Sparkassenchef spricht über die Corona-Krise
Bloß keine Kreditklemme

Lengerich -

Viele Unternehmen haben wegen der Corona-Pandemie finanzielle Probleme und suchen Auswege aus der monetären Misere. Das bekommt auch die Stadtsparkasse Lengerich zu spüren. Vorstandsvorsitzender Achim Glörfeld sagt, dass die Telefone nicht still stehen.

Freitag, 03.04.2020, 15:22 Uhr aktualisiert: 05.04.2020, 13:44 Uhr
In die Hauptstelle der Stadtsparkasse kommen derzeit nur wenige Menschen. Die Kontakte zu Privatkunden sind auf ein Minimum reduziert worden.
In die Hauptstelle der Stadtsparkasse kommen derzeit nur wenige Menschen. Die Kontakte zu Privatkunden sind auf ein Minimum reduziert worden. Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Gezielt auf ein notwendiges Minimum heruntergefahrene Kontakte zu den Privatkunden seien die eine Seite der Corona-Medaille, sagt Achim Glörfeld. Auf der anderen Seite sind seinen Worten zufolge die Firmen. „Da stehen die Telefone nicht still“, berichtet der Vorstandsvorsitzende der Stadtsparkasse, was in seinem Haus derzeit los ist. Alles steht im Zeichen der durch die Pandemie ausgelösten Krise.

Selbstständige, Kleinunternehmer, mittelständische Firmen, für viele sei nun wichtig, detailliert zu erfahren, wie sie an Finanzmittel von Bund und Land mittels Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und NRW-Bank kommen können. „Dafür sind wir als Hausbank dann da.“

Bei Null müssen die Beratungsexperten der Stadtsparkasse bei den verschiedenen Möglichkeiten nicht anfangen. Glörfeld erklärt, dass vieles den schon vor Corona bestehenden Standardprogrammen ähnele. Zudem gebe es vom Sparkassenverband alle nötigen Informationen.

Die von der Politik bislang getroffenen Entscheidungen hält der Vorstandsvorsitzende für „absolut in Ordnung“. Bei Darlehen, die nun an Firmen vergeben würden, stünde der Staat im Falle eines Ausfalls nun für 90 Prozent der Summe gerade, die Stadtsparkasse für zehn Prozent. Ein wesentlich geringerer Wert als zu „normalen Zeiten“. Aber, gibt Glörfeld zu bedenken, „bei fünf Millionen Euro sind das immer noch 500 000 Euro.“

Er lässt gleichwohl keine Zweifel daran aufkommen, dass die heimische Bank jedes „vertretbare Risiko eingehen“ werde, um die hiesigen Unternehmen zu unterstützen. „Eine Kreditklemme wäre in der momentanen Situation das Schlimmste, was passieren könnte.“

Die Lengericher Wirtschaft sieht Glörfeld vergleichsweise gut gerüstet für die Krise. Es gebe viel produzierendes Gewerbe, die Lieferketten funktionierten in diesem Sektor bislang. Massiver treffen werde Corona und die Folgen beispielsweise Kommunen, die stärker vom Hotel- und Gastgewerbe leben, glaubt der Finanzfachmann. Aber er sagt auch: „Es wird so oder so hart werden. Und trotz aller Anstrengungen werden nicht alle Unternehmen überleben“

Um die Arbeitsfähigkeit des Geldinstituts zu sichern, seien eine Reihe von Mitarbeitern im Homeoffice, berichtet Glörfeld weiter. Der Servicebereich sei zudem in zwei Gruppen unterteilt, um selbst dann, wenn sich jemand infiziere, arbeitsfähig zu bleiben. Kurzarbeit sei kein Thema, weil die das Gesetz bei einem Arbeitgeber in öffentlich-rechtlicher Rechtsform gar nicht zulasse. Der Vorstandsvorsitzende macht aber auch klar, dass es trotz der momentan sehr wenigen direkten Kontakte mit Kunden genügend Arbeit gebe.

Dann richtet er den Blick nach vorn. Um Genaues für das Geschäftsjahr 2020 zu prognostizieren, sei es zwar noch zu früh. „Aber unsere klassische Ware, die Beratung, können wir jetzt nicht absetzen.“ Das und die Wertberichtigungen, mit denen aufgrund von Kreditausfällen zu rechnen sei, reichten schon, um zu sagen, dass die nächste Bilanz nicht glanzvoll ausfalle.

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