Sechs-Stunden-Lauf vor der eigenen Haustür
66 Kilometer durchs Hügeldorf

Altenberge -

Was tun, wenn die eigene Meisterschaft, auf die man lange gewartet hat, wegen Corona einfach ausfällt? Läufer haben es in dieser Hinsicht ein wenig leichter als Fußballer, vor allem, wenn sie nicht unbedingt scharf auf einen Titel sind. Stefan Lammers aus Altenberge hat „seine“ DM kurzerhand zu einer Heim-DM verwandelt.

Montag, 06.04.2020, 15:22 Uhr aktualisiert: 06.04.2020, 16:28 Uhr
Den Tiefstart hätte Stefan Lammers bei einem so langen Lauf eigentlich nicht gebraucht. Aber was tut man nicht alles für ein symbolträchtiges Bild. Zeitmessung und Nahrungsaufnahme (kl. Bild) durften natürlich auch nicht fehlen.
Den Tiefstart hätte Stefan Lammers bei einem so langen Lauf eigentlich nicht gebraucht. Aber was tut man nicht alles für ein symbolträchtiges Bild. Foto: privat

In Zeiten von Corona beginnen dieser Tage sehr viele Geschichten mit dem Wörtchen „eigentlich“. Eigentlich wäre jetzt Champions-League, eigentlich würde ich heute im Büro arbeiten, oder eigentlich würden wir am Samstag zusammen grillen. Und eigentlich hätten am Sonntag in Herne die Deutschen Meisterschaften im Sechs-Stunden-Lauf stattfinden sollen. Aber eben nur eigentlich.

Weil die natürlich schon vor längerer Zeit abgesagt worden waren, hat sich Stefan Lammers aus Altenberge gedacht, die laufe ich einfach vor der eigenen Haustür. 66 Kilometer ist er in Altenberge in 5:53 Stunden gelaufen, was einem Schnitt von 5:13 Minuten pro Kilometer entspricht. Die fehlenden sieben Minuten sind für die Nahrungsaufnahme draufgegangen. 400 Höhenmeter hat er dabei absolviert, denn das Hügeldorf Altenberge wird nicht umsonst so genannt.

Eigene DM veranstaltet

„300 Teilnehmer hatten sich bereits angemeldet. Aber als die ersten Absagen von Sportveranstaltungen die Runde machten, war klar, dass die DM nicht durchgeführt werden könnte, wenn 300 Leute nebeneinander sechs Stunden lang laufen sollen“, war Lammers darauf eingestellt, dass das nichts werden würde in Herne.

Was tun? Gänzlich verzichten wollte der Abteilungsleiter IT der Apothekerkammer Westfalen-Lippe nicht auf sein Laufvergnügen. Also hat er sich sozusagen vor der Haustür eine Runde abgesteckt. „Die in Herne ist ungefähr fünf Kilometer lang. Ich habe bei mir um die Ecke geschaut, was geht, wo es nicht allzu hügelig ist. Altenberge ist ja nicht ganz flach“, berichtet er von seinen Planungen.

Start war am Baumbergeblick, und ganz allein hat Lammers auch seine Runde auch nicht laufen müssen. „Normalerweise haben wir sonntags im Mittag immer unseren Lauftreff mit Freunden. Zwei von denen sind mir vier Runden lang entgegen gelaufen, natürlich mit gebührendem Abstand. Einer sogar 15 Runden lang vor mir her. Der war einfach schneller als ich“, war nie die Gefahr gegeben, dass durchs Schnaufen beim Laufen irgendwelche Viren übertragen werden konnten.

Gute Bedingungen

Die Anzeigentafel, was die Stunde geschlagen hat und wie viele Runde ein jeder schon gelaufen ist – bei der DM in Herne wäre sie im Start-Ziel-Bereich für jeden sichtbar aufgebaut gewesen – wurde durch einen Laptop auf einem Tisch ersetzt. Gleich daneben stand die Verpflegung, inklusive der Getränke.

„Wasser zuerst, später Cola. Die haben mir sogar Dominosteine hingestellt. Die habe ich nicht genommen, die mag ich einfach nicht“, war der Familienvater ein wenig wählerisch. Aber es stand ja genug zur Verfügung. Und was die Wetterbedingungen hätte es nicht besser sein können: nicht zu warm, nicht zu kalt, kein Regen. „Es wehte sogar ein leichtes Lüftchen. Das war schon okay“, war Lammers mit allem rundum zufrieden.

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