Corona-Pandemie: Zweiter Fall in Haus Widum / Auch Krankenhaus-Mitarbeiter infiziert
Altenheim unter Quarantäne

Lengerich -

Ein weiterer Fall in der Belegschaft von Haus Widum, mehrere infizierte Mitarbeiter an der Helios-Klinik – die Corona-Pandemie entwickelt sich in Lengerich zunehmend zu einem ernsthaften Problem. Die Senioreneinrichtung wurde deshalb nun unter Quarantäne gestellt.

Mittwoch, 01.04.2020, 17:52 Uhr aktualisiert: 02.04.2020, 19:44 Uhr
Die Patienten- und Notfallversorgung ist nach Angaben der Helios-Klinik
Die Patienten- und Notfallversorgung ist nach Angaben der Helios-Klinik Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Die Corona-Krise trifft Lengerich in einem immer stärkeren Maß. Die Senioreneinrichtung Haus Widum steht seit Mittwoch auf Anweisung des Kreises unter Quarantäne. Zudem bestätigte die Helios-Klinik am Nachmittag auf Anfrage der Westfälischen Nachrichten, „dass Mitarbeiter aus dem ärztlichen und aus dem pflegerischen Dienst der Helios Klinik Lengerich positiv auf SARS-CoV2 getestet worden sind“. Eine genaue Zahl wurde nicht genannt.

Zur Situation im Haus Widum teilt Geschäftsführerin Sonja Bender mit, dass einige Mitarbeiter ab sofort in einem Hotel untergebracht und per Shuttle-Service zum Altenheim und zurück gebracht werden. Alle Wohnbereiche seien strikt getrennt und feste Mitarbeiter den einzelnen Wohnbereichen zugeordnet, sodass eine „Durchmischung“ nicht stattfinde. „All diese Maßnahmen tragen zu einem höchstmöglichem Schutz unserer Bewohner und Mitarbeiter bei“, sagt die Verantwortliche.

Derweil gibt es unter der Belegschaft einen zweiten bestätigten Corona-Fall. Eine Infektion unter den Bewohnern sei bislang noch nicht festgestellt worden, versichert Bender. „Zu etwaigen Tests stehen wir in engem Kontakt mit dem Kreis Steinfurt.“ Es werde momentan alles getan, einer weiteren Verschärfung der Situation entgegenzuwirken.

Die infizierten Krankenhaus-Mitarbeiter seien nicht mehr im Dienst und befänden sich in häuslicher Quarantäne, informiert die Helios-Klinik über den Stand der Dinge an der Martin-Luther-Straße. „Wir haben umgehend Kontakt zum Gesundheitsamt aufgenommen, Kontaktpersonen identifiziert (Umfeldanalyse) und entsprechend der aktuellen Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts notwendige Maßnahmen in die Wege geleitet.“ Mit dem Kreis gebe es nun einen „engen Austausch“.

Weiter teilt die Klinik mit, dass die Infektionskette zurückverfolgt werden konnte. „Um sie konsequent zu durchbrechen, ist der Bereich vorerst abgemeldet.“ Die Patientenversorgung und insbesondere die Notfallversorgung sei gleichwohl uneingeschränkt sichergestellt.

Um Verdachtsfälle frühzeitig zu identifizieren und mögliche Infektionsketten im Haus schnell zu unterbrechen, werde im Krankenhaus innerhalb der Belegschaft und bei Unsicherheiten einzelner Mitarbeiter „sehr niederschwellig“ getestet. Bereits seit Mitte März gilt in dem Krankenhaus ein Besuchsverbot. Alle Mitarbeiter seien seitdem verpflichtet, ständig einen Mund-Nasenschutz zu tragen und auch untereinander die Abstandsregel einzuhalten. Darüber hinaus sei die Belegschaft „intensiv geschult und dazu aufgefordert“ worden, sich beim Auftreten von Krankheitssymptomen sofort krank zu melden, umgehend ihren Vorgesetzten zu informieren und sich testen zu lassen.

Nicht dringliche Operationen und ambulante Sprechstunden wurden laut Pressemitteilung verschoben, um Kapazitäten freizuhalten und die Patientenzahl im Krankenhaus auf ein Minimum zu reduzieren. „Durch den Einsatz technischer Optionen wie Skype-Konferenzen, reduzieren wir die Kontakte zwischen unseren Mitarbeitern weiter.“

Trotz aller Bemühungen um präventive Hygienemaßnahmen sei aber damit zu rechnen, „dass wie in der Gesamtbevölkerung in den nächsten Tagen und Wochen zunehmend auch Mitarbeiter in Krankenhäusern betroffen sein können und sich im Alltag mit dem Virus anstecken“. In diesem Spannungsfeld werde man weiterhin alles unternehmen, die Patienten zu schützen und eine Ausbreitung im Krankenhaus zu verhindern.

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