58-jähriger Familienvater verurteilt
Anklage wegen sexuellen Missbrauchs der Stieftochter

Sassenberg -

Ein 58-jähriger mittlerweile in Alverskirchen lebender Familienvater musste sich vor dem Warendorfer Amtsgericht verantworten. Vorgeworfen wurde ihm, seine damals 14-jährige Stieftochter sexuell missbraucht zu haben. Der Angeklagte bestritt die Tat.

Dienstag, 03.03.2020, 09:12 Uhr aktualisiert: 03.03.2020, 09:34 Uhr
Ein 58-jähriger Mann musste sich vor dem Amtsgericht verantworten, weil er seine damals 14-jährige Stieftochter sexuell missbraucht haben soll.
Ein 58-jähriger Mann musste sich vor dem Amtsgericht verantworten, weil er seine damals 14-jährige Stieftochter sexuell missbraucht haben soll. Foto: dpa (Symbolbild)

Ein 58-jähriger inzwischen geschiedener und mittlerweile in Alverskirchen lebender Familienvater musste sich vor dem Warendorfer Amtsgericht wegen des Vorwurfs des sexuellen Missbrauchs seiner Stieftochter verantworten, der zwischen Mai 2011 und April 2013 stattgefunden haben soll. Die Verhandlung dauerte rund zwei Stunden.

Damals lebte der 58-jährige Büro-Informations-Elektroniker mit der damaligen Frau, einem gemeinsamen Sohn sowie der seinerzeit unter 14 Jahre alten Stieftochter in Sassenberg. Laut Anklage soll er das im Kinderzimmer-Bett schlafende Mädchen unter der Decke, aber oberhalb der Unterwäsche unsittlich berührt haben. Die Stieftochter sei davon wach geworden, habe auch noch feuchte Lippen wie nach einem Kuss bei sich festgestellt und habe sich im Bett weggedreht. Der Angeklagte bestritt die Tat – „gemacht habe ich das nicht“ – und erzählte davon, dass er abends ganz normal nach dem Mädchen geschaut habe, das öfter bei Licht und Musik sowie dem Handy in der Hand eingeschlafen sei. Er habe in diesem speziellen Fall versucht, das Handy unter der Bettdecke zu greifen, „ich kann nicht ausschließen, dass es zu einer Berührung kam. Ich habe auch nicht darüber nachgedacht.“

Bruder bemerkt Veränderungen an seiner Schwester

Sechs Zeugen wurden gehört. Neben der Stieftochter, die nichtöffentlich gehört wurde, noch die Mutter und Ex-Frau des Angeklagten, zwei Freundinnen, die sie ins Vertrauen gezogen hatte, der leibliche Vater und der leibliche Bruder des Mädchens. Sie alle schilderten weitestgehend übereinstimmend, was ihnen das Mädchen – inzwischen 20 Jahre alt – erzählt hatte, wie sehr es offenbar von dem Vorfall und mutmaßlich weiteren Vorfällen belastet war. Ein anderer Missbrauchsfall von einem Kollegen am Arbeitsplatz hatte die Erinnerungen wieder hochgespült. Der leibliche Vater und die Mutter fielen nach der Offenbarung im Frühsommer vergangenen Jahres aus allen Wolken.

Auf die Frage des Vaters, warum sie das nicht früher erzählt habe, habe sie geantwortet, „ich wollte das Glück von Mama nicht zerstören“. Während die „Mama“ keinerlei Veränderungen bei ihrer Tochter bemerkt hatte in den Jahren und von einem ganz normalen Familienleben sprach, hatten der leibliche Bruder des Mädchens, eine der Freundinnen und der Vater schon Veränderungen bemerkt. Die heute 20-Jährige sei nie in der Lage gewesen, Beziehungen und Bindungen zu Jungs aufzubauen. Der Bruder hatte bei seinen Besuchen gar beobachtet, wie der angeklagte Stiefvater seiner Schwester mit ihr abends auf dem Sofa gesessen und gekuschelt und „Körperkontakt gesucht“ habe. „Das kam mir damals schon merkwürdig vor.“

Freiheits- und Geldstrafe

Für die Staatsanwältin war nach der Beweisaufnahme die Sache klar: „Der Sachverhalt hat sich bestätigt“, es seien „glaubhafte Angaben“ der Zeugin mit „eigenem Empfinden und Gefühlen“ gewesen, gestützt durch die Aussagen der beiden Freundinnen und des leiblichen Vaters. Es sei auch keine „überschießende Belastungstendenz“ da, sprich keine theoretisch möglichen Behauptungen des Mädchens, dass es auf nackter Haut berührt worden sei. Der Verteidiger versuchte, Zweifel zu streuen, ob die Erinnerungen eines damals zehn- bis zwölfjährigen Mädchens nicht vielleicht gebildete Erinnerungen sein könnten. „Ich weiß nicht, was passiert ist. Das Gericht muss zu 100 Prozent überzeugt sein, dass mein Mandant die Tat begangen hat.“

„Diese Überzeugung haben wir“, betonte die Vorsitzende Richterin bei der Urteilsverkündung. Die Zeugin – sprich das Opfer – habe glaubhaft eigenes Erleben geschildert, sei konstant in den Aussagen gewesen. Das Gericht gehe „sicherlich in einem Fall“ von sexuellen Berührungen aus, und die Vermutung der nun 20-Jährigen, dass es häufiger passiert sei, „ist etwas, was wir ihr auch glauben“. Es seien „deutlich spürbare Auswirkungen“ auf die Betroffene festzustellen. Wegen des sexuellen Missbrauchs eines Kindes, eines Schutzbefohlenen und einer „widerstandsunfähigen Person“ (weil schlafend) wurde der 58-Jährige zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr zu drei Jahren auf Bewährung und einer Geldstrafe von 3.000 Euro zu Gunsten des Vereins „Frauen helfen Frauen“ verurteilt.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7306991?categorypath=%2F2%2F62%2F798625%2F819239%2F
Nachrichten-Ticker