Nach Tod im Emsdettener Altenheim
Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Ehemann

Emsdetten -

Die Staatsanwaltschaft Münster hat gegen einen 67-jährigen Mann wegen des Verdachts des Totschlags Anklage beim Landgericht Münster erhoben.

Mittwoch, 01.04.2020, 09:43 Uhr aktualisiert: 01.04.2020, 10:06 Uhr
Nach Tod im Emsdettener Altenheim: Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen Ehemann
Foto: dpa (Symbolbild)

Laut einer am Mittwoch veröffentlichten Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft wird der 67-jährige Mann nach den durchgeführten Ermittlungen verdächtigt, seine schwer demenzkranke Ehefrau in einem Emsdettener Altenheim getötet zu haben. Die Frau lebte seit März 2019 in dem Heim und war zuletzt desorientiert, auf einen Rollstuhl angewiesen und nicht mehr in der Lage, sich verbal zu artikulieren. Diese Situation war nach den gewonnenen Erkenntnissen für die Angehörigen der seit dem Jahr 2015 erkrankten Frau emotional stark belastend. 

Gewaltsamer Tod

Am Nachmittag des 12.12.2019 soll der 67-Jährige seine Ehefrau - wie jeden Tag - besucht haben. Er soll die im Rollstuhl sitzende Frau sodann in ihrem Zimmer mit einem mitgebrachten Seil an den Rollstuhl gefesselt, ihr eine Plastiktüte über den Kopf gezogen und dann mit dem Seil erdrosselt haben. Anschließend soll er das Altenheim verlassen und in erheblichem Maß Alkohol konsumiert haben. Am Abend wurde er im Bahnhof in Rheine festgenommen. 

Erinnerungslücken

Der Angeschuldigte hat in einer polizeilichen Vernehmung angegeben, sich an die Ereignisse des 12.12.2019 nicht erinnern zu können. Nachfolgend hat er von seinem Schweigerecht Gebrauch gemacht.

Da der 67-Jährige hierzu keine Aussage getätigt hat, ist das genaue Motiv für die vorgeworfene Tat bislang nicht geklärt. Aufgrund der erzielten Ermittlungsergebnisse insbesondere zu dem Krankheitsbild der Ehefrau des Angeschuldigten und ihres sich über die Jahre zunehmend erheblich verschlechternden Gesundheitszustands ist nicht auszuschließen, dass der Beweggrund in der Erkrankung der Frau und der damit verbundenen psychischen Belastung des Angeschuldigten gelegen hat.

Ehemann weiter in U-Haft

In der Anklageschrift geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass der Angeschuldigte zum Tatzeitpunkt uneingeschränkt schuldfähig war. Der Angeschuldigte befindet sich weiterhin in Untersuchungshaft.  

Das Landgericht Münster hat über die Zulassung der Anklage zu entscheiden.

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