Menschen noch ungefährlich, ab dem dritten Larvenstadium bilden sie aber so genannte Brennhaare aus, die zu schweren allergischen Reaktionen führen können. Von Beginn an leben die Raupen in Familienverbänden und wandern in großen Gruppen über Stämme und Äste. Diese Prozessionen haben den Raupen ihren Namen gegeben.

Eigene Spritzen angeschafft

Seit mehreren Jahren schon versucht Straßen.NRW die Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners einzudämmen. Trat das Insekt anfangs eher im Westen des Landes auf, haben sich die Raupen inzwischen über das ganze Land verbreitet. Mit der Folge, dass einige Straßen.NRW-Meistereien ihren Fuhrpark nun um eigene Spritzen ausgebaut haben.

„Bislang haben wir die meisten Aufträge an Fachfirmen vergeben“, so Gerhard Schmidt, der im Straßen.NRW-Betriebssitz das Thema Grünpflege fachlich begleitet. Mit dem Einsatz eigener Spritzen könne der Landesbetrieb nun wirtschaftlicher und vor allem noch flexibler reagieren. „Es kommt beim Einsatz des Biozids, das übrigens auch in der ökologischen Landwirtschaft eingesetzt werden darf, darauf an, die Blätter in einem engen Zeitfenster zu besprühen, damit die Wirkung auch zuverlässig einsetzt“, erklärt Gerhard Schmidt.

Bereits im vergangenen Jahr hatte das NRW-Umweltministerium gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium, Kommunen und Behörden wie Straßen.NRW Gespräche über eine gemeinsame Strategie zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners aufgenommen. Ein Ergebnis ist die Erstellung eines Praxisleitfadens zum Umgang/Bekämpfung des EPS, der in Kürze erscheinen soll. „Wir haben unsere Erfahrungen eingebracht“, sagt Gerhard Schmidt. Immerhin sind die Straßen.NRW-Meistereien am Niederrhein seit 2002 mit dem Thema konfrontiert. Hier werden die EPS-Raupen nach den Osterferien wie in den Vorjahren auch aus der Luft bekämpft. Gezielte Sprühaktionen vom Hubschrauber aus sind in den Kreisen Viersen, Kleve und Wesel angesetzt.

Fallen in der Testphase 

Noch in der Testphase ist die Bekämpfung der Raupen durch Fallen. Ein Tüftler vom Niederrhein hatte die Fallen im Jahr 2019 entwickelt. „Die Straßenmeisterei Geldern wird den Einsatz dieser Fallen ausprobieren“, sagt Clemens Lenzen, als Fachagrarwirt in der Straßen.NRW-Regionalniederlassung Niederrhein auch für die Baumpflege zuständig. Da bei diesem System immer wieder Plastikbeutel, in die die Raupen hineinfallen, ausgewechselt werden müssen, will die Meisterei Nutzen und Aufwand überprüfen.

Straßen.NRW hat bei der Bekämpfung der Eichenprozessionsspinner-Raupen nicht nur die Gesundheit von Parkplatznutzern, Fußgängern oder Radfahrern im Blick, die sich neben befallenen Bäumen aufhalten und so die Brennhaare einatmen bzw. Hautkontakt haben könnten. „Wir müssen auch an den freien Strecken, wo Bürgerinnen und Bürger in der Regel nur mit dem Auto vorbeifahren, die Raupen bekämpfen, um unsere eigenen Mitarbeiter zu schützen“, sagt Straßen.NRW-Abteilungsdirektor Thomas Oehler.

So werden Eichenprozessionsspinner bekämpft

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  • Was tun gegen die Gespinste des Eichenprozessionsspinners? So gehen Profis vor:

    Foto: Matthias Ahlke
  • Mit Schutzanzügen bekleidet lassen sich die Schädlingsbekämpfer – hier vom Unternehmen „AstWerk“ per Hubwagen in die Baumkronen hieven.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Ein Haarspray kommt zur Fixierung des Gespinstes zum Einsatz.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Dann wird das Nest von Hand abgenommen...

    Foto: Matthias Ahlke
  • ...und in einer Plastiktüte verpackt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Eine weitere Möglichkeit zur Entfernung der Nester: Absaugen.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Mit einem Industriestaubsager werden die Gespinste entfernt.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Anschließend werden die betroffenen Stellen an der Eiche gründlich abgesaugt und mit einem Haarspray imprägniert.

    Foto: Matthias Ahlke
  • 40 bis 50 Nester können von einer Kolonne am Tag beseitigt werden.

    Foto: Matthias Ahlke
  • Die Eichenprozessionsspinner werden samt ihrer reizenden Brennhaare entsorgt.

    Foto: Matthias Ahlke

„Die Straßen.NRW-Straßenwärterinnen und Straßenwärter kommen bei der Grünpflege, bei Reinigungs- oder Reparaturarbeiten mit den Brennhaaren in Kontakt. Das wollen wir vermeiden.“ Zudem sei es kaum zu leisten, überall dort, wo später die Nester der Eichenprozessionsspinner auftreten, diese zu beseitigen. „Diese Arbeiten sind langsam, gefährlich, sehr aufwendig und behindern zudem den Verkehr massiv“, erklärt Gerhard Schmidt.

Allergische Reaktionen trotz Entfernung

Und es gibt einen weiteren Grund, dass nun vor allem im Vorfeld mit Hilfe des Biozid-Einsatzes die Ausbreitung der Raupe verhindert werden soll: Selbst dort, wo die älteren Raupen mit den gefährlichen Brennhaaren, von Fachfirmen entfernt worden sind, können die allergieauslösenden Härchen oder Reste der Nester noch Wirkung zeigen. „In einigen Fällen sind nach Grünschnittarbeiten im Spätsommer noch allergische Reaktionen aufgetreten, also lange nachdem die Raupen schon verschwunden waren.“

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