Hengst Filtration produziert Atemmasken
Der Bedarf ist da

Nordwalde/Münster -

Hengst Filtration will nach Ostern beginnen, Atemmasken zu produzieren. Das Unternehmen mit Sitz in Münster und einem Werk in Nordwalde will täglich circa 10 000 sogenannte OP-Masken herstellen. Diese sind für klinisches und ärztliches Personal gedacht. Die ersten 25 000 Masken will Hengst spenden: an Pflegepersonal in Münster.

Montag, 06.04.2020, 19:37 Uhr aktualisiert: 07.04.2020, 17:52 Uhr
Jens Röttgering, Inhaber von Hengst Filtration, präsentiert das erste Exemplar der Mund-Nasen-Maske des münsterischen Unternehmens mit Werk in Nordwalde.
Jens Röttgering, Inhaber von Hengst Filtration, präsentiert das erste Exemplar der Mund-Nasen-Maske des münsterischen Unternehmens mit Werk in Nordwalde. Foto: Hengst Filtration

Ärzte und Pfleger in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen oder Altenheimen könnten künftig mit Atemmasken von Hengst Filtration arbeiten. Das Unternehmen mit Sitz in Münster will nach Ostern beginnen, circa 10 000 Atemmasken täglich zu produzieren – und könnte die Stückzahl später noch steigern. „Wir nähen keinen einfachen Stoffschutz“, sagt Inhaber Jens Röttgering. „Wir stellen ein Produkt für den medizinischen Einsatz her.“

Atemmasken gehörten bislang nicht zum Produktportfolio des Filterherstellers, der auch in Nordwalde ein Werk betreibt. Der Markt wurde bisher vor allem aus dem asiatischen Raum bedient. Es habe keine Notwendigkeit gegeben, Atemmasken herzustellen, sagt Röttgering: „Jetzt hat sich eine neue Situation ergeben.“ Auf der einen Seite gebe es durch die Corona-Pandemie einen großen Bedarf. Auf der anderen Seite sei in Deutschland die Erkenntnis gereift, wie abhängig das Land bei einigen Produkten – von Medikamenten bis zur Schutzausrüstung – von der asiatischen Produktion sei.

Für klinisches und ärztliches Personal gedacht

Das Bundesgesundheitsministerium hat reagiert und eine Ausschreibung für Schutzausrüstung veröffentlicht. „In gigantischen Volumina“, sagt Röttgering. Voraussetzung ist, dass die Schutzausrüstung in Deutschland produziert wird. Hengst wird die Atemmasken in Münster herstellen. „Wir haben eine sehr einfache Produktionslinie aus Bordmitteln gebaut, die in Kürze ergänzt werden soll“, sagt Jens Röttgering. Dann könnten noch größere Stückzahlen als die 10 000 Atemmasken pro Tag gefertigt werden. „Der Bedarf ist deutlich höher“, sagt Röttgering, der deshalb als Devise ausgibt: „Wir müssen zusehen, uns in die Lage zu versetzen, deutliche höhere Volumina zu produzieren.“

Hengst will sogenannte OP-Masken nach DIN EN 14643 herstellen. Der Zertifizierungsprozess, der sonst mehrere Monate dauern kann, ist beschleunigt worden. „Wir hoffen, dass der Prozess in zwei bis drei Wochen abgeschlossen ist“, sagt Röttgering. Die Mund-Nasen-Schutze seien anspruchsvoller als die Atemmasken, die sich auch jeder selber basteln könne. Die OP-Masken sind für klinisches und ärztliches Personal gedacht.

25 000 Atemmasken will Hengst spenden

Es gebe noch eine Steigerung: Atemschutzmasken der Klassen FFP2 und FFP3, mit denen Ärzte und Pfleger ausgerüstet werden, die direkt mit infizierten Patienten zu tun haben. Hengst stellt erst mal nur OP-Masken her. „Die neue Situation sorgt aber dafür, dass wir uns täglich oder wöchentlich in die Augen gucken, ob wir nicht noch mal neue Wege gehen müssen“, sagt Röttgering.

Von der Corona-Krise und deren Folgen bleibt Hengst nicht unberührt. Dass einige Automobilhersteller ihre Werke heruntergefahren haben, bekommt auch Hengst als Zulieferer zu spüren. Dennoch ist Röttgering überzeugt, dass Filtration „ein gutes Geschäftsmodell“ ist, das nach der Corona-Krise vielleicht sogar noch wichtiger werde.

Mit den OP-Masken hat Hengst zurzeit ein zusätzliches Standbein. Ein genaues Datum, wann mit der Herstellung und dem Vertrieb begonnen wird, kann Röttgering noch nicht nennen: „Wir werden sobald wir produzieren auch ausliefern.“ Freuen kann sich dann auch das Pflegepersonal in Münster. Getreu dem Motto „Münster steht zusammen“ will Hengst die ersten 25 000 Masken an Pflegepersonal in der Stadt spenden.

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