Familienleben in Corona-Zeiten
Jugendpfleger Rüdiger Pieck: „Der Lagerkoller kommt“

Drensteinfurt -

Das Coronavirus hat nicht nur Auswirkungen auf die Gesundheit und die Weltwirtschaft. Es betrifft angesichts der weitreichenden Kontaktverbote auch das Familienleben. Wie sich der „Lagerkoller“ bestmöglich vermeiden lässt, darüber spricht Stadtjugendpfleger Rüdiger Pieck.

Dienstag, 31.03.2020, 22:52 Uhr aktualisiert: 31.03.2020, 23:00 Uhr
Spiele, davon ist Rüdiger Pieck überzeugt, sind derzeit ein gutes Mittel, um Langeweile zu überbrücken und die Stimmung zu heben. Bei der Auswahl sollte man jedoch Obacht geben, rät der Jugendpfleger.
Spiele, davon ist Rüdiger Pieck überzeugt, sind derzeit ein gutes Mittel, um Langeweile zu überbrücken und die Stimmung zu heben. Bei der Auswahl sollte man jedoch Obacht geben, rät der Jugendpfleger. Foto: Jeschke

Sein Job ist es vor allem, Freizeitangebote zu planen und jungen Menschen Raum für gesellschaftliches Engagement zu eröffnen. Also genau das, was angesichts des aktuellen Kontaktverbotes ganz und gar nicht gefragt ist. Aber gerade deshalb ist Stadtjugendpfleger Rüdiger Pieck derzeit auch ein durchaus interessanter Ansprechpartner.

Denn wer sollte besser beurteilen können, was jungen Menschen – und damit natürlich auch ihren Familien – während der aktuellen Corona-Krise fehlt, als derjenige, der die Freizeit der Kinder und Jugendlichen außerhalb von Schule, Vereinen und Elternhaus seit nun über zwei Jahrzehnten mit vielen kreativen Ideen maßgeblich (mit-) gestaltet und organisiert?

Finger weg von Spielen wie "Risiko"

„Der ,Lagerkoller‘ kommt. Das ist unausweichlich. Den gibt es in vielen Familien ja schon im Urlaub. Wie sollte der sich zur Zeit vermeiden lassen?“, ist sich Pieck sicher. „Ich glaube, es hilft, sich diese Unausweichlichkeit regelmäßig vor Augen zu führen. Das macht den Umgang damit leichter. Niemand ist nämlich schuld daran. Bloß keinen Ausraster übel nehmen, und auch nicht unbedingt auf eine Entschuldigung beharren. Wir sind in dieser Situation alle nicht wir selbst. Die aufkommenden Konflikte lacht man am besten weg.“

Apropos „Lachen“: Ein Thema, das angesichts des außerhäuslichen Kontaktverbots in vielen Familien wieder häufiger groß geschrieben wird, ist das gemeinsame Spielen. Aber auch das, betont Pieck, sollte man eher behutsam angehen. Denn: „Wer sonst nie miteinander spielt, den kann das plötzliche gemeinsame Spielen schnell überfordern. Am besten langsam herantasten, und das mit kleinen, einfachen Spielen, bei denen der Wettkampf nicht so sehr im Vordergrund steht“, empfiehlt der Jugendpfleger, dem das Risiko durchaus bewusst es.

Denn: „Daraus können sich schnell genau jene Konflikte entwickeln, denen man ja eigentlich vorbeugen wollte. Um hier mal ganz konkret zu werden: Finger weg von Spielen wie ,Risiko‘ – das killt schon in ganz anderen Zeiten die Stimmung. Lieber etwas Albernes oder Kooperatives. Wer es da etwas zynisch mag: ,Pandemie‘ ist nach wie vor eines meiner Lieblingsspiele.“

Rumalbern hat kathartische Wirkung

Nicht verboten, so Pieck weiter, ist es zudem auch in der aktuellen Krisenzeit ein wenig albern zu sein. Und auch mal Quatsch zu machen, sei durchaus angebracht, um die Stimmung entspannen. „Natürlich leben wir alle – auch die Kinder – zur Zeit mit einer gewissen Grundanspannung. Die muss immer wieder weggelacht werden. Veranstaltet täglich eine Flachwitzchallenge. Schmiert euch Sprühsahne ins Gesicht. Steckt euch gegenseitig Eiswürfel ins T-Shirt. Verkleidet euch und spielt alberne Sketche“, rät Rüdiger Pieck.

Auch eigentlich „alte Kamellen“ seien ein guter Tipp gegen den „Corona-Blues“, wie etwa „Stein, Schere, Papier“. „Das ist ein großartiges Spiel für die häusliche Quarantäne. Gemeinsam rumalbern hat kathartische Wirkung, löst Spannungen, befreit von Ängsten. Und das ist jetzt gerade so wichtig“, ist Pieck überzeugt.

Viel lachen, nicht ängstlich sein

Zudem rät er, sich nicht von Angst erdrücken zu lassen, sondern dem Virus aktiv zu begegnen. Die öffentliche Diskussion fokussiere sich aktuell sehr auf die Vermeidung von Ansteckungen und die Unterbrechung der Infektionskette. „Das ist sehr wichtig, aber nur ein Ansatzpunkt von zweien. Der andere: den eigenen Körper und die eigene Psyche auf die Infektion vorbereiten. Was wir selbst dafür tun: täglich raus in die Sonne und an die frische Luft – selbstverständlich unter strenger Beachtung der Abstandsregeln –, Sport treiben und die Lunge lüften“, so die Meinung des Jugendpflegers. Ein weiteres wichtiges Thema neben der Bewegung sei eine sehr gesunde Ernährung.

„Viel Frisches – und eben keine Nudeln und Konserven. Zeit zum Kochen haben wir ja jetzt reichlich. Und: extraviele Ballaststoffe in der Nahrung, um dadurch den Darm zu pflegen – das ist mit das Wichtigste, was wir für unser Immunsystem tun können“, sagt Pieck. „Ich bin überzeugt, dass das ,Drüberreden‘ dem Immunsystem zusätzlich auf die Sprünge hilft – wie ein kleine Beschwörung. Und: viel Lachen, nicht ängstlich sein. Auch eine gesunde Psyche unterstützt die körperliche Abwehr.“

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